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Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Upanishaden
OT Upanishads EZ ab ca. 800 v. Chr. DE 1897Form Prosa und Metrik Epoche Altindisch
Die Upanishaden (Geheimlehren) sind eine Grup-pe von anonymen Sanskrittexten, welche das Ende des Veda (auch Vedanta) bilden, der ältesten religiösen Literatur der Inder. Sie enthalten noch kein fest umrissenes philosophisches System, sondern spiegeln eine spirituelle Wahrheitssuche mit vielfältigen Lösungsvorschlägen. Manche Forscher zählen über 200 Texte mit dem Namen Upanishaden, im Mittelpunkt der meisten Kommentare zu diesem Werk stehen jedoch nur 1014.
Entstehung: Die Ablösung der von der Priesterkaste der Brahmanen beherrschten vedischen Epoche ca. 750800 v. Chr. spiegelt sich in der Autorenschaft der religiösen Texte, die nun nicht mehr nur von männlichen Brahmanen verfasst wurden, sondern auch von Angehörigen anderer sozialer Gruppen und Frauen.
Die Entstehungszeit der Upanishaden wird in drei Phasen eingeteilt: Einige der ältesten sind bereits in die Aranyakas (eine an die Brahmatexte anschließende Textgattung) der vier Veden integriert und in vedischer Prosa abgefasst. In diese Gruppe gehören Brihad-Aranyaka-, Chandogya-, Taittiriya-, Aitareya-, Kaushitaki- und Kena-Upanishad. Zu den mittleren Vers-Upanishaden (ab ca. 500 v. Chr.) werden Kathaka, Isha, Mundaka, Shvetashvatara und Mahanarayana gezählt. Als mittlere Prosa-Upanishaden bezeichnet man Prashna, Maitreya undMandukya. Deutlich jünger sind die wieder in Prosa abgefassten Upanishaden der Spätzeit, zu denen u. a. Kaivalya, Brahma, Brahmabindu und Paramahansa gehören. Nachkanonische Upanishaden wurden noch bis ins 18. Jahrhundert verfasst. Sie zeigen oft deutliche sektiererische Tendenzen und genießen nicht dieselbe Autorität wie die älteren Upanishaden.
Inhalt: Als roter Faden zieht sich die Beantwortung einiger wiederkehrender Fragen durch die upanishadischen Lehren, wie z. B. die Frage nach dem Tod, dem Wesen der Wirklichkeit oder dem Wesen des Göttlichen und seiner Beziehung zum Menschen. Die älteren Upanishaden entwickeln die Grundzüge der indischen Philosophie. Die mittleren Upanishaden betonen stärker die All-Einheitslehre und die jüngeren konzentrieren sich häufig auf einen bestimmten Aspekt, der die Lehre ihrer jeweiligen Schule legitimieren soll. Die Philosophie der Upanishaden hat drei Schwerpunkte:
(1.) Die Lehre von Brahman und Atman beschreibt die Verbindung des göttlichen EINEN (Brahman), welches mit der Weltseele (Atman) identisch ist, zur Individualseele, die wiederum im Kern mit dem Atman identisch ist. Da die Selbst- und Sinneswahrnehmung der Menschen zumeist eine andere ist, muss erörtert werden, warum das Bewusstsein dieser Einheit verloren ist und auf welche Weise es wiederhergestellt werden kann.
(2.) Die Karma-Lehre besagt, dass alle Lebewesen einem ewigen Kreislauf von Wiedergeburten unterworfen sind, solange sie nicht das Bewusstsein der Einheit ihrer Seele mit Brahman realisiert haben. Das Ziel des Lebens ist die Befreiung aus dem Kreislauf durch Erkenntnis der Einheit. Nach dem streng kausalen Gesetz des Karma gestalten sich die Schicksale aufgrund der Taten und Verdienste in früheren Leben.
(3.) In den mittleren und späteren Upanishaden ist die Lehre von der Maya ausgebildet, welche bedeutet, dass die Welt der Erscheinungen, wie sie sich der Sinneswahrnehmung darstellt, eine Täuschung ist. Da die Welten und Geschöpfe das sind, was der Atman ist, existierten sie nur in unserem Bewusstsein.
Wirkung: Die Wirkung der Upanishaden erstreckt sich über ihren Einfluss auf den orthodoxen Brahmanismus und die sechs traditionellen indischen philosophischen Systeme bis zum Neu-Hinduismus unserer Zeit. Sie inspirierte westliche Philosophen der Romantik, darunter vor allem Arthur R Schopenhauer, ebenso wie einige heutige esoterische Strömungen. R. D.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.