In "Vampire unter uns!" beschäftigen sich ein Kriminalbiologe (Mark Benecke), eine Psychologin (Ewelin Wawrzyniak) sowie eine Künstlerin (Kathrin Sonntag) mit den verschiedenen Facetten von Vampirismus. Vom Blut-Fetischismus bis zum Dracula-Massentourismus ist so ziemlich jeder denkbare Bezug dabei. Was lässt Menschen an lebende Tote glauben? Was sind typische Vampir-Zeichen an einem Leichnam? Was hat Bram Stokers Dracula in Wahrheit mit dem oft damit in Verbindung gebrachten Vlad Tepes gemeinsam? Wie beeinflusste dies den Tourismus in Rumänien (Was erwartet den Urlauber dort wirklich?). All diese Fragen und noch mehr werden in den unterschiedlichen Beiträgen beantwortet. Man kann ein Stück weit eintauchen in die Welt der Vampirclans, die auch in Deutschland aktiv vertreten sind. Besonders authentisch und eindringlich ist hierbei das aufgeführte, ausführliche Interview mit einer "echten Vampirin". Besonders löblich ist, dass auf eine genaue Differenzierung zwischen Gothic-Szene, Fetisch-Szene und den verschiedenen Spielarten von Vampirismus Wert gelegt wurde. Doch so differenziert und fundiert die Beiträge auch sind, so vermögen sie es doch teilweise nur an der Oberfläche zu schürfen. Während die Vampirclans und die Tätigkeiten der Transylvanian Society of Dracula noch relativ ausführlich behandelt werden, bleibt die psychologische Sicht auf die Subkulturen knapp.Schlaglichtartig werden die diversen Blickwinkel beleuchtet, doch wer sich für eine spezielle Facette (beispielsweise "Energievampire") begeistert, wird auf weiterführende Literatur (auf welche ausführlich und übersichtlich vermerkt wird) zurückgreifen müssen. Wer Vampire bisher nur aus Twilight oder von Anne Rice kannte, der wird mit diesem Buch viele neue Denkanstöße erhalten. Wer sich schon eingehender mit dem Thema befasste (beispielsweise Elizabeth Miller - "Dracula" oder Norbert Borrmann - "Vampirismus"), der wird auf den ca. hundert Seiten nur wenige neue Facetten entdecken. Trotz dieses kleinen Mankos begeistert das Buch durch fundierte und dennoch leicht verständliche Erläuterungen, die den Knackpunkt treffen.
Wer einmal die Möglichkeit hat, der sollte einen von Mark Beneckes Vorträgen besuchen, bei denen er sich neben Vampirismus auch anderen Themen aus der Kriminalbiologie zuwendet. Die Vorträge sind stets fesselnd, lehrreich, voller Humor und Hirn zugleich - sie haben schlichtweg Biss :-)