Das Buch ist zum ersten für den erfahreneren Runeninteressenten gedacht, trotzdem wurde nochmal die Bedeutung des FUTHARK zusätzlich eingegeben. Die Impulse und Ideen, die der Autor gibt, sind neu und regen zum Nachdenken an und helfen so auch weiter, die Runen tiefer zu verstehen.
Nun zum angekündigten ABER:
1.
Der Autor spricht weiterführende Techniken wie das Utiseta an. Schade ist nur, dass darauf nur rudimentär eingegangen wird. Tipps und Anregungen sucht man leider vergeblich. Wer keine Erfahrung mit Meditation hat bzw. keine Erfahrung mit z. B. mit der Zen-Meditation, die auch ein Draußensitzen kennt, so ist es zwar dann interessant zu wissen, dass man Utiseta machen kann, aber mit so einer oberflächlichen Beschreibung wird´s wohl kaum einer nachmachen.
2.
Was haben Satan und Beelzebub in einer nordischen Tradition verloren? Hier sind wir ganz schön am Thema vorbei. Dieses Phänomen fällt mir oft bei Autoren auf, die ein anderes System wie die Kabbala mit einbeziehen. Satan und Beelzebub stehen in der Mythologie aus der sie kommen (der jüdisch-christlichen)für böse Energien. Die nordische Tradition kennt aber kein Gut und kein Böse. Auch hier wieder Punktabzug.
3.
Wie in vielen weiterführenden Runenbüchern auch hier wieder der (wohl) unvermeidliche Versuch, die Runen an ein anderes System (Kabbala) anzugleichen. Hier wird ebenfalls wieder auf Biegen und Brechen versucht, zwei grundlegend anders aufgebaute Systeme und Mythologien zu verquicken. Allein schon die abweichende Zahlenmystik (Kabbala 10, Runen 9) spricht schon eine deutliche Sprache - nämlich, dass eine Vermischung nicht sinnvoll ist. Hierzu kann ich nur sagen: Alle Dackel sind Hunde, aber nicht alle Hunde sind Dackel. Meine Empfehlung: Dieses Kapitel ruhig überspringen und die Runen traditionell lernen - die alten Runenschamanen hatten auch keine Kabbala o. ä. als "Referenzsystem".
4.
Das Runenritual ist zwar nett und einfach aufgezogen, bezieht sich aber auf die Thule-Gesellschaft. Ob man die Philosophie dieser Gesellschaft mittragen will, bleibt jedem selbst überlassen. Ich persönlich halte es für besser, seine eigenen Runenriutale zu entwickeln und eher Bezug auf die Edda zu nehmen als auf Thule. Da Thor der Weihende (Vingnir) ist, wäre es aus meiner Sicht sinnvoller, auf ihn oder auf die Ahnen das Horn zu erheben. Dies muss der Leser aber mit sich selbst ausmachen.
Wen man also diese 4 Abers in Kauf nimmt, hat man alles in allem ein Buch, das erfahrene Runeninteressierten einen neuen Denkanstoß (FUTHARK oder UTHARK?) gibt - aber leider auch nicht mehr, als man aus anderen Büchern auch schon weiß. Zur Runenmeditation ist Sekundärliteratur notwendig, ebenso zu den Andersweltreisen und den Helwegr.