Man fragt sich ja immer wieder, wie es diese Band schafft - so großartig sie auch ist - den hohen Standard zu halten, den sie seinerzeit mit Alben wie "The Divine Wings Of Tragedy" gesetzt hat, aber irgendwie schaffen sie es halt immer wieder, unglaubliche Sachen aus dem Ärmel zu schütteln. Es wäre vielleicht übertrieben, dieses Konzeptalbum über Dream Theaters "Scenes From A Memory" zu stellen, andererseits hinkt der Vergleich sowieso, weil diese beiden Alben völlig unterschiedlich sind.
Wie auch immer, mich begeistert der bombastische Sound mit den grandiosen Orgelteppichen, die göttlichen Melodiebögen, die tollen Soli, die geil geschriebenen Lyrics und Russell Allens Stimme (in meinen Augen der beste Rock/Metal-Sänger überhaupt zur Zeit). Auch liebe ich das Düstere, Geheimnisvolle, das stets in der Musik von Symphony X liegt.
Außerdem habe ich schon immer sehr gerne Klassik gehört und von daher begeistert mich diese Scheibe natürlich umso mehr.
Im übrigen sind die Titel dank der tollen Refrains trotz des Konzepts meist sehr eingängig - man höre sich nur ein paar Mal den Opener "Evolution (The Grand Design)" an...
Es fällt schwer, die besten Stücke hervorzuheben, aber ich versuche es mal: Neben dem eben genannten "Evolution" sind das für mich vor allem noch "Communion And The Oracle", "Egypt", "A Fool's Paradise" und besonders das grandiose "Fallen".
Allerdings finde ich auch - nur damit die nicht untergehen - auch die kleinen Zwischenspiele absolut gelungen. Wie z. B. das "Dies Irae" am Anfang im "Prelude", das stark an Verdi erinnert, das "Lacrymosa", das aus Mozarts Requiem übernommen worden sein dürfte oder "Rediscovery (Segue)". Die beiden erstgenannten Titel sind mit Sicherheit extra ausgesucht worden, schließlich weiß man ja, dass Symphony X auch sehr klassikorientiert sind; klingt außerdem auch im Gesamtkonzept gut passend.
Alles in allem: "V" ist ein eigenes kleines Kunstwerk, das trotz des hohen Bombastfaktors nie kitschig oder überladen wirkt, sondern Gänsehaut verleiht, und neben der - wie immer großartigen - technischen Klasse der fünf Musiker hier dank der Konzeptarbeit mit wiederkehrenden Melodien oder Motiven, wenn man so will, ganz besonders die kompositorische Klasse offenbart (was natürlich nicht heißen soll, dass diese nicht auch schon auf den Vorgängeralben vorhanden gewesen wäre). Keiner jedenfalls, der auf Klassik, Bombastsounds und spektakuläre Soli steht, kann um dieses Werk herumkommen.