Der Aufruf der beiden Buchautoren, "einer der zehn weltweit führenden Ornithologen Prof. Dr. rer. nat. Peter Berthold (1939), und (seine Frau?) Gabriele Mohr, seit 1978 Technische Assistentin an der Vogelwarte Radolfzell und gemeinsam mit ihm ebenfalls engagierte Natur- und Vogelschützerin" [Klappentext-Auszug], verdient respektvolle Beachtung, wenn und soweit sie darum kämpfen, auch die heimische Vogelwelt erhalten zu sollen -- insoweit bin ich vollständig auf ihrer Seite. Jedoch erscheint mir ihre (Buch-) Konzeption einseitig aus ihrer (Vogel?-)Perspektive als Professionals betrachtet, für vögelliebenden Laien hingegen eher illusorisch in der praktischen Umsetzbarkeit.
Obwohl ich im allgemeinen natürlich zunächst meinen persönlichen Erfahrungen folge, bin ich insbesondere für wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse durchaus aufgeschlossen -- und ließ mich dazu verführen, dem überzeugenden Appell der Autoren zu folgen, auch ganzjährig unseren gefiederten Umweltschützern "gezielt zuzufüttern". Meine aus jahrelanger Übung resultierenden (heimlichen) Vorbehalte stellte ich zurück und begann im November 2010, der Vogelwelt meiner Region mein selbstgemachtes, aber auch das im Spezialhandel gekaufte Vogelfutter auf meinen beiden Balkonen "das ganze Jahr" verfügbar zu machen.
Das Ergebnis war niederschmetternd: Obwohl ich äußerst umsichtig vorging und meine Futtersilos nur an Stellen ausbrachte, die für große (Raub-) Vögel eigentlich unerreichbar sein sollten -- sie tricksten mich stets aus!!! Und ob man's nun glaubt oder nicht: Eines schönen Tages fand ich auf meinem Südostbalkon einen beeindruckend riesigen, mit Kirsch(?)kernen gespickten Kothaufen vor, der seinem Volumen nach einem Hundehaufen nicht unähnlich war!; ein anderes Mal lag dort ein halb aufgefressenes, luft- und sonnengetrocknetes Kaninchen -- oder was immer das gewesen sein mochte! Auch dieser Balkon liegt im letzten Stockwerk des Gebäudes!, ist nicht überdacht und ob seiner Lage von außen quasi nur aus der Luft, also nur für Vögel erreichbar [es sei denn, ein Scherzbold sei auf das versetzt vorhandene Hausdach geklettert, um ...(?)]! Also der Dank einer gesättigten Vogelkreatur? Schon möglich -- aber auf solche zusätzlichen "Ehrbezeigungen" möchte ich dann doch lieber verzichten -- mich nervt auch so genug, was insbesondere größere Vögel üblicherweise an Sch***mutz hinterlassen!
Meine regelmäßigen "Gäste" Kohlmeisen, Blaumeisen, Schwanzmeisen, Grünlinge, Buchfinken, Stieglitze, Spatzen/Sperlinge, vielleicht sogar die von Sperlingen schwer zu unterscheidenden Braunellen, Amseln, Rotkehlchen, Gimpel-/Dompfaffpärchen oder gar mein über alles geliebter Zaunkönig haben mir jedenfalls noch niemals durch irgendwelche dubiosen "Hinterlassenschaften" dafür "gedankt", daß ich seit Jahrzehnten "flankierend" für ihre "Zu"fütterung sorge. Aber Amseln z.B. haben irgendwann einfach auf einem der Balkone genistet ... sie hatten sogar so viele Küken, daß sie eines aus dem Nest warfen, das dann irgendwie in der Astgabel unserer Container-Linde überlebte. *) Und Meisen nisteten jahrelang wie selbstverständlich irgendwo droben in einem Loch in der Dachplane ... der kleine, unbeholfene Plumps eines der flüggen flauschigen Nestlinge zunächst in die Koniferen und dann gegen meine Balkonscheibe war sehr anrührend... noch mehr entzückte mich, daß sie alle mich furchtlos ziemlich dicht an sich heranließen!
Obwohl - oder weil? - ich während 2010/2011 durchgehend den Ratschlägen der beiden Autoren dieses Buches folgte, nisteten diesmal weder Amseln noch Meisen auf meinen Balkonen. Statt dessen verbrauchte i c h viel Energie, um Tauben, Elstern, Eichelhäher ... sogar Krähen! von meinen Balkonen zu verscheuchen. Vielleicht liegt's ja an der generellen ... "Umweltverschmutzung", daß "meine" Vögel heuer so auffällig selten ihre sattsam bekannten Futterquellen auf meinen Balkonen aufsuchten. Andererseits: Wer wollte es ihnen verdenken angesichts dessen, daß sich ihre "natürlichen" Feinde Elstern & Co. übermächtig auch auf meinen Balkonen breitmachten! Taten sie d a s vielleicht deshalb, weil es so viel "zusätzliches" Futter gab, das ihnen ursprünglich gar nicht zugedacht war? Diesen Aspekt mögen die Autoren dieses Buches übersehen, gar nicht bedacht -- oder unabsichtlich "unterschlagen" haben. Vielleicht haben sie ihre Überlegungen aber auch nur versehentlich nicht hinreichend auf Stadtvögel in Ballungsgebieten ausgedehnt ... (?).
Obwohl ich dem Grundgedanken der Autoren vollinhaltlich zustimme, verstärken sich zunehmend meine Bedenken gegen den "unkontrollierbaren" Einfluß auf die Populationsdichte durch "ganzjährige Zufütterung" a u c h durch unprofessionelle Vogelfreunde -- Stichwort: ungewollte, ungezielte, unkontrollierbare, nicht zuletzt jedoch unerwünschte! Vermehrung zu Lasten eines "natürlichen" Populations-Gleichgewichtes ...!
Unbeschadet meiner Ambivalenz unterstütze ich selbstverständlich nach wie vor den klugen Appell der Autoren Prof. Peter Berthold und Gabriele Mohr, mit dem sie zu Recht zu der Erkenntnis aufrufen, unsere Vögel verstärkt als "Umweltschützer" wahrzunehmen und sie durch artgerechte Behandlung zu versorgen, um eine gesunde Population zu fördern. Allerdings wünsche ich uns allen eine (auch Buch-) Umsetzung ihrer professionellen, langjährigen und erfolgreichen Erfahrungen und Arbeitsergebnisse, die gleichgewichtig unseren heimischen Vögeln hilft, und zwar auch den S t a d tvögeln in Ballungszentren!
Ganz wichtig ist übrigens auch der nachdrückliche Hinweis der Buchautoren, es sei "absolut falsch", daß Vögel im Winter weder Trink- noch Badewasser erhalten dürften [S.31]. "Fast alle bei uns überwinternden Arten müssen täglich trinken [...], auch bei Kahlfrost, wenn sie keinen Schnee zur Verfügung haben. [...] Ideale Tränken sind flache, allmählich tiefer werdende muldenförmige Schalen mit maximal ca. 5cm Wassertiefe und rauer Oberfläche, eventuell mit flachen Steinen als Inseln." Das kann ich bestätigen: Ein ausrangierter flacher Bräter wurde von "meinen" Vögeln zu meiner Verblüffung sofort "in Beschlag genommen" -- ich hatte ihn nur "mal eben" dort abgestellt, der Regen hatte ihn gefüllt und ... meine Vögel benutzten ihn sofort! zum Baden! Ich war hingerissen, hab' nur noch ein paar geeignete Steine hineingelegt ... in Dauerregen-Zeiten wie dieser brauche ich ihn nicht mal selbst zu befüllen ... und als Tränken "miß"brauchbare Gefäße stehen auf meinen Balkonen genug herum, wie mich meine Vögel gelehrt haben.
Das Buch selbst hat insgesamt 95 Seiten, die aufgeteilt sind in (m.E. unnötig populistisch aufgemachte) Vor- und Nachworte u.a. des bekannten Tierschützers Heinz Sielmann, ein recht brauchbares kurzes Sachregister [S.3], ein Literaturverzeichnis [S.91], ein alphabetisches Register [S.93], Quellenangaben für Futtermittel und Futterspender [S.92] -- und verhältnismäßig sehr brauchbare Angaben und Fotos [S.4-59] zu "Vögel füttern in der Praxis". Auf den S.60-90 befinden sich erstaunlich gute und überraschend viele fotografische Aufnahmen der bei uns regelmäßig heimischen rund 100 Vogelarten, "Die Futterstellenbesucher", die von sehr praxistauglichen! Beschreibungen der Identifizierungsmerkmale dieser Vogelarten kommentiert werden.
Mir persönlich ist dieses Buch zu unübersichtlich gestaltet, weil man wirklich vorhandene sehr wertvolle und brauchbare Hinweise unnötig mühevoll und zeitraubend herauslesen muß. Trotzdem bedaure ich keineswegs, es mir gekauft zu haben, empfehle es jedoch nur mit der Einschränkung weiter, daß die Umsetzung der Erkenntnisse der beiden populären Buchautoren und des ebenfalls für den Tierschutz engagierten Förderers und Stifters Prof. Heinz Sielmann doch recht allgemein gehalten erscheinen -- mir zumindest ist es nicht verständig genug auch auf Stadtvögel in Ballungsgebieten zugeschnitten worden ... denn gerade auch hier ist nach meinem Verständnis eine Vermehrung der Vogelwelt mehr als wünschenswert!
Deshalb nur 3 Bewertungssterne. Aber vielleicht gibt's ja demnächst eine Auflage, die sich mit der Problematik der wildlebenden "Stadtvögel" eingehend und übersichtlicher befaßt.
Bis auf weiteres habe ich einen Kompromiß gewählt: Im Fachhandel habe ich mir eine entsprechende Anzahl dieser relativ preiswerten Stahlspiralen besorgt, die aus robustem, beschichtetem Federstahl gefertigt sind [sog. "Fat Snax" Futterkäfige für Wildvögel /Fat Snax Feeder Cage for Wild Birds], die sich unkompliziert mit bis zu 3 Meisenbällchen auf einmal befüllen lassen [sie werden in diesem Buch auf S. 30 vorgestellt!], ... und d i e habe ich so aufgehängt, daß sie für Stadtvögel größer als Amseln (hoffentlich) unerreichbar sind -- Körnerfutter befindet sich in hohen, röhrenförmigen Futtersilos mit mehreren kleinen Anfluglöchern und -stegen, die ich geschickt in meiner Containerlinde und anderen nur von kleineren Vögeln anfliegbaren Gehölzen etc.
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