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Ursprung des postmodernen Denkens
 
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Ursprung des postmodernen Denkens [Broschiert]

Peter Bürger
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Neue Zürcher Zeitung

Vom Surrealismus zur Postmoderne

gon. Wie sehr Alexandre Kojève mit seiner vor illustrem Publikum betriebenen Hegel-Auslegung – insbesondere seiner Interpretation der Dialektik von Herr und Knecht – das Denken der französischen Intellektuellen seit den dreissiger Jahren beeinflusst hat, ist inzwischen wohl allgemein zur Kenntnis genommen. Das entsprechende Wirken des surrealistischen Impulses dagegen – potenziert zur sinnlosen, provozierenden Tat – ist bisher weniger gewürdigt worden. Hier setzt der durch einschlägige Veröffentlichungen bekannte Bremer Literatur-Wissenschafter Peter Bürger ein und verfolgt den Faden offensiv und provokant bis hin zu Foucault und Derrida. Die Unterteilung des Bandes in kleinere Essays erlaubt die Zuspitzung – auf Kosten freilich des grösseren Zusammenhangs. Wohl am ertragsreichsten sind Bürgers Reflexionen bei jenem Literaten ausgefallen, der trotz ästhetizistischen Tendenzen stets das politische Feld zu organisieren bemüht war: Georges Bataille. Wo die Philosophie ins Spiel kommt, wird es oft recht schief, aber auch in den betreffenden Passagen lässt sich manche Anregung finden.

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 08.04.2000
Ihre Wiedergabe der Grundthesen von Bürger lässt Kersten Knipp in eine überraschende Folgerung münden. Sie wünscht nämlich, dass es dem Autor gelingen möge, "in diesem Sinn auch eine entspannte postmoderne Politik populär zu machen". Überraschend ist dieses Ergebnis, weil die Rezensentin in ihrem Abriss zunächst vor allem die "finsteren Seiten der frühen postmodernen Regungen" würdigt, die Bürger in den Reaktionen auf den Ersten Weltkrieg ausmacht. Seine Gewährsmänner sind darin insbesondere Paul Valerys radikale Kritik an "Wissen und Pflicht", die bei Zustandekommen und Verlauf des Ersten Weltkriegs ihren Nutzen für ein ungeheuerliches Schlachten bewiesen haben. Desweiteren nähert sich Bürger, so Knipp, über die empörten Forderungen Breton`s und Batailles` nach "blutiger Erschütterung" und "gebieterischer Gewalt" dem Sündenfall der Anti-Moderne, die intellektuell in die "gleiche Katastrophe mündet" wie vor ihr die Moderne. Nach der Erwähnung von Maurice Blanchot und seiner Analyse des Endes jeder Sinnaussage wendet sich Knipp jedoch einer "kleinen Randnotiz" im Vorwort zu, in der Bürger den Habermasschen "philosophischen Diskurs der Moderne" erwähnt und meint, auch ihm ginge es um eine "gewissermaßen postmodern geläuterte Moderne", oder, in seinen eigenen Worten, um `das Durchschreiten einer Denkerfahrung, die das Selbstverständnis der Moderne dadurch bereichert, dass es sie erschüttert`. Hieraus schließt Knipp dann auf eine wünschenswerte "postmoderne Politik", die für sie offenbar als pragmatische, anti-sinnstiftende Politik schon existiert, der nur noch ein Begriff von sich selber fehle. Ob das vorliegende Buch von Bürger das tatsächlich nahelegt?

© Perlentaucher Medien GmbH

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3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
Peter Bürgers Analyse des Ursprungs des postmodernen Denkens setzt bei Hegel und seiner Dialektik von Herr und Knecht an und verleiht einem Denken, daß über die moderne Interpretation und Realisierung von Kategorien wie Subjekt, Arbeit und Fortschritt als provokativer Kategorien einer modernen Gesellschaft sich in ihrer banal bestialischen Entfesselung im 1. Weltkrieg selber - trotz ihrer Anlagen zu einer humanistischen Gesellschaft - als Irrweg entlarvt. Bürger zeigt auf, dass diese Tendenzen einer fortschrittsgläubigen geschichtlichen Bewegung über Jahrhunderte in die Verwandlung der Welt in einen Raum der Möglichkeiten ohne Realisierung führt, eine neue Form der Philosophie, des Denkens über sich, das Subjekt, und Gesellschaft ' jedoch ohne Ausweg. Oder eben in Abgründe, in Inhumanität, in ein neues Barbarentum, wie es sich im 20. Jahrhundert entfesselt hat. Trotz vermeintlicher Gemeinplätze, trotz anscheinend nicht neuer Einsichten, halte ich das Buch für überaus lesenswert, weil es den Fortschrittsoptimisten Einiges zu denken gibt, sofern sie das Nachdenken auf neuen Wegen nicht verweigern.
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