Obwohl sich zahllose Abbildungen in diesem Werk finden und es daher, auf den ersten Blick, eine umfassende Darstellung der Szene zu sein scheint, stellt man doch beim näheren Hinsehen fest, dass von der Vielfalt der in Berlin tätigen Akteure gerade einmal 25 bis '30 herausgegriffen wurden. Bildlegenden sucht man übrigens vergebens: Sie beschränken sich auf den Fundort und den Verweis auf die beigelegte Karte, die zwar der Konzeption eines Reiseführers entsprechen, aber keinerlei informativen Nutzen bietet. Statt seitenweise Fliegen von »550 Flies« (den ich ja auch schätze) abzubilden, hätte man sicher auch viele weitere Künstler portraitieren können'. Im Anhangsteil finden sich übrigens 10 (zehn!) Leerseiten, die man, wenn man sie schon druckt, auch mit halbwegs sinnvoller Information zur Szene in Berlin füllen könnte.
Der Anhang bietet allerdings auch Interviews mit ausgewählten Künstlern. Die Fragen sind standardisiert und berücksichtigen nicht immer die Besonderheiten der Künstler. Die deutschen Übersetzungen sind zudem in Schriftgröße und Aufmachung reduziert. Störend wirken, auf mich zumindest, die zum Teil in längeren Strecken zusammengeklatschten Bilder, die jede weiterführende Information zu Inhalt, Technik oder Künstler vermissen lassen.
Die Buchgliederung in nummerierte Kapitel erscheint nicht unbedingt schlüssig. Dennoch gibt es viele Bilder, die ihre Reize haben. Eine Doppelseite von »Undenk« verdient hier besondere Erwähnung. Auch verschiedene Stencils von »Dolk«, »XoooX« und anderen sind sehr originell. Ein ausführliches Register, welches dem Interessierten durchaus von Nutzen sein kann, war offenbar zu aufwändig.'
Für Leute, die sich ohnehin für das Thema interessieren, mag das Buch interessant sein. Als Einstieg aber ist es zu sehr, auf zu wenige Künstler focussiert und bietet kaum erhellende Informationen zum Thema.