Während im letzten Jahr die vom Fernsehsender ITV produzierte Soap-Serie 'Downton Abbey' das englische Publikum im Sturm eroberte, blieb dieses kleine Glanzstück der BBC - leider - beinahe unbemerkt. Dabei hat 'Upstairs - Downstairs' alles was Downton auch hat (Liebe, Intrigen, distanzierte und intime Beziehungen zwischen den Herrschaften oben und den Dienstboten unten) - und noch viel mehr!
Als Wiederanknüpfung an eine Kultserie aus den 70er Jahren - in Deutschland bekannt als 'Das Haus am Eaton Place' - weckt der Dreiteiler Nostalgie und doch trägt er zugleich epische Züge, indem er mit historischer Akuratesse nebenbei Einblicke in die (teils ziemlich unbekannte) politische und soziale Geschichte des England der 1930er Jahre gewährt.
Einziges tatsächliches Bindeglied zwischen der neuen und der alten Serie ist der Charakter der Haushälterin Rose Buck, damals wie heute berührend gespielt von Jean Marsh. Ansonsten wurde nur die Adresse und das Erfolgskonzept aus den 70er Jahren übernommen und eine völlig neue Geschichte (kein billiges Remake!) daraus gezaubert. Ein junger Diplomat, Sir Hallam Holland (wow, jugendlich und eminent gespielt von Ed Stoppard!), und seine Frau, Lady Agnes (Keeley Hawes, rührend-beeindruckend wie eh und jeh!) ziehen in das Haus am Eaton Place ein und rekrutieren eine junge Crew an Angestellten, die schon bald für Heiterkeiten, Affären und allgemeine Unruhe sorgt. Ein Schwiegermutterproblem in Gestalt von Lady Maud Holland (Eileen Atkins) und ein Debüttantinnenproblem in Gestalt von Agnes' aufrüherischer Schwester Lady Persie (Claire Foy, wo hat sie nur die zarte 'Little Dorrit' gelassen?!) machen den Dramenstoff komplett.
Vor dem Hintergrund der Abdankungsaffäre von König Edward VIII. (aus anderer Perspektive jüngst mit 'The King's speech' auf die Leinwand gekommen) und mit vielen Referenzen zu Ereignissen in Nazi-Deutschland entfalten sich nun mehrere tragische und konfliktreiche Geschichten. Eine besonders prominente Rolle spielt dabei der wenig bekannte englische Abstecher in den Faschismus rund um die Gestalt des umstrittenen Sir Oswald Mosley, dessen Programm Mitgliedern der Herrenräume gleichermaßen wie Bewohnern des Untergeschosses zusagt. Alle Achtung der BBC, die dieses gern vertuschte Kapitel der Geschichte ohne moralischen Zeigefinger, aber doch pädagogisch wertvoll aufrollt!
Während Donwton Abbey in manchen Teilen nur auf eine zweite Staffel hin ausgerichtet zu sein scheint, sticht 'Upstairs - downstairs' durch lebendig und detailreich gezeichnete Charakterportraits und nachvollziehbare Charakterentwicklungen hervor und findet - obwohl der Wunsch nach einer Forstetzung bleibt - einen gelungen Abschluss. Am Ende hat man irgendwie alle Charaktere - den aufrechten Butler Mr. Pritchard (Adrian Scarborough), das vorlaute Dienstmädchen Ivy (Ellie Kendrick), den indischen Diener Mr. Amanjit (Art Malik) und wie sie alle heißen - zu verstehen begonnen oder sogar lieb gewonnen. Und die Hoffnung besteht ja, dass die Geschichte weiter geht! Wenn Downton, dann auch Upstairs!!!