Produktbeschreibungen
Die neue CD Vagarosa beschreitet unvermessenes Territorium: Als ob die katzenartige Stimme von Norah Jones auf den Eklektizismus des Reggae-Produzenten Lee Perry stoßen würde. ...Céus Gesang stellt Intimität her – und rutscht doch niemals ins allzu Liebliche ab: Dafür sorgen die spröden, pschedelischen Funkrhythmen ihrer Begleitcombo – und so mancher gewollte Bruch: Das Album beginnt mit einem akustischen Samba, dessen Nostalgie nach genau 55 Sekunden im Knistern zerkratzten Vinyls ertrinkt. In Espaconave wiederum werden Stimmen, Rückkopplungen und Feldaufnahmen von Tieren des Regenwaldes übereinandergeschichtet. Nein, Céus Coolness biedert sich nicht an. Vielmehr beweist ihr Album, dass der brasilianische Pop gerade dann gewinnt, wenn er die Klangklischees westlicher Caipirinha-Bars links liegen lässt – und stattdessen mit dem aus aller Welt angeschwemmten Treibgut Collage spielt. Jonathan Fischer
Produktbeschreibungen
“Vagarosa“, das zweite Album der sensationellen Vokal-Stilistin aus São Paolo, ist eine Enttäuschung ¬– könnten jene fälschlicherweise sagen, die darauf hofften, die geniale Brasilianerin würde sich vielleicht mehr den Traditionen von Samba &, Bossa & Co. zuwenden. Oder die andere Fraktion, die eventuell mehr elektronifizierte Moderne erwartete. Doch Maria Do Céu Whitaker Poças entzieht sich all diesen Erwartungen und pflegt stattdessen ihre kosmopolitische Stilvielfalt. Und auch ihr zweites Album bestätigt all jene Qualitäten, die AUDIO schon ihr etwas gefälligeres Debüt zur „Pop-CD des Monats“ (siehe 8/2007) küren ließ. Ein wenig Geduld braucht es zwar schon, doch dann entfaltet „Vagarosa“ (was gemächlich, langsam oder auch lässig bedeutet) eine immense stilistische Farbenpracht und belohnt die Annäherung durch reichhaltige, stets fein abgestufte Soundvariationen. Und weil derart ¬tolle, inspirierte und ¬animierende Musik nach wie vor eher rar ist, dürfte die 29-jährige Paulista bei Musikgourmets mit weitem Horizont bald mehr sein als nur ein gut gehüteter Geheimtipp. Céu kreuzt virtuos Sambaspuren und Popmelodik, streut Electronica-Streusel und Dub-Riddims ein (wie in „Cordao Da Insonia“, der Hymne auf die kreative Schlaflosigkeit), garniert das trippig treibende „Nascente“ mit schlängelnden Vocals und grandiosen Jazz-Bläsern und umgarnt „Rosa Menina Rosa“ mit Retro-Orgelsounds und Psychedelic-Ambiente. „Somnambulo“ wiederum spielt mit einen Hauch von Tango mit Trip¬Hop und Scratches – und alles zusammen beweist: Céu ist eine Ausnahmekünstlerin und rechtfertigt den Debüt-Lorbeer mit ihrer zweiten Platte vollauf. Claus Böhm
Fazit: Céu bleibt die weitsichtige, stilsichere Hohepriesterin des Brasil-Pop
Musik: 4,5 Klang: 4
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STEREO
Mit bekannten Mitteln etwas Neues schaffen – das Wunderkind aus São Paulo macht’s möglich. Doch Céus Größe liegt nicht in dem Umstand begründet, dass sie Samba mit Reggae, Lounge und einem Schuss Tropicalismo verbindet, sondern wie sie dies macht: konzentriert, stilsicher und mit unbekümmerter Lust am Experiment. Dabei klingt die 29-jährige Tochter eines brasilianischen Komponisten auch auf dem Nachfolger ihres gefeierten Debüts stets wie sie selbst – unvergleichlich und vertraut zugleich. Mit „Vagarosa“ legt die musikalische Kosmopolitin ein weiteres Werk voll ansprechender Melodien vor. -- Wolfgang Zwack
STEREOPLAY 11/2009
Ihr Debut kürten wir zur Pop-CD des Monats (8/07). Auf ihrem zweiten Album überzeugt die junge Brasilianerin mit der klaren Stimme schon wieder. In warmes Vinylknistern eingebettet, entfaltet ihr exotischer TripHop von Beginn an voll seine Wirkung. Surf-Gitarren und schraddelige Ukulele, Mellotron und irrlichternde Synthies, Samba und Electronica fließen zu einem berauschenden Cocktail zusammen. Zuckersüß und lecker fruchtig. Michael Sohn
Musik: 8 Klang: 7-9
Kurzbeschreibung
Tropische Vokalkosmonautin
Das hat die brasilianische Musik hierzulande selten erlebt: Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik, CD des Monats sowohl in „Audio“ als auch in „Stereoplay“, den beiden führenden Hifi-Magazinen, und allein in Deutschland 10.000 verkaufte Alben für ihr Debutalbum. Die 29jährige Céu aus São Paulo überflügelt seit 2007 international sämtliche Superstars ihres Landes. Dabei wirbelt sie Zuckerhut-Stereotypen kräftig durcheinander: Mit einem atemberaubenden Mix aus Samba-Poesie, Triphop und Electronica schickt die sinnliche Sängerin den Brasil-Pop ins 21. Jahrhundert.
Auch auf ihrem zweiten Werk verblüfft die schöne Frau aus Brasiliens größter Stadt von Grund auf. Vagarosa ist ein verspielt-erotisches Ohrenkino: Anachronistische Keyboards und Orgeln wie aus einem Science Fiction der Siebziger verzwirbeln sich mit Scratches, mit Dub- und Reggae-Riddims, ein wenig Surfrock blitzt in den Stromgitarren auf, eine Jazztrompete stolziert über Rockdrums, eine verlorene Melodica hallt durch den Raum. Sogar ein wenig zurückgelehntes Chanson-Feeling kommt auf und purer Samba aus dem Hinterhof hat durchaus auch noch sein Plätzchen. Im Auge des Geschehens residiert Céus bezaubernde Stimme, als tropische Vokalkosmonautin in Szene gesetzt, fruchtig zu Chören gestapelt oder mit mysteriösen Soulanwandlungen durch die Strophen führend, die von Liebeslyrik in allen Schattierungen erfüllt sind.
Mit dem Raumschiff in den Dschungel: Die neue Welt der Céu klingt wie ein futuristischer Ausflug auf einen tropischen Planeten mit wunderlichen Kontinenten zwischen Psychedelic-Rock, Samba und Lounge. Caetano Veloso bescheinigt ihr ohne Umschweife: „Sie ist die Zukunft der brasilianischen Musik.“