"Nobody's wife", wer kennt ihn nicht den Vulkanausbruch von Anouk der bis zum heutigen Tage klarmacht, daß nur Musik das Ventil für wahre Emotionen sein kann. Nach dem Hören ihrer ersten CD "Together alone" war ich allerdings sehr enttäuscht, blieb für meine Begriffe eben dieses Ventil auf dem Rest des Albums verschlossen. Immer wieder kehrende Stilelemente, einfältige Kompositionen und irgendwo auch ein Mangel an musikalischem Handwerkszeug machten "Together alone" für mich leider zu einem Ein Song Album. Gespannt war ich nur auf die Fortsetzung, denn schließlich hatte sie ja durchblicken lassen, daß sie es in sich hat. Und da ist sie nun - "Urban Solitude". Vielleicht sind die Musiker um sie herum besser geworden, Vielleicht wußte der Mann an den Studioreglern besser bescheid, vielleicht ist Anouk auch gereift, so daß sie ihre Emotionen von einst wiedergefunden hat. Ich glaube, es ist alles zusammen, so daß für mich hier nicht der Nachfolger von "Together Alone" vorliegt, sondern das eigentliche Debut einer großartigen Musikerin. Und die Musik: Wir maschieren vorwärts mit zielstrebigen Rock. Gleich das erste Stück ist ein Genuß. Glasklares Bridging in dominante Gesangsparts, komponiert über drei Sequenzen. Hier ist nichts überladen und nichts unterdrückt, sogar die hinterlegte Akustikgitarre fügt sich gleichberechtigt ein - gut harmonierendes solo - eingearbeitetes Crescendo - einfach toll, damit braucht sie sich vor niemandem zu verstecken. Nach dieser Manier setzt sich das Album dann auch fort, die Instrumentierung harmoniert perfekt, nicht zu viel und stets als "Bett" für die Stimme arrangiert. Mit dem Stück "Tom Waits" wird dann heftigst in die Bremse getreten und eine Ballade mit schönem Cello gereicht. Ich mag es persönlich nicht so sehr, weil für mich an dieser Stelle Musik und Text nich so recht Berührung finden, gut ist es aber trotzdem. Aber dann Stück 5 "Urban Solitude", das Titelstück ist für mich die Kirsche auf der Torte. Wieder ein Dreisequenzer, wieder kommt jedes Instrument sauber zum Zuge, diesmal sogar mit forschen Streichern hinein in den Refrain, wo zuvor E-Gitarren mit viel Druck einleiten und immer dominant Anouks Stimme vorweg - ja das ist es. Mit U Being U wird dann nochmal aufs Gas getreten, hier verlassen wir dann kurz den Contemporary Bereich um es heftig krachen zu lassen, um dann mit "Michelle" zu chillen. Für mich ist dies die schönste Ballade auf dem Album, gespielt auf anzunehmender Weise zwei Akustikgitarren mit ganz seichter Hilfe von der Elektrischen. Sehr schön - und weiter geht's wieder besser angeschnallt mit "The Dark" ich sage nur -Yeah- und verschwinde für einge Zeit auf der Tanzfläche um Luft in die Haare zu bekommen. Dann bekommen wir ein Duett in Form einer schönen "Kraftballade" aufgetischt, hitverdächtig. Die Herkunft der zweiten, männlichen Stimme ist mir leider unbekannt, geht aber in die Richtung altbewährter Grungerockstimmen a la Eddie Vedder & co.. Das zehnte Stück ist sicher nicht schlecht, aber ich habe festgestellt, daß ich hier lieber zum nächsten springe auch wenn ich eigentlich dominante Akustikgitarren mit Streichern mag und dazu wird hier höflichst eingeladen. Die nächsten beiden Stücke nehme ich dann noch mit unruhigen Füßen mit. Hier haben wir es dann wieder mit schönen Contemporary-Rock-Stücken mit kraftvollen Refrains zu tun. Mit "My friend" endet die Reise dann viel zu früh in einer Pianobar bei Zigarettenrauch und unglücklichen Geschichten. Und die Moral von der Geschichte - nochmal von vorn - aber bitte schnell. Alles in Allem hat Frau Teeuwe aus Holland hier einen echten Knaller präsentiert, der keine wirklichen Durchhänger aufweist. Stimmlich ist Anouk ebenfalls schön anzuhören, allerdings sonderlich stimmgewaltig ist sie eigentlich nicht, eine gute Rockstimme mit Grenzen in den Höhen, die zwar eigenständig ist, aber auch nicht übermäßig prägnant. Fünf Punkte sind allerdings für mich nur den Jahrhundert CD's vorbehalten und auch wenn sie nichts dafür kann, dafür bräuchte sie noch etwas mehr Volumen in der Stimme. Gäbe es die viereinhalb, so würde ich sie hier verwenden. Die verbleibenden vier Punkte stehen für den ambitionierten Rockfan aber eindeutig für: KAUFEN.