Dieses einzige auf Französisch geschriebene literarische Werk, des im deutschen Sprachraum bisher kaum bekannten Autors Rainer Schürmann, wurde 1976 mit dem Preis der Académie Francaise ausgezeichnet und jetzt, nach mehr als 30 Jahren, erscheint die erste deutsche Ausgabe. Es ist ein entsetzlich verletzliches und in gewisser Weise auch hilfloses Buch das mit erdrückender Sensibilität, autobiographisch, von einem jungen Mann erzählt, der an der Sünde seiner Eltern Generation leidet, an dem was er nicht bewusst erlebt hat, nämlich den Kriegsgräueltaten die in Deutschland während des Zweiten Weltkrieg begangen wurden. Der hat Krieg diese grauenhaften Dinge zwangsläufig evoziert und darüber hinaus gab es die Grausamkeiten, die mit der fast industriellen Vernichtung der Juden einhergingen. Es ist im Grunde genommen eine typische Geschichte, diese Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, mit der deutschen Schuld, für die der Autor persönlich nicht verantwortlich ist doch er leidet als Deutscher schrecklich darunter, mit dieser Erbsünde belastet zu sein. Er ist in großer Hilflosigkeit Hin und Her gerissen zwischen der Herkunft und dem Ort, wohin er Zuflucht, Vergessen oder Wiedergutmachung finden kann.
Die Fragen die ihn quälen entstehen auf dem väterlichen Fabrikgelände. Wie soll er mit der Geschichte umgehen, die seine ist, obwohl er nicht teilgenommen hat? Seine Generation hat ein fast schon neurotisches Schuldbewusstsein. Ihn bewegen die Fragen: Wie stelle ich mich der Vergangenheit?; Wie kann ich ihr entfliehen?; Darf ich ihr überhaupt entfliehen?; Wie werde ich meiner Verantwortung gerecht?. Diesen Fragen ist er in besonderem Maße ausgesetzt, weil die Eltern, aus Verstörung oder Verdrängung, über die Vergangenheit nicht geredet haben.
Im ganzen Buch findet man durchgängig diesen Schuldvorwurf, denn er beschreibt die Gefühle der unglaublichen Ausweglosigkeit und Verzweiflung, die ihn einfach nicht mit seinen Ursprüngen versöhnen. Egal wohin ihn seine vermeintlichen Irrwege führen. Er irrlichtert Hin und Her, geht nach Israel in ein Kibbuz, versucht dort als Repräsentant einer früheren Generation seine Schuld abzutragen. Er reist mit einem Freund ums Mittelmeer, sucht Hilfe in einem Kloster, sucht Vergessen in dem idyllischen Städtchen Freiburg Anfang der 60 er Jahre, flüchtet nach Moskau und landet schließlich auf der Suche nach einer akademischen Anstellung in Amerika. Hier greift der Autor in den Metaphertopf, nimmt Hitlers Pult das der Protagonist in einem symbolischen Akt zerstört, um sich von seiner Geschichtsvergangenheit zu befreien und so vielleicht doch zu seinem wahren Ursprung zu gelangen.
Er möchte eigentlich nicht dazu gehören, sucht seine Ursprünge, setzt sich in einer eruptiven Sprache nicht nur mit den Schuldgefühlen auseinander, sondern ist über weite Strecke voll Utopie, Phantasie und Assoziationen im ganz persönlichen Bereich. Die Passagen in Amerika, bei der Suche nach einer akademischen Anstellung sind recht lustig.
Fazit: Es ist ein sehr persönliches Buch, mit kulturellem Effekt, mit überzeugenden Gedankenkonzepten unserer Existenz, kein schwer politisches Buch, aber ein unter die Haut gehendes sehr berührendes Buch in dem man versinken kann und wenn man der Animation zum vertiefenden Weiterdenken folgt, sich leicht auch verlieren kann.