Die "Fischer kompakt"-Reihe füllt in Deutschland eine Lücke - die zwischen den allgemeinverständlichen, aber meist oberflächlichen und gelegentlich bis zur Falschheit vereinfachenden populärwissenschaftlichen Schmökern, und den Fachbüchern. Die wiederum sind zwar tiefschürfend, aber oft ohne einschlägiges Grundstudium kaum zu bewältigen - und für einen Überblick zu umfassend. Die "kompakt"-Reihe wendet sich an Menschen mit guter naturwissenschaftlicher Allgemein- wie Ausbildung, und entsprechend stößt man auch auf anspruchsvollere Begriffe, Argumentationen und Formeln.
Das liest sich meist etwas trocken und ist sehr knapp gehalten - der vorliegende Band ist allerdings ausgesprochen zugänglich. Sven P. Thoms' Thema ist der Ursprung des Lebens: Wie entstand aus einfachen chemischen Verbindungen - Proteinen und so weiter - Leben? Wo - in heißen Quellen, auf Lehmschichten? Wann? Und wie entwickelten sich aus primitiven RNA-Verbindungen unsere komplexen Zellen, und aus denen weitere mehrzellige Lebensformen wie z. B. wir?
Für die Frühzeit des Lebens gibt es keine Unmengen von Fossilien wie für spätere Zeiten - vieles muss aus Laborexperimenten, Spuren in Gesteinen und ähnlichem mehr gefolgert werden. Vieles ist umstritten - woraus Thoms keinen Hehl macht: Er präsentiert ja ein aktuelles Forschungsgebiet.
Eng verbunden mit der Frage, wie das Leben auf der Erde entstand, ist die Frage, ob es Leben auf anderen Planeten (oder Monden) geben könnte. Darauf geht Thoms leider kaum ein: Er schließt mit einem generellen Überblick zu den Mechanismen der Evolution (den meisten Lesern vermutlich ohnehin ausd er Schule bekannt) und ein paar (weniger spannenden) philophischen Betrachtungen.
Dessen ungeachtet ist es ein prima Einstieg - und wer danach tiefer schürfen möchte, besonders in der Frage, wo es im Weltall noch Leben geben könnte, sei auf das ausgezeichnete Lehrbuch "Complete Course in Astrobiology" von G. Horneck und P. Rettberg verwiesen.