Eine Rezension über einen Roman von Nelson DeMille zu schreiben, scheint nicht gerade einfach zu sein, gehen doch die Meinungen von "haarsträubend" bis "genial". Doch wie sieht es mit seinem neuen Buch aus? Als ich die Kurzbeschreibug des Inhaltes las, viel mir sofort die Ähnlichkeit zu der Handlung von "Word of Honor" auf: Vietnam-Krieg, ein ungeklärter Mordfall und viele Jahre später. Hinzu kommt, im Gegenteil zu "Word of Honor" oder "The General's Daughter" und in der Tradition von "Plum Island" bzw. "The Lion's Game" eine etwas haarsträubende Handlung.
"Up Country" erzählt die Geschichte des CID-Ermittlers Paul Brenner aus "The General's Daughter" weiter. Mittlerweile ist er im Ruhestand und weiss nicht, was er tun soll, als er eine ominöse E-Mail von seinem ehemaligen Chef bekommt, der ihn treffen möchte. Die folgende Geschichte wird in bester, mittlerweile jedoch etwas stereotyper DeMille-Manier erzählt: Die Hauptfigur (Paul Brenner) ist ein brillianter, dickköpfiger und urkomischer Macho mit einem gewaltigem Ego. Obwohl er schon in einer recht festen Beziehung lebt, läuft ihm natürlich eine andere Frau über den Weg, die ihn absolut fasziniert und was dann passiert, kennt man bereits aus den vorhergegangenen Büchern. Sorry Mr. DeMille, aber muss das jedes Mal sein?
Dazu kommt selbstverständlich die Untersuchung eines Kriminalfalles, doch diese entwickelt ihre ganz eigene Story mit teils wirklich überraschenden, teils etwas absurden Wendungen. Der Spannungsbogen lässt den Leser vor allem im ersten und letzten Drittel des Buches dasselbe kaum aus der Hand legen, dazwischen jedoch wird es etwas langatmig: Paul Brenner besucht seine alten Kriegschauplätze und erzählt eine Kriegsgeschichte nach der anderen - irgendwann reicht es auch damit.
Die Dialoge sind ebenfalls typisch, doch genau sie sind es warum wahrscheinlich nicht nur ich DeMille's Bücher verschlinge: Wenn der Hauptprotagonist einen Knaller nach dem anderen loslässt ohne flach oder blöd zu klingen, dann kommen Leser mit gutem Sarkasmus und trockenem Humor voll auf ihre Kosten! Ob Paul Brenner, John Corey oder all die anderen, es macht immer wieder Spaß ihnen zuzuhören. Doch hier gilt: Auf jeden Fall im englischen Original lesen!!
Durch die detailreichen Ausschmückungen merkt der Leser, dass DeMille sein Handwerk versteht. Ohne seine Kriegserfahrungen aus Vietnam würde sich die Geschichte wohl kaum so lebendig anhören. Auch hat er im Vorfeld des Buches das "neue" Vietnam bereist und diese Eindrücke finden sich in vielen Details und "Beschreibungsexkursen" wieder. Allerdings hatte ich an dieser Stelle ein bisschen das Gefühl, dass DeMille vielleicht seine eigene Vergangenheit entweder aufarbeiten oder einfach erzählen möchte. Da schon "Word of Honor" ähnlich schien, kann man sich fragen, warum schon wieder ein Roman dafür herhalten musste - doch das ist mein subjektiver Eindruck.
Das Buch hat diese ausgewogenen Vor- und Nachteile und deshalb gibt es drei Sterne, obwohl drei-einhalb angemessener wären.
Kurzum, für DeMille-Fans ist "Up Country" eigentlich ein Muss. Auch wenn einiges bekannt vorkommt, es gibt wieder Nachschub an Sarkasmus und trockenem Humor und einer "irrsinnig" spannenden Story. Für alle anderen: Wenn euch die Krieggeschichten nichts ausmachen, könntet ihr ein paar Tage voller Kurzweil finden.