Das teilweise sehr entrückte neue Album von British Sea Power braucht mehrere Anläufe, um seine Wirkung komplett zu entfalten. "Valhalla Dancehall" ist das fünfte, reguläre Studioalbum in der zehnjährigen Bandgeschichte von British Sea Power. Mit dem Vorgänger "Do You Like Rock Music?" lieferte das für seine unkonventionelle und phantasiereiche Bühnenshow bekannte Sextett eine straighte Indierock-Platte ab, die Genrefans zu begeistern wusste. Dieses Mal ist das Schlüsselwort eher "Entfaltung". Erscheint das Album nach den ersten Hördurchgängen teils nur wenig greifbar, offenbart sich bei genauem Hinhören die atmosphärische Weite einzelner Tracks. Doch eines nach dem anderen: "Valhalla Dancehall" beginnt zunächst straight und selbstsicher mit dem Opener "Who’s In Control". Sofort wird ersichtlich, dass auch anno 2011 einiges an Energie in dieser Band schlummert. Im weiteren Verlauf des Albums sind jedoch vereinzelt Tracks gestreut, die die anfängliche Euphorie schnell wieder verfliegen lassen. So sind zahlreiche Ecken vorhanden, in denen sich Songs verstecken, die nicht gleich dauerhaft im Kopf hängen bleiben wollen. Der Musik kann dies nur gut tun, lockt man mit festgefahrenen Genregrenzen mittlerweile niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. So ist Hinhören die Devise, man könnte schließlich etwas verpassen. Doch Nummern wie "Luna", die träge daherdümpeln, machen es dem Hörer reichlich schwer, die Aufmerksamkeit zu beizuhalten. So verhält es sich auch mit dem nachfolgenden Track "Baby", der sich mit ausladenden Arrangements alle Zeit der Welt nimmt. "Living Is So Easy", die erste Singleauskopplung, weiß wiederum durch seine poppigen Melodien und dem schüchtern fiependen Keyboard ebenso wie das unbeschwerte "Observe The Sky" mitzureißen. Haken schlagend versetzt die Band im letzten Drittel des Albums die Hörer abermals in Hab-Acht-Stellung: Allein die beiden Songs "Cleaning Out The Rooms" und "Once More Now" nehmen gute zwanzig Minuten der Spielzeit ein. Bevor man nach dem episch-verträumten "Cleaning Out The Rooms" jedoch vollends abdriftet, rüttelt "Thin Black Sail" noch einmal wach, nur um nach seinen treibenden knapp zwei Minuten in das ausschweifende "Once More Now" überzugehen, das allein vier Minuten braucht, um selig auszuklingen. Der letzte Song schließlich stellt eine Quintessenz für alles dar, was British Sea Power auszeichnet: "Heavy Water" bringt die Unaufgeregtheit, die Verträumtheit sowie das Gespür für poppig-hymnische Melodien noch einmal auf den Punkt. Eine große Bandbreite und den Spagat zwischen den zu vermittelnden Emotionen beherrschen British Sea Power also gewiss. Etwas mehr Schärfe hätte dem Album als Gesamtkonzept dennoch gut getan. Viele Songs gleiten deshalb durch die Hände, erscheinen transparent und nicht greifbar, sodass nach dem ersten Durchgang ein reichlich verwischter Eindruck zurückbleibt. Keine Frage, British Sea Power ist mit "Valhalla Dancehall" ein solides Rockalbum gelungen, das jedoch selten aus der Masse auch nur ansatzweise vergleichbarer Bands hervorsticht. Einer der Gründe könnte sein, dass das Werk im Ganzen betrachtet zu fahrig wirkt und die Band nur selten konkret wird. Doch das scheint den Jungs herzlich egal zu sein, ziehen sie ihre Linie nunmehr seit zehn Jahren durch. Liebhaber verspielter Rockmusik werden an "Valhalla Dancehall" also dennoch gefallen finden.
Kurzbeschreibung
British Sea Power sind zurück mit ihrem neuen Studioalbum. Die in Brighton lebende Band, die für ihre legendären Live-Auftritte bekannt ist und mit ihrem Album „Do You Like Rock Music?“ 2008 für den renommierten Mercury Award nominiert war, bleibt ihrem Sound treu und liefert mit „Valhalla Dancehall“ eine Platte ab, auf der zwischen epischem Shoegaze und rauschhaftem Gitarrenpop alles seinen Platz findet, was sich auch auf der Bühne exzessiv zelebrieren lässt.Aufgenommen hat die Band ihr neues Album zusammen mit Produzent Graham Sutton, der auch schon bei den letzten beiden Alben mit der Band kooperierte.
Der Titel „Valhalla Dancehall“ beschwört jenen radikalen Internationalismus, den British Sea Power mit Konzerten am Polarkreis oder auf der Chinesischen Mauer auch persönlich leben. Somit darf der Clash der Assoziationen von nordischen Mythen und Kingston-Disco durchaus verstanden werden als Statement gegen begrenzte Denkhorizonte und provinzielle Borniertheit. Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 haben British Sea Power Konzerte und Tourneen mit unzähligen Künstlern gespielt, darunter Radiohead, Flaming Lips, Lou Reed und David Bowie, der bekennender Sympathisant der Band ist. „Valhalla Dancehall“ lässt Großes erahnen für die kommenden Shows, die British Sea Power auch endlich wieder nach Deutschland führen werden! Das Album jedenfalls liefert einen mehr als verheißungsvollen Ausblick.