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Vakante Glut/Dans la chaleur vacante: Gedichte. Französisch und deutsch (Bibliothek Suhrkamp)
 
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Vakante Glut/Dans la chaleur vacante: Gedichte. Französisch und deutsch (Bibliothek Suhrkamp) [Gebundene Ausgabe]

André du Bouchet , Paul Celan
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 183 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (29. August 1989)
  • Sprache: Deutsch, Französisch
  • ISBN-10: 3518220217
  • ISBN-13: 978-3518220214
  • Größe und/oder Gewicht: 17,8 x 11,8 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 737.673 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Über Vakante Glut schrieb Johannes Poethen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Du Bouchet steht in einer alten, seit etwa 1850 überaus reich gewordenen Tradition, ohne deshalb Traditionalist zu sein. Er verwendet die überkommenen Techniken mit einer ihm ganz eigenen Sensibilität...Manchen werden diese Gedichte suspekt sein; ihr eiliger Blick, zugestellt von den gängigen Plakaten und modischen Spruchblasen, wird sie nicht wahrnehmen. Dabei verraten diese Gedichte in all ihrer Innerlichkeit ein äußerstes, gefährliches Engagement. Der Leser freilich wird sich die Zeit nehmen müssen, darüber zu meditieren. Paul Celan übertrug nicht in die Sprache Paul Celans. Ihm sind neue französische Gedichte in höchst subtiler deutscher Sprachgestalt zu danken."

Über den Autor

Paul Celan wurde am 23. November 1920 als Paul Antschel als einziger Sohn deutschsprachiger, jüdischer Eltern im damals rumänischen Czernowitz geboren. Nach dem Abitur 1938 begann er ein Medizinstudium in Tours/Frankreich, kehrte jedoch ein Jahr später nach Rumänien, zurück, um dort Romanistik zu studieren. 1942 wurden Celans Eltern deportiert. Im Herbst desselben Jahres starb sein Vater in einem Lager an Typhus, seine Mutter wurde erschossen. Von 1942 bis 1944 musste Celan in verschiedenen rumänischen Arbeitslagern Zwangsarbeit leisten. Von 1945 bis 1947 arbeitete er als Lektor und Übersetzer in Bukarest, erste Gedichte wurden publiziert. Im Juli 1948 zog er nach Paris, wo er bis zum seinem Tod lebte. Im selben Jahr begegnete Celan Ingeborg Bachmann. Dass Ingeborg Bachmann und Paul Celan Ende der vierziger Jahre und Anfang der fünfziger Jahre ein Liebesverhältnis verband, das im Oktober 1957 bis Mai 1958 wieder aufgenommen wurde, wird den posthum veröffentlichten Briefwechsel Herzzeit zwischen den beiden bestätigt. November 1951 lernte Celan in Paris die Künstlerin Gisèle de Lestrange kennen, die er ein Jahr später heiratete. 1955 kam ihr gemeinsamer Sohn Eric zur Welt. Im Frühjahr 1970 nahm sich Celan in der Seine das Leben.


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4.0 von 5 Sternen "Die Luft, die sich der Fernen bemächtigt, lässt uns lebend hinter sich." oder: Im großen Schatten weniger Worte., 21. Februar 2012
Von 
Timo Brandt "Ways are, there you go" (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Vakante Glut/Dans la chaleur vacante: Gedichte. Französisch und deutsch (Bibliothek Suhrkamp) (Gebundene Ausgabe)
"Der Berg
wie ein Spalt im Atem
der Leib des Gletschers."

Französische Poeten der Moderne haben die Eigenart, elementare Dichter zu sein. Ihnen liegt selten das Imaginative und noch seltener das thematisch fixierte; vielmehr liegt ihre ganze Kraft, das ganze Wesen ihrer Dichtung auf dem Element ihrer Sprache, auf einer Art Metakraft, die ihre Sprache und deren Raum in unendlichen Reihen von Wörtern ausspeit oder freigibt. Diese lange Tradition begann schon mit Rimbaud und gipfelte gleichzeitig in ihm und etwas später in Apollinaire und seinem ja schon sprichwörtlichen Gedichtband Alkohol; natürlich sind auch Namen wie Verlaine und Valery dieser Kategorie zuzuordnen, jeder mit eigenem Stil selbstverständlich. Die Tradition dieser ganz auf die Worte selbst beharrenden Sprachkadenzen ist bis heute so gut wie ungebrochen. André du Bouchet, gefeierter Übersetzer der Werke Paul Celans ins Französische, ist da keine wirkliche Ausnahme.

"Am Anfang der kalten und weißen Brust, in der mein
Satz sich unterbringt, über der Mauer, im wild-
wachsenden Licht."

Obwohl der Gedichtband "Vakante Glut" in 7 Teile unterteilt ist und diese wiederum in viele Einzelgedichte, hat man nicht das Gefühl, dass das Gedicht, das auf der ersten Seite anfängt, jemals gänzlich aufhört. Eigentlich ist der ganze Band, trotz dieser Unterteilungen, ein einziges, sich immer wieder auf sich zurückbesinnendes Gedicht. Es mag zwar manchmal, wie eine Flagge, in die eine oder die andere Richtung wehen, aber der Mast bleibt derselbe und wenn kein starker Wind weht, legt und lehnt sie sich wieder dagegen zurück, um wieder davon auszu(g/w)ehen.

"...der Lufthauch
der dem Feld entsteigt
das Licht
der Zügel."

Wenige zentrale Worte durchziehen das Buch. Auch die Seiten sind sehr großzügig bedruckt, die Sätze immer etwas zersplittert und über die Seite verteilt und manchmal nehmen sie gar nur den oberen Rand einer Seite ein. Da es auch noch ein zweisprachiger Band ist, also nur eine Seite jeweils Deutsch, hätte der Inhalt auch auf wesentlich weniger Seiten Platz gefunden; was mich nicht störte, da es für mich die Atmosphäre des Bandes unterstreicht.
Diese Atmosphäre ist die der Symbiose aus dem Weiß der Seite und dem Schwarz der Buchstaben, der Symbiose aus Feuer und Eiseskälte, aus Wind und einer festen Mauer, aus Luft am Tag und Atem in der Nacht. Diese Worte und Wendungen und noch einige andere Schlagworte wie Feld, Stein, Berg, Himmel, Glut, Straße sind die Variablen von du Bouchets Lyrik. Es liegt noch einiges dazwischen, aber es sind diese wiederkehrenden Wörter, die seine Dichtung ausmachen - und man hat irgendwie das Gefühl, als würde die ganze Dichtung nur dazu dienen, diesen paar Wörtern auf den Grund zu kommen.

"Wenn die Nacht einfällt, ist die unnütze Straße mit schwarzen Ländern bedeckt, die sich vermehren."

Wie dieser Satz zeigt entbehren du Bouchets Seiten jedoch nicht ein paar großartiger Gedichte und Formulierungen. Das ganze, den Band umfassende Gedicht ist sicherlich ein großes poetisches Räderwerk, mit dem man sich lange beschäftigen kann, aber es sind einzelne, meist ganz am Rand liegende Räder diese Komplexes, fast unnütz für das große Ganze, die wirklich berühren und ein Bild entstehen lassen. Für diese paar einzelnen Gedichte lohnt es sich schon, den Band zu lesen.

"Da ist noch Karosserie des Schaums, der aufklirrt als entspränge er mit zerbrochnen Nägeln in der Erde verkanterten Baum, dieser Kopf, der auftaucht und sich in die Ordnung fügt, und die Stille, die uns fordert wie ein großes Feld.
Der Heuschober des anderen Sommers funkelt."

Sehr schade und bedauerlich ist es, dass dem Werk keine einzige Anmerkung, auch keine Erläuterung des Übersetzers Celan oder überhaupt irgendeine Art von Beitext mitgegeben wurde - vielleicht aus dem nicht ganz falschen Gedanken heraus, dass man das Werk dieses französischen Elements am besten selber Stück für Stück entschlüsseln möchte, bis man den Stein wie einen Kloß im Hals und die Kälte wie ein Mark in den Knochen spüren kann. Aber, so ganz wortlos diesen Dichter und seinen Band hinzustellen und den Leser so zu entlassen - es hinterlässt unweigerlich das Gefühl einer viel zu oberflächlichen Beschäftigung. Denn was der letzte Satz des Bandes sagt, ist nur zu wahr und bestimmt den ganzen Band rückblickend; vielleicht muss man ihn deswegen, wenn man nun diesen liest, einfach nochmal von vorne lesen:

"Nichts stillt den Durst meines Schrittes."
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