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Ursula - Grosse Geschichten 48
 
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Ursula - Grosse Geschichten 48

Klaus Piontek , Wolf Kaiser , Egon Günther    Freigegeben ab 12 Jahren   DVD
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Darsteller: Klaus Piontek, Wolf Kaiser, Jutta Hoffmann, Matthias Habich, Jörg Reichlin
  • Regisseur(e): Egon Günther
  • Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono)
  • Region: Region 2
  • Bildseitenformat: 4:3 - 1.33:1
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Studio: Alive - Vertrieb und Marketing/DVD
  • Erscheinungstermin: 23. September 2011
  • Produktionsjahr: 1978
  • Spieldauer: 111 Minuten
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • ASIN: B005GZJ6B8
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 6.519 in Filme & TV (Siehe Top 100 in Filme & TV)

Rezensionen

Kurzbeschreibung

"Ursula" erzählt die dramatische Liebesgeschichte eines einfachen Bauernmädchens und des Soldaten Hansli, der in den Wirren des Reformationskrieges im Schweizer Oberland im 16. Jahrhundert auf Seiten Ulrich Zwinglis für die Reformation kämpft. Ursula - ein Film, der im doppelten Sinne Grenzen überschritt: Er war die erste Koproduktion des Fernsehens der DDR und des Schweizer Fernsehens, wurde nach einmaliger Ausstrahlung im DDR-Fernsehen verboten, und führte auch in der Schweiz zu einem Skandal, der mit dem Rücktritt des kirchlichen Fernsehbeauftragten endete. Die bei der Erstausstrahlung 1978 als drastisch empfundene Darstellung von Sexualität und Gewalt vor dem Hintergrund von Krieg, Tod und religiösem Wahn führte zu heftigen Diskussionen in der DDR und der Schweiz.

Produktbeschreibungen

"Ursula" erzählt die dramatische Liebesgeschichte eines einfachen Bauernmädchens und des Soldaten Hansli, der in den Wirren des Reformationskrieges im Schweizer Oberland im 16. Jahrhundert auf Seiten Ulrich Zwinglis für die

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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Der schweizerische Schriftsteller Gottfried Keller (1819-1890) erlangt mit seinen Novellen weltliterarische Bedeutung und zählt zu den großen Erzählern des Bürgerlichen Realismus. In seinen Züricher Novellen", die 1878 in zwei Bänden erschienen sind, greift er auf historische Themen und Figuren der Eidgenossen zurück. Die Novelle Ursula" spielt während der Zeit des Reformationskrieges im 16. Jahrhundert, als die Anhänger Zwinglis die Wiedertäufer bekämpften. In einer seltenen Zusammenarbeit des Deutschen Fernsehfunks der DDR und des Schweizer Fernsehens SRG entsteht 1978 ein aufsehenerregender Film dieser dramatischen Geschichte. Die Zusammenarbeit des Staatssenders mit einem westlichen TV-Sender sorgt für Aufsehen, die eigenwillige Interpretation des bekannten DDR-Regisseurs Egon Günther (Die Leiden des jungen Werthers") löst heftige Kontroversen aus. Die Kritiken reichten von provokatives Machwerkt" bis gelungenes Kunstwerk". Nach nur einer Ausstrahlung im DDR-Fernsehen wird der Film verboten, Günther verlässt sein Land im selben Jahr und hat bis zur Wiedervereinigung zwei deutsche Pässe. Die seinerzeit als drastisch empfundene Darstellung von Sexualität und Gewalt vor einem religiösen Hintergrund führt auch in der liberalen Schweiz zu großen Diskussionen, die im Rücktritt des kirchlichen Fernsehbeauftragten gipfeln. Heutzutage kann man sich darüber nur wundern. Die bei Studio Hamburg in der Reihe Große Geschichten" erschienene DVD-Premiere von Ursula" ist von der FSK ab 12 Jahren freigegeben.
So kann man vorurteilsfrei ein wahres Kunstwerk mit rauschhaften Bildern wieder bestaunen, das durch die seltene Kooperation auch kulturpolitisch ein Meilenstein war. Neben Egon Günther kommt auch die Drehbuchautoren Helga Schütz aus Ostdeutschland, wogegen die meisten Schauspieler mit Ausnahme des großartigen Matthias Habich als Zwingli aus der Schweiz stammen und so den dort üblichen Tonfall sprechen. Erzählt wird vor dem Hintergrund des Religionskriegs im 16. Jahrhundert die dramatische Liebesgeschichte des Bauernmädchens Ursula (Suzanne Stoll) mit dem Soldaten Hansli Gyr (Jörg Reichlin), der im Schweizer Oberland auf Seiten Ulrich Zwinglis für die Reformation kämpft. Ihre Widersacher sind die Wiedertäufer, die hier beinahe als Vorläufer der Kommunisten dargestellt werden. Es sind freie christliche Gemeinden ohne Herrn, die das Privateigentum abschaffen und alles der Gemeinschaft zur Verfügung stellen wollen. Außerdem sind sie für eine freizügige Liebe, bei der jedermann eine neue Frau bekommt und die alte wegwerfen" kann. Zwingli und seine Anhänger dagegen werden eher negativ dargestellt, so beim drastischen Bildersturm in den Kirchen, der alle Gemälde, Statuen, Kruzifixe und sogar Orgeln zerstört. Zwingli sieht sich als ein Geistlicher, der die Soldaten lieb hat" und sorgt in Zürich für Ruhe und Frieden. Am Schluss gewinnen die Wiedertäufer und sorgen aus ihrer Sicht für ein glückliches Ende. Zwingli wird von papsttreuen Katholiken getötet, in Stücke gehauen und verbrannt. Historische Korrektheit ist nicht vorrangig in diesem teilweise surrealistischen Film. So sind zwar die meisten Protagonisten historisch ausgestattet, aber die Statisten als Kirchenbesucher während Zwinglis Predigt tragen moderne Kleidung. Später kurvt ein Gleitschirm durch die Lüfte und stürzt ab, am Ende ist ein riesiger Strommast zu sehen. Auch die Musik wechselt zwischen zeitgemäßer Renaissance und Ravels La Valse", einer rauschhafte Entstellung des biedermeierlichen Wiener Walzers, der stellvertretend für die rückschrittlichen Kräfte im Film gedeutet werden kann.
Spätestens hier wird die Intention von Günther und Schütz deutlich, die einen historisch weit zurückliegenden Stoff aufgreifen, um damit Probleme der Gegenwart zu reflektieren. Gottfried Keller verfolgt eine ähnliche Absicht und will auf poetische Art einen Staat vorstellen, dessen Volk sich solidarisch, verantwortungsvoll und vernünftig verhält und Fehlern der politischen Führung tolerant gegenübersteht. Er betont jedoch die Bedeutung von Zwinglis Reformation. Die Filmemacher gehen noch einen Schritt weiter und thematisieren das Ausgeliefertsein von unterprivilegierten Menschen, die Angst vor dem Krieg - zur Zeit der Entstehung des Filmes herrscht kalter Krieg zwischen Ost und West und es gibt weltweite Proteste gegen den Vietnam-Krieg - sowie die Bedeutung der Menschenrechte und Religionsfreiheit. Schließlich sorgt die Kraft der Liebe für ein glückliches Ende. Man kann Studio Hamburg nur danken, dieses kulturpolitische Ereignis über dreißig Jahre nach seiner Entstehung in schöner Aufmachung und guter Bild- und Tonqualität wiederbelebt zu haben. Ein einstündiges Gespräch des 1927 geborenen Egon Günther von 2011 ist als Extra angefügt. Er erinnert sich noch genau an den Auftrag, der eigentlich eine urkommunistische Geschichte erzählen sollte, die unaufgeregte Stimmung am Set und die künstlerische Freiheit, die man ihm gewährte.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Alle Achtung! 20. Oktober 2011
Von profun
Der Film zeigt in drastischen Szenen auf wie weit es kommen kann, wenn rohe Gewalt und blinder Hass freien Lauf bekommen.

Man hat sich sehr bemüht keine gängigen Klischees zu bedienen und somit hat der gesamte Film eine große Authensität gewonnen, wenngleich einiges schwer zu verdauen ist.

Die Protagonisten spielen ihre Rolle ausnahmslos überzeugend und ungekünstelt, man hat auf Schönreden und Retuschen verzichtet, was den Wert des Filmes wiederum steigert.

Völlig überrascht war ich jedoch, dass der Fim bei seiner Premiere einen solchen Eklat verursachte. Ich könnte dies verstehen, wäre er 2011 erschienen, doch zu der damaligen Zeit waren die Leute doch eigentlich wesentlich offener bezüglich einer natürlichen Darstellung von Nacktheit und Natürlichkeit insgesamt, dort wo sie hingehört, dies war damals eigentlich kein Problem, im Gegensatz zu heute.

Ich bin überzeugt, dass im 21.Jahrhundert kaum noch ein Regisseur in dieser offenen Art und Weise den Film auf den Markt gebracht hätte, man würde sich unnötiger Schminke und Tünsche bedienen und somit den Grundcharakter zerstören, die FSK 16 drohte dem Film dann ohnehin und keiner wüsste warum.
In der vorliegenden Version fände selbst ich eine FSK 16 jedoch für angebracht aufgrund der bereits erwähnten "schwerverdaulichen" Szenen.
Für mich auf jeden Fall ein großartiger und dazu noch niveauvoller Film.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Classicus
Nochmal 485 Jahre zurück...

Die Reformation? Was war da eigentlich los? Den so Gefragten fällt da schnell der Name Martin Luther ein, sein Wirken in Wittenberg, Worms und auf der Wartburg. Aber was sich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in der Schweiz ereignete, ist den meisten Deutschen unbekannt: Dort kämpften der Reformator Zwingli und seine Landsknechte nicht nur gegen die Katholiken sondern auch gegen die uns an Hippie-Kommunen erinnernde Täuferbewegung. Sich hier für die richtige Glaubenrichtung und politische Seite zu entscheiden, war das über die ganze Existenz entscheidende Thema.

Wer sich also etwas intensiver mit der Historie des 16. Jahrhunderts beschäftigt, stößt auf die Geschichte von 'Ursula', einer jungen, etwas spleenige Frau, die auf einem abgelegenen Berghof lebt und ihre schönen Träume von einer besseren Welt jenseits der Dogmen der katholischen Kirche und jenseits der nicht weniger strengen Vorschriften eines Zwingli leben will. Natürlich gehört auch ihr geliebter Hansli Gyr dazu, der gerade vom Winterfeldzug der Zwinglianer gegen die Katholischen zurückkehrt. Der gute Hansli staunt ein wenig über Ursulas neue Weltanschauung und ihre Freunde, die an Gewaltlosigkeit glauben und freie Liebe predigen. Er selbst bleibt Landsknecht im Dienste Zwinglis, was ihn zunächst vor den späteren Gegenmaßnahmen des Reformators gegen die Täufer schützt, ihn aber zur Teilnahme an einem neuen, gefährlichen Feldzug gegen die Katholiken im Süden zwingt.
Die große Frage der Geschichte: Kann sich die Liebe eines Kriegers und einer Idealistin in Zeiten blutiger Glaubenskriege behaupten? Der Schweizer Erzähler Gottfried Keller (, allen bekannt durch 'Kleider machen Leute') hat aus diesem Thema 1877 eine Novelle gemacht, der deutsche Regisseur Egon Günther 1978 einen Spielfilm.

Ein ganz besonderer Film:

Sein Film ist nicht nur wegen des Themas interessant: Es handelt sich um die einzige Co-Produktion zwischen dem Schweizer Fernsehen und dem Fernsehen der DDR, bzw. der DEFA. Wie mag ein solches Zusammenspiel aussehen? Egon Günther lieferte kein Mainstream-Fernsehspiel ab, sondern schuf einen außergewöhnlichen Historienfilm mit einer für das Massenpublikum ungewohnten, expressiven Bildsprache. Das kannten Filmliebhaber so bisher nur von den großen Meistern des polnischen und tschechoslowakischen Kinos.
Die Schrecken des Krieges, die Härte der Schweizer Reformer um Zwingli und auch die sexuelle Freizügigkeit der Täufergemeinde werden von Günther ohne Rücksicht auf Vorbehalte in Szene gesetzt. Gelegentlich stellt der Regisseur bewusst Bezüge der Reformationszeit zur Moderne her, indem er die Landsknechte unter einer Überlandleitung marschieren lässt, oder plötzlich ein Drachenflieger in den Himmel gleitet.
Poetische Spielereien, unerwartete Freiheitssymbole, Kritik an Zwingli und viel nackte Haut waren den Fernsehtechnokraten in der DDR und der Schweiz nicht genehm. Der Film wurde zwar in beiden Staaten einmal gezeigt, wurde dann aber verbannt. Egon Günther emigrierte in die Bundesrepublik.

Die DVD:

Die DVD gestattet uns einen Blick auf ein seltenes filmisches Experiment. Manche Bildidee wirkt heute etwas bizarr, so als habe hier jemand möglichst viele Einfälle des Kinos und Theaters der 70er Jahre zusammenbringen wollen. Es ist auch kein Film, den man Schülern im Religionsunterricht zeigen könnte, da das nachwachsende Publikum die expressive Bildsprache und den DEFA-Inszenierungsstil von 1978 kaum noch versteht. Liebhaber von Literatur und Kinogeschichte werden 'Ursula' aber zu schätzen wissen.
Die DVD hat eine recht gute Bildqualität und das als Bonus enthaltene Interview mit Egon Günther liefert ausführliche Hintergrundinformationen zur Entstehungsgeschichte. Die DVD hat eine Laufzeit von 111 Minuten, das Originalformat von 4:3 wurde zum Glück beibehalten.
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