Die 4-teilige Dokumentation "Urzeitkrieger-Anatomie der Saurier" oder im englischen "Clash of the Dinosaurs" behandelt an 7 Sauriern verschiedene neue Ideen bezüglich der Lebensweise der Saurier und ihrer biomechanischen and anatomischen Besonderheiten. Animierte Sequenzen und Interviews verschiedener Fachleute werden hierbei zusammen geschnitten um ein Gesamtbild zu erschaffen.
Lohnt die Serie? Ist sie eine gute Ergänzung zu anderen Serien, bringt sie neue Erkenntnisse?
Nun, oberflächlich wirkt sie sehr gut, optisch ansprechend und professionel. Aber wenn man sie länger als 5 Minuten anschaut treten die eklatanten Mängel in den Vordergrund (schon der Tyrannosaurier auf dem Cover, der aus der Serie "Die letzten Jahre der Dinosaurier" stammt sollte ein Warnhinweis sein).
Animationen:
Die 4 Teile von insgesamt 180 Minuten Länge kommen mit geschätzten 5-6 Minuten animierten Szenen aus. Diese werden in bisher einzigartiger Weise bis zum Erbrechen wiederholt. Das ganze erfolgt hierbei "abwechslungsreich" gespiegelt, vor und zurück gespielt oder mit unterschiedlichen Kontrasten um Tag bzw Nacht zu verdeutlichen. Aber insgesamt sind es immer dieselben Szenen! Bereits nach 5 Minuten des ersten Teils hat man bestimmte Szenen 10 Mal gesehen, nach dem ersten Teil kennt man 90% aller Szenen und sobald mal eine neue Szene kommt, kann man sicher sein das man sie in Folge immer und immer wieder vorgesetzt bekommt. Das gilt für die Live-Action-Szenen, die Skelettanatomien, den Zoom auf den Planeten, Aufnahmen mit fossilen Knochenresten oder auch die Einschübe des heutigen Regenwaldes aus Archievamterial anderer Dicovery-Dokumentationen.
Hinzu kommt, das alle Animationsszenen direkt aus dem Rechner kommen. Tiere und Hintergrunde sind digital. Also kein Einbau in reale Hintergrunde. Alles sehr zeit- und geldsparend. Kein Vergleich zu den BBC Serien oder auch den anderen Serien (When Dinosaurs roamed America, Säugetiere gegen Dinosaurier, Die letzten Jahre der Dinosaurier, usw). Die Animationen selber sind relativ ansprechend jedoch auch sehr comiclastig - heißt die Tiere sind sehr kantig, muskulös animiert. Passt gut zu einem Computerspiel, aber im Vergleich zum Branchenprimus BBC reicht es nur für einen der hinteren Plätze (selbst Primeval liefert noch besseres Material - das ich das mal sagen würde).
Informationen:
Einige der beteiligen Wissenschaftler haben sich nachträglich auf ihren Blogs beschwert, das viele ihrer Aussagen aus dem Kontext gerissen wurden und so sinnentstellt wiedergegeben wurden (Bsp. das zweite Gehirn der Sauropoden im Beckenbereich, eine seit langem überholte Theorie die hier wieder als neuste Erkenntnis unters Volk gebracht wird). Insgesamt jedoch erzählen sie sowie Unsinn, das es schwerfällt den ehemals richtigen Kontext zu erkennen. Die vorherschende Sprache ist reißerisch superlativ "zerschmettern, vernichten, tödliche Präzession, perfekte Killer, quallvoll, überall lauert der Tod, das Gesetz der Evolution, Räuber scheuen vor nichts zurück usw". Da merkt man schnell in welche Richtung die gesamte Dokumentation unter dem Feigenblatt der neusten Erkenntnisse gehen soll.
Die vorgebrachten Informationen selber werden meist als unumstössliche Fakten gebracht, nur ganz selten wird es als möglich diskutiert oder hinterfragt. Die Sendung schmeißt mit Daten und Zahlen um sich, die erstaunlich sind in Anbetracht das man meist nicht mal komplette Skelette kennt geschweigen den viel mehr und macht sich so gut wie nie die Mühe den Ursprung dazustellen bzw die Plausibilität des eben gesagten. Ich hab mal ein paar der behaupteten "Fakten" mitgeschrieben aber es nach einer Weile aufgegeben:
Tyrannosaurus - das liebevollste Elterntier aller Dinosaurier
- erkennt Beute in 7 km Entfernung (in Teil 2 sind es nur noch 6 km)
- Geruchsinn wie 100 Bluthunde zusammen - kann in Stereo riechen
- keine fette Beute die er nicht verschlingen kann
Quetzacolatlus (keine Dinosaurier, aber wenn kümmern solche unwichtigen Details hier) - konnte UV sehen
- 1 Milliarde Lichtrezeptoren auf der Netzhaut
- flog in 3000 m Höhe (nächster Teil waren es 300 m)
- konnte 1 Woche in der Luft bleiben, bis 40000 km weit fliegen
Triceratops - der bestgepanzerte Pflanzenfresser der Urzeit (was ist mit Ankylosauriern?)
- Nackenschild konnte Farbe wechseln
Deinonychus - bergsteigerartiges besteigen der Beute
- konnte Beute auf bis 50 km Entfernung wittern
- Nachtsichtmodus
- schlitze jedem Tier was er traff mit Sicherheit den Bauch auf
Parasaurolophus - konnte mit Infraschall Raubtiere umwerfen
...
Eine unglaubliche Sammlung an absurden Behauptungen und prosaischer Paläofantasie. Es ist schwer, in der Menge an angeblichen Fakten, jene Informationen rauszufiltern, die wahr bzw fundiert sind von jenen, die pures effektgeiles Gelabber der Drehbuchautoren sind.
Hinzu kommt, das sich die Serie immer wieder selber wiederspricht.
Einmal kann der Quetzacoatlus wittern das die Tyrannosaurier Jungen ohne Eltern sind, dann heißt es da oben nützt im Witterung garnichts.
Deinonychus jegt mal Beute die 10 mal so schwer ist wie er (also 1 Tonne), dann wieder Beute die 10 mal so groß ist (Sauroposeidon mit 50 Tonnen). Hinzu kommt, das die Serie von Eisbär- bis Nilpferdgroßen Sauroposeidon Jungtieren redet, die Deinonychus reißt, während die Bilder ein ausgewachsenes Tier zeigen, welches von 3 kleinen Räubern mal so im Sprung erlegt wird!
Und so geht es immer weiter.
Erschwerend kommt hinzu, das jeder Teil die Informationen der anderen Teile immer wiederkäut. Man hätte alle "relevanten" informationen in einen 45 Minuten Teil packen können ohne etwas weglassen zu müssen. Da wäre auch noch Zeit geblieben die aufgestellten Behauptungen zu begründen. So wurde es auf 180 Minuten gestreckt.
DVD:
Sehr trivilae Aufmachung. Die 4 Teile sind zusammen oder einzeln abrufbar. Dazu gibt s 3 Trailer. Englische Tonspur oder Untertitel fehlen, als das man sich das Elend im O-Ton hätte anhören können (ich gehe davon aus, das viele Widerspruche bereits im englischen existieren und kein Produkt schlechter Synchronisation sind). Die Bezeichungen der erzählenden Wisschenschaftler sind wahllos sinnfrei. Der eine ist Paläontologe, der andere Dinosaurier- Paläontologe und der dritte Wirbeltier-Paläontologe. Da wollte wohl jemand mal kreativ sein.
Fazit:
Eine 180 Minuten Dokumentation, die ihre reißerischen Informationen locker in 45 Minuten hätte präsentieren können und mit ~6 Minuten originären Animationen auskommt. Wer auf endlose Wiederholungen steht und gerne Behauptungen und Spekulationen der Superlative als bare Münze nimmt, dem sei die Serie empfohlen. Alle anderen lassen besser die Finger von.
In meinen Augen der derzeitige Tiefpunkt in der (in Deutschland erhältlichen) Paläodokumentationen, billig und schnell produziert und fachlich peinlich bis ärgerlich. Das einzig Gute, andere Dokumentationen mit inhaltlichen und animationstechnischen Defiziten (Apokalypse der Urzeit, Dinoaurier - Giganten patagoniens, Dinosaurier - Fossilien zum Leben erweckt, Säugetiere gegen Dinosauruer) werden massiv aufgewertet.