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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Lenz - ein Opfer Goethes?, 30. September 2006
Jakob Michael Reinhold Lenz (1751 - 1792) gehörte um 1775 zu einer Gruppe junger Schriftsteller, die unter dem Begriff "Sturm und Drang" Eingang in die deutsche Literaturgeschichte fand. Seine frühen Stücke "Die Soldaten" und "Der Hofmeister" gelten als wichtige Beispiele der Gattung "Bürgerliches Trauerspiel". Trotz des offenkundigen Talents gelang es Lenz weder sich nachhaltig als Autor zu etablieren noch eine dauerhafte Stellung im bürgerlichen Leben zu erreichen. Sein Leben wurde zunehmend rastlos und unstet, wozu Schübe einer psychischen Erkrankung verschärfend beitrugen. Die bekannteste Station seiner Krankengeschichte ist sicher sein Aufenthalt bei Pfarrer Oberlin, der von Georg Büchner in der Novelle "Lenz" literarisch ausgestaltet wurde. Auch als ihn sein Bruder schließlich nach Riga zurückholt, wo sein Vater die Stellung eines Generalsuperintendenten innehat, bekommt er keinen Boden unter die Füße, es gelingt ihm weder dort noch in St. Peterburg, eine feste Anstellung zu finden. Sein letztes Jahrzehnt verbringt er in Moskau, lebt dort eher durch die Zuwendungen von Gönnern als durch eigene Arbeit, auch wenn er zeitweise als Lehrer oder Übersetzer tätig ist. Nennenswerte eigene Werke bringt er in dieser Lebensphase nicht mehr hervor. Er stirbt im Alter von etwa 40 Jahren in der Fremde auf der Straße, sein Grab ist unbekannt.
J.M.R. Lenz ist zweifellos ein Verlierer, besonders wenn man ihn mit Goethe vergleicht, mit dem er bis 1775 in Straßburg vertrauten Umgang pflegte. Sigrid Damm beschreibt sein Leben mit viel Sympathie - oder soll man sogar von Empathie sprechen? Ihre Parteinahme für den Außenseiter führt gleichzeitig zu einer recht kritischen Sicht der Rolle Goethes. Er soll 1776 maßgeblich und eher aus egoistischen Motiven dafür gesorgt haben, dass Lenz aus Weimar ausgewiesen wurde, womit sein unstetes Wanderleben begann. Ganz geklärt werden können die damaligen Vorfälle nicht und auch weite Teile von Lenz' späterem Leben bleiben im Dunkeln. Um dennoch eine halbwegs durchgängige Biographie vorlegen zu können, lässt sich Sigrid Damm auf einen Mittelweg zwischen wissenschaftlich fundierter Darstellung und erfundenen Episoden ein - solange es geht, beruht ihr Text auf den vorliegenden Quellen, die Leerstellen füllt sie mit Fragen, Vermutungen und Wahrscheinlichkeiten.
Insgesamt rückt sie eine Lebensgeschichte ins Licht, die einen nicht kalt lassen kann. Dass sie bei dieser Gelegenheit wie auch in anderen ihrer Bücher Goethe von seinem hohen Podest zu ziehen versucht, nehme ich ihr - im Gegensatz zu anderen - durchaus nicht übel.
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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gut zu lesen!, 24. Mai 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Vögel, die verkünden Land: Das Leben des Jakob Michael Reinhold Lenz (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Eine gut zu lesende Biographie, die sehr anschaulich das aufregende Leben (quer durch Europa, trotz psychischer Erkrankung immer wieder ein mutiger Neuanfang) des mehr wahrhaftigen als erfolgreichen Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz schildert und uns dazu eine Epoche (Kant, Goethe, ...) und eine heute wieder ganz aktuelle Region (Littauen ist neu in der EU) nahebringt.Lenz' Jugendjahre, über die wohl fast nichts schriftlich überliefert wurde, beschreibt die Autorin bei aller wissenschaftlicher Vorsicht (so _könnte_ es gewesen sein) ganz anschaulich und lebendig anhand von Quellen über seine Vaterstadt, das Leben der Menschen in dieser Zeit, einen Besuch der Zarin Katharina der Großen usw. Das gibt auch einen guten Hintergrund z.B. für die Beschäftigung mit Immanuel Kant. Dann lernen wir auf seinem weiteren Lebensweg die wichtigsten Vertreter des "Sturm und Drang" mit Ihren Plänen und Lebensentwürfen kennen. Persönliche Lebensentwürfe statt trockener Literaturgeschichte! Bewundernswert ist der Mut von Lenz, trotz seiner Existenzsorgen als stellungsloser Dichter und seiner psychischen Erkrankung, für die es damals keine Heilmittel gab. (Die Psychose scheint übrigens der einzig blasse Fleck in den umfassenden Kenntnissen der Autorin zu sein. Hier hätte es geholfen, einmal mit Patienten zu sprechen und nicht nur aus historischen Quellen zu schöpfen.) Lenz beginnt immer wieder neu (in Straßburg, in Weimar, in der Schweiz, im Elsaß, in Livland, in Moskau, ...), läßt sich nicht unterkriegen, paßt sich nicht an und läßt sich nicht verbiegen - auch nicht von Goethe, der mehr als karrierebewußter Minister denn als Freund handelt.
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5.0 von 5 Sternen
Wunderbare Biographie Lenz, von Sigrid Damm., 20. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Vögel, die verkünden Land: Das Leben des Jakob Michael Reinhold Lenz (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Beeindruckend beschriebener Lebenslauf von Jakob Michael Reinhold Lenz.
Man kann sich in das Leben von Lenz richtig hineindenken - in seine Hoffnungslosigkeit und Trostlosigkeit. Eine gute Rescherche geht diesem Buch voraus. Ich habe schon mehrere Bücher der Autorin gelesen, sie waren alle hervoragend.
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