Und weiter geht es mit Teil zwei der Reihe "Vampire Academy" von Richelle Mead. Dieses Mal mit dem Titel "Blaues Blut" und ich kann gleich zu Anfang sagen, dass der neue Band nicht so gut ist wie der erste. Nein, er ist sogar noch viel besser. Und solche Autoren müssten eigentlich ins kollektive Gedächtnis eingraben werden, denn ohne Witz, wenn ich rückblickend auf die ganzen Serien schaue, die ich so über die Jahre gelesen habe, sind doch die Fortsetzungen von sehr guten Auftakts in der Regel nie besser als diese bzw. erreichen nie wieder deren Charme. Klar, gibt es sie und mir fallen auch ein paar wenige ein, die auf gleichem Niveau verharren, aber das sind für mich wirklich die Ausnahmen. Umso mehr freue ich mich, mit dem vorliegenden Buch eine Steigerung zu "Blutschwestern" zu erleben, welches von mir schon mit fünf Sternen bewertet wurde...
Rosa Hathaway besucht das letzte Jahr an der Vampir Academy St. Vladimir um ihre Ausbildung als Wächterin abzuschließen und dann für den persönlichen Schutz ihrer besten Freundin Lissa, einer adeliger Moroi, bereit zu sein. Die ganze Geschichte schließt also fast nahtlos an den Vorgängern an. Während Lissa in Love mit Christian ist, hat Rose nach wie vor an ihren Gefühlen mit dem Wächter Dimitri zu knabbern. Sie weiß zwar, dass eine gemeinsame Beziehung keine Zukunft hätte, nicht zuletzt wegen ihrer Berufung, Alter, etc, aber wirklich lassen kann sie auch nicht von ihm - was umgekehrt auf ihn auch zutrifft. Während eines Ausflugs der beiden zu einer Prüfung finden sie ein Haus voller toter Moroi und Wächter vor. Schnell wird klar, dass die Strigoi in ihrem Kampf neue Unterstützung gefunden haben. Zu diesem Zweck wird die vorweihnachtliche Zeit genutzt, um abseits und streng geschützt von allem eine riesige Skihütte zu mieten und dort mit der gesamten Schule Urlaub zu machen. Aber auch dort wird deutlich, dass die Gefahr damit nicht gebannt ist.
Die Action und Übergriffe, die im ersten Band noch sehr rar waren, häufen sich und nehmen immer dramatischere Ausmaße an. Die Bedrohung ist nun endgültig da. Aber auch andere Aspekte werden fortgeführt. Und die Autorin hat es wieder geschafft, alles so spannend und raffiniert zu verpacken, dass ich das Buch fast nicht aus der Hand legen konnte. Vor allem konnte ich mich sehr gut mit Rose identifizieren; klar ist sie immer noch frech, aufsässig und ein bisschen wild, aber man merkt ihr an, dass sie sich auch weiterentwickelt hat und zumindest versucht, vernünftig zu handeln. Dass ihr das nicht immer leicht fällt, hängt nicht zuletzt mit den ganzen Regeln und Problemen zusammen, über die sie öfters stolpert. Beispielsweise taucht ihre Mutter in der Schule auf und ist dabei alles, nur nicht das, was sie sein sollte: Eine Mutter. Auch ihre beste Freundin verbringt immer mehr Zeit mit ihrem neuen Freund und sie weiß nie so richtig, wem sie ihre Gefühle und Gedanken anvertrauen soll. Mit Dimitri läuft es auch nicht viel besser; der zeigt zwar Gefühle, aber leider nicht für sie. Und als wäre das nicht schlimm genug, sind da immer noch die Bösen. Die vielen Gefühle wie Neid und Eifersucht, Alleinsein und unerfüllte Liebe sind dabei ständig präsent. Die Reaktion darauf mag in vielerlei Hinsicht kindisch und naiv wirken, war für mich jedoch stets nachvollziehbar. Nicht zuletzt ergaben sich daraus wieder viele lustige Szenen. Aber auch andere Personen haben mir gut gefallen. Dimitri, Christian, Mia, Roses neuer Freund und sogar ihre Mutter haben alle ihre Eigenarten und sind mir sofort ans Herz gewachsen. Einzig mit Lissa bin ich noch nicht warm geworden, denn sie wirkt immer ein wenig hilflos, blass und steht der Entwicklung meiner Lieblingsprotagonistin im Wege. Vielleicht kommt das im dritten Teil.
Was das Thema Spannung betrifft, muss ich besonders die letzten 100 Seiten hervorheben, denn die waren ja kaum noch zu überbieten. Ich habe förmlich mitgezittert, mitgefiebert, mitgelitten und am Schluss dachte ich nur: Wow, Achterbahnfahren hätte nicht spannender sein können - nicht mit zehn Loopings und freiem Fall! Das Gleiche trifft übrigens auch auf die Romantik zu: Dimitri und sie können einfach nicht voneinander lassen und die Luft ist praktisch immer am Flimmern, wenn die beiden gemeinsam in einer Szene auftauchen.
Das Schöne an guten Büchern ist, dass man einfach nichts zum Meckern hat. Dabei tue ich das doch so gerne :). Nein, ehrlich, auch nach längerem Nachdenken ist mir nichts Schlechtes eingefallen und ich könnte das Buch wieder und wieder und wieder lesen. Ich freue mich schon wahnsinnig auf den nächsten Teil und muss ja zugeben, dass ich letztens in der Buchhandlung schon heimlich ein bisschen im englischen dritten Band geblättert habe. Aber ich will mich zusammenreißen, denn in wenigen Tagen bzw. Wochen ist es ja soweit und ich ziehe das Deutsche gerne vor. Bis dahin heißt es schön dahinvegetieren, die Zeit überbrücken und ablenken. "Blaues Blut" ist auf jeden Fall empfehlenswert und darf eigentlich keinem Vampirfan entgehen. Selbst, wenn man den ersten Band nicht kennt, kommt man schnell in die Geschichte herein, weil im Prolog noch einmal das wichtigste zusammengefasst wurde. Wie man es auch dreht und wendet: Lesen und genießen!!!