Mit drei kräftigen Schlägen auf ihrer Synthie-Orgel reißen uns die Jungs von Vampire Weekend aus dem Schlaf, in den man sich angesichts der wenigen guten Produktionen der letzten Monate schon mal gerettet hatte. Doch jetzt: Vampire Weekend, und was sie an Innovativem im Gepäck haben, ist wie alles heutzutage nicht neu, aber nach über zwanzig Jahren so frisch und unverbraucht wie ehedem. An keinem geringeren als Paul Simon und seinem legendären "Graceland"-Album orientiert sich das Quartett, und das machen sie so genial, dass Sänger Ezra Koenig manchmal sogar wie sein Vorbild klingt ("M79") - Grund genug übrigens, auch mal wieder das Original anzuhören!!!. - Schön, dass die Symbiose aus Township Jive und amerikanischem Indierock augenzwinkernd gefeiert wird und - wie das Vorbild - keinesfalls etwas Museales oder Leichenfledderndes hat. Zugegeben, ich bin vorbelastet: Simons "Graceland" war seinerzeit ein Erweckungserlebnis für mich, der Zugang zu einem ganzen Kosmos von Musik, und nur, wer mit Crossover nichts anfangen kann oder afrikanische Musik mit Negern verbindet, die trommelnd ums Feuer tanzen, wird hier entnervt die Augen und Ohren verdrehen. Alle anderen: habt Spaß an dieser Musik, wie es die Band ebenfalls spürbar hat! Vampire Weekend adaptieren gekonnt die Vorliebe afrikanischer Musiker für Synthesizer und Gitarren, spielen flott, abwechslungsreich, pointiert und mit dezenter Unterstützung durch ein paar Streicher, und ehrlich: schon allein das geniale "Oxford Comma" oder die irre Synthie-Basslinie auf "One" verdienen die höchste Punktzahl! Wer ist schon Peter Gabriel? Hoch leben Paul Simon und Vampire Weekend!