Eines gleich vorweg: Die Ausstattung dieses Films wird denjenigen, die hauptsächlich Wert darauf legen, dass bei einer DVD alle technischen Möglichkeiten des Mediums voll ausgereizt werden ganz gewiss nicht gefallen. Der Film liegt nur in der deutschen Synchronfassung in Dolby Digital 2.0 vor, verfügt über keine Untertitel und bietet auch sonst keinerlei Extras, außer einem Wendecover ohne das ach so gefürchtete FSK-Logo. Zudem ist das Bild auf großen HD-Bildschirmen ziemlich grobkörnig.
Alle, die nach wie vor eher auf INHALT denn auf FORM achten, dürfen sich hier aber über einen mehr als sehenswerten Film freuen, der gerade in den Zeiten von PISA-Studien und Diskussionen um Bildungsgutscheine eine bemerkenswerte Aktualität besitzt.
Der neunjährige Valo wird mit seinem Vater Anfang des 20. Jahrhunderts in ein kleines finnisches Dorf zwangsumgesiedelt, weil dieser politisch unangenehm aufgefallen ist. Zwei Jahre sollen der Schornsteinfeger und sein Sohn hier "unauffällig" leben.
Kaum eingetroffen, freundet sich Valo mit Ville, dem Sohn des Dorfpolizisten an, der von seinem trunksüchtigen Vater misshandelt wird. Daraufhin beschließt Valo, gegen all das Unrecht, das die Erwachsenen den Kindern antun zu kämpfen.
Zunächst erhält er auch Unterstützung durch die Schullehrerin. Doch als diese der Klasse aus "David Copperfield" von Charles Dickens vorliest, zieht sie den Zorn der "Obrigkeit" wegen "Aufrührerei" auf sich und die Schule wird geschlossen.
Valo und seine kleinen Freunde beschließen daraufhin, einfach selbst eine Schule zu gründen, damit alle Kinder lernen können. Sie haben keine Ahnung, wie gefährlich das für sie wird...
Der Film verfügt über eine außergewöhnliche Farbdramaturgie. An allen wichtigen Wendepunkten wechseln die Bilder in deutliche "Farbstiche", die an die Viragierung früher Stummfilme erinnert, wenn bestimmte Stimmungen erzeugt werden sollen. Das mag für manchen vielleicht etwas ungewöhnlich sein, aber es unterstreicht in den jeweiligen Situationen die Aussage des Films, der keine reine Fiktion ist, sondern auf den Tagebuchaufzeichnungen eines finnischen Kindes aus dem letzten Jahrhundert basiert.
Vor allem die Kinderdarsteller begeistern in diesem Film durch ihre natürliche Ausstrahlung. Die Rollen der Erwachsenen sind zwar fast ausschließlich auf ihre jeweilige primäre Charaktereigenschaft als gut oder böse reduziert, wirken aber dennoch im Rahmen dieser Geschichte glaubwürdig.
Ein ganz großes Lob verdient die wunderschöne Musik des Films, die die Bilder wunderbar unterstreicht.
Was an diesem Film am meisten berührt ist das Motiv, dass hier Kinder versuchen, sich ihre Rechte selber zu erkämpfen und das in einer Zeit, wo sie so gut wie keine Rechte und auch keine Lobby hatten. In einer Zeit, in der viel über Bildungsnotstand geredet wird, zeigt uns dieser Film, dass der Durst nach Wissen und Lernen eigentlich ein Grundbedürfnis von Kindern ist. Nur so können aus ihnen freie und starke Menschen werden.
Darüber sollte in einer Zeit, in der Jugendliche die Schule abbrechen, um an Castingshows teilzunehmen nicht nur nachgedacht, sondern geredet werden. Dieser Film leistet dazu einen wichtigen Beitrag.
Deshalb unter expliziter Ausklammerung der "technischen" Mängel dieser DVD volle 5 Punkte für einen sehr guten und wichtigen Film, der neben dem "UNICEF Children's Rights Award" mit mehreren anderen Preisen ausgezeichnet wurde!