Einfach herrlich! Viele Bilder erkennt man wieder aus Broschüren jener Zeit, aus längst vergessenen Magazinen und aus Filmen der Nachkriegszeit. Was war das für ein Gefährt, nach dem sich Künstler (z.B. Buhlan und Herbig) mit Vornamen nannten bzw. nennen. Ich erinnere mich, als unser Milchmann in den 50ern vom Pferdefuhrwerk auf einem Verkaufswagen-Bulli mit Hochdach umrüstete und nur noch die außen befestigte Messingglocke blieb. Der Bäcker benötigte für die gestapelten Weidenkörbe nur die Standardversion, ebenso wie der Rundfunkhändler, als er das erste Röhrenradio und in den 60ern den ersten Fernseher lieferte. Sonntags fuhr mit großem Bimmelim der Eiswagen-Bulli vors Haus. Mit einer Schienenbullidraisine der Bahn durfte ich mitfahren, um einen Böschungsbrand neben den Bahngleisen zu löschen. In den Ferien staunte ich über Onkel's schokobraunen Firmenbulli mit auflackiertem Sarotti-Mohr. Omas Untermieter fuhr einen grauen Werkstattbulli der Überlandwerke, und natürlich hatten die noch ein weiteres Exemplar mit Hebebühne, um die Leuchtröhren der Straßenlaternen auszuwechseln. In der Schulzeit juckelte der Vereinstrainer seine Schützlinge mit einem Bulli-Bus zu Sportwettkämpfen. Als Lehrling fuhr man mit Freunden im Käfer auf einem Campingplatz und bestaunte dort die originellen Cavaran-Modelle der älteren Generation in allen möglichen Variationen mit und ohne Vordach und Vorzelt. Es folgten Exkursionen auf staubigen Pisten im Orient und die erste Pannenerfahrung, als ein türkischer Autoschrauber das dringend benötigte Ersatzteil über Nacht aus dem Nichts beschaffte und die Reise in gewohnter Zuverlässigkeit weiterging. Peter Kurzes Buch bringt neben schönen Illustrationen und Fotos auch Interessantes über Geschichte und Technik dieses erstaunlichen Automobils. Und im Nachhinein ist man auch ein wenig erleichtert, dass man der ganz frühen Radarwagenversion auf Bulli-Basis niemals begegnet ist. Ein sehr zu empfehlendes Buch nicht nur für eingefleischte Bulli-Fans, sondern all jene, die die Nachkriegszeit und das Wirtschaftswunder miterlebt haben und sich gern an ihre individuellen Bulli-Erlebnisse zurückerinnern.