Für die einen ist es pure Erholung und das, worauf sie sich schon das ganze Jahr über freuen, für andere ist es Stress: Reisen. Das behauptet jedenfalls Autor Dietmar Bittrich in den 43 satirischen Erzählungen seines Buches "Urlaubsreif".
Seiner Erfahrung nach beginnt der Stress nämlich schon Monate, bevor die Koffer gepackt sind, bei der Suche nach dem perfekten Reiseziel. In die Berge oder lieber ans Meer? Und selbst wenn das Ziel der Reise ohne schwerwiegende Ehekrise festgelegt ist, bleibt es höchstens bis zur Abreise entspannt. Wer nicht bereits nach der ersten, spätestens nach der zweiten Kurve im Stau stecken bleibt, der vergisst zumindest seine Zugtickets oder verpasst das Flugzeug.
Sind auch diese Komplikationen überstanden, kann der Urlaub beginnen. In einer Ferienwohnung, die miserabel eingerichtet und "so hässlich" ist, "dass auch ein Kleptomane nichts mitnehmen würde", oder in einem Hotel, das just am Anreisetag mit einem Erweiterungsbau beginnt. Wenn die Erholungssuchenden davon verschont bleiben, spielen die Kinder der Zimmernachbarn frühmorgens am liebsten Türenzuschlagen. In der fremden Stadt irrt man stundenlang umher, ohne auch nur ein Wort von der Wegerklärung der Einheimischen zu verstehen. Die Geheimtipps der Freunde erweisen sich als absolute Reinfälle, und das Wetter ist entweder viel zu heiß oder zu nass. Und überhaupt kommt man immer zur falschen Zeit: zu früh für die Austernsaison und zu spät für den kostenlosen Besuchertag im Museum. Ganz zu schweigen von den schönsten Gässchen und Küsten, die man erst am Tag vor der Abreise entdeckt.
"Verzeihen, Trost spenden, aus Niederlagen Kraft schöpfen: Was andere in aufreibenden Seminaren trainieren, erlernen wir mühelos auf Reisen" ist das Motto des Hamburger Autors, der es glänzend versteht, Reisegewohnheiten aufs Korn zu nehmen. Vom reichen Touristen, der lieber winkt als spendet, über die ewig gleichen Urlaubsfotos bis hin zum üblichen Ansturm auf die immer gleichen Sehenswürdigkeiten. Und natürlich die obligatorische Schwärmerei nach der Reise, mag der Urlaub auch noch so stressig und aufreibend gewesen sein. Denn: "Der edelste Grund des Reisens ist es, den Neid der anderen zu erwecken. Sie sollen glauben, dass wir glücklich waren, während sie im Regen saßen."
An manchen Stellen überspitzt, aber meistens einfach auf den Punkt gebracht, schreibt Dietmar Bittrich mit frechem Humor über kleine und größere Reisemalheurs und sorgt damit für das eine oder andere Déjà-vu-Erlebnis. "Urlaubsreif" ist das ideale Buch für die Urlaubszeit: Unglücklich Verreiste werden herzhaft über ihre Urlaubspannen lachen, und die Daheimgebliebenen wissen endlich, warum sie aufs Reisen verzichtet haben.