Es gibt nun wahrlich nicht viele Reiseführer, die sich mit Zentralasien auseinandersetzen. Und noch viel geringer wird die Zahl, wenn wir uns auf die deutsche Sprache beschränken. Daher gebührt dem Verlag/ der Autorin sicherlich Lob für den Versuch, diese Lücke zu füllen. Soviel ist unbestreibar.
Der Gebrauchswert des Buches richtet sich im Grunde danach, was der Usbekistanreisende anstrebt. Für die klassische 1-2 wöchige Studienreise Taschkent-Samarkand-Bukhara-Khiwa ist dieser Reiseführer fast vorbehaltlos zu empfehlen. Der ein oder andere Eintrag mag ungenau oder erweiterungsfähig sein, aber schließlich fährt man ja nach Usbekistan, um sich mit der Geschichte und Kultur des Landes näher zu beschäftigen. Mehr als interessante Anregungen muß ein guter Reiseführer daher gar nicht geben.
Die eigentliche Schwäche des Buches ist der geringe Gebrauchswert für Individualreisende mit relativ kleinem Budget - hier kann es dem Lonely Planet - Central Asia (gut, aber ebenfalls nicht ohne Makel) bei weitem nicht das Wasser reichen. Tipps zum Übernachten sind oft teure Touristenhotels - kleine Pensionen, die in den letzten Jahren geöffnet haben, werden fast ausnahmslos ignoriert. Das beschriebene Horrorszenario des Bargelderwerbs durch Kreditkarte kann ich ebenfalls nicht bestätigen (mehrfach erfolgreich in kürzester Zeit erledigt!). Zudem wird das Buch dem Reisen abseits der klassischen Touristenpfade in keiner Weise gerecht. Es mag sein, daß wenige Touristen sich mit der Absicht tragen, die Pracht von Samarkand und Bukhara gegen ein paar Dörfer und Pilgerstätten einzutauschen - aber mir scheint, daß gerade im nicht offiziell vermarkteten Teil eines Landes der eigentliche Reiz liegt.
Alles in allem ein Buch, das man trotz der genannten Schwächen gelesen haben sollte.