Die Idee, mit Hilfe der Poisson-Verteilung zu Sportwettengewinnen zu kommen, ist im Prinzip ein vielversprechender Ansatz, aber nur, wenn man mit der Handhabung mathematischer Formeln und ihrer sachkundigen Anwendung im Bereich der Sportwetten nicht auf Kriegsfuß steht. Bei Fachbuchautor" L. Krauss ist das leider allzu oft der Fall. Immer wieder stößt man auf Argumentations- und Berechnungsfehler, die einer kritischen Prüfung nicht standhalten. So empfiehlt er, wie widersinnig auch immer, für Halbzeitwetten eine gleichmäßige Verteilung von Torraten über beide Halbzeiten. Oder er behauptet, die ermittelten Torraten gelten nur für 90 Minuten ohne die Nachspielzeiten. Oder er schreibt, die Berechnung von Halbzeit/Endstand-Wetten wäre in einem realistischen Zeitrahmen nicht zu bewältigen. Was für ein Nonsens! Oft kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Und bald wird es zur Gewißheit: Hier hat sich jemand mit einem Gegenstand beschäftigt, dem er nicht gewachsen war!
Auch besteht das 128-Seiten umfassende Werk zu großen Teilen (etwa 40 Prozent) nur aus Zahlen, die dazu noch meistens falsch sind! Angeblich faire Match Odds für Heimsieg / Unentschieden / Gastsieg wie z.B. 6,64 / 10,35 / 5,71 und einem Buchwert von 42 Prozent, mit denen uns Krauss häufig konfrontiert, sind nun wirklich nicht mehr diskussionsfähig und können nur als grober Unfug bezeichnet werden. Ein Indiz für besondere Gelehrsamkeit sind sie jedenfalls nicht. Zur Ehrenrettung des Autors könnte gesagt werden, dass ihm wenigstens die Darstellung der einfacher zu berechnenden Torsummenwetten gelungen ist. Doch die habe ich schon vor Jahren in einem von mir benutzten älteren Standard-Werk für Sportwetten (Der Wettbörsen-Profi) in verblüffend ähnlicher Weise wie bei Krauss dargestellt gefunden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Wie L. Krauss in seiner Einführung schreibt, hat er lange mit sich gerungen, sein "Wissen" zu veröffentlichen. Angesichts des Dilettantismus, der uns in seinem Buch auf Schritt und Tritt begegnet, wäre es wohl besser gewesen, er hätte es für sich behalten.
Krauss, setzen! Mehr als eine Fünf ist da leider nicht drin.