Valentino ist eine wunderbare kleine, stille Erzählung, erzählt von Valentinos kleiner Schwester. Der gut aussehende, vielversprechende Valentino, Sohn einer gebildeten, aber mittellosen Familie, studiert lustlos Medizin, weil sein Vater dies für ihn in die Wege geleitet hat. Er erhofft sich von Valentinos Unterstützung, dass er zielstrebig studiert und der Familie eines Tages zu etwas mehr Wohlstand verhelfen kann. Was der Vater nicht wahrhaben will, ist, dass Valentino nicht wirklich ernsthaft studiert, sondern träge und orientierungslos seine Zeit verbringt. Die einzige aus der Familie, die dies klar und deutlich erkennt, ist Valentinos verbitterte Schwester Clara. Eines Tages bringt Valentino die skurrile, hässliche, reiche Maddalena mit nach Hause, die er aus für die anderen unerfindlichen Gründen heiraten möchte. Eine Weile lebt Valentino mit Maddalena ein ausschweifendes Leben, aber bald wird deutlich, dass die Ehe mit Maddalena voller Spannungen steckt. Nachdem die Eltern der Familie gramgebeugt starben, zieht die Ich-Erzählerin zur Familie Valentinos. Maddalena ermöglicht ihr eine Ausbildung als Lehrerin, so dass sie nach dem Auseinanderbrechen von Maddalenas und Valentinos Ehe für Valentino und sich aufkommen kann. Der Leser ahnt schon eine ganze Weile, was an der ganzen Geschichte nicht stimmt, und nach und nach wird die Ahnung zur ungeheuerlichen Gewissheit. Die Erzählung, die von unerfüllten Hoffnungen, von Enttäuschung, Selbstbetrug und vom Scheitern handelt, berührt vor allem durch bloße Andeutungen und durch die Schlichtheit ihrer Worte.