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95 von 106 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das Elend der Einsamkeit, 24. Februar 2010
Wer kennt das nicht: Man ist allein. Allein unter vielen Menschen. Sich selbst überlassen. Ob nun freiwillig oder gezwungenermaßen. Ob nun "dank" einer gescheiterten Beziehung oder aufgrund beruflicher Vielreiserei. Zuerst ist es ungewohnt, doch schon bald schafft man sich seinen eigenen kleinen Ablauf, seine eigenen Rituale für etwas Normalität und ehe man sich versieht hat einen dieser Umstand fest im Griff. Man hat sich gut damit arrangiert. Ryan Bingham (George Clooney) hat diesen Umstand der Einsamkeit und Rastlosigkeit nahezu perfektioniert. Er ist ein Mann, der beruflich fast das gesamte Jahr quer durch die USA reist, um im Namen feiger oder bequemer Bosse ungeliebte Kündigungen an deren Mitarbeiter zu überbringen. Hotels und Flugzeuge sind seine Heimat, sein Tagesablauf straff und äußerst pedantisch durchorganisiert. Und ja, er mag dieses Leben! Sogar sehr. Da passt es ihm gar nicht in den Kram, dass er anlässlich einer Umstrukturierung in seiner Firma bald einen festen Bürojob bekommen soll. Und als wäre das nicht schlimm genug, soll er dafür auch noch die Frau (Anna Kendrick), die diese Umstrukturierung eingeleitet hat, mit auf Reisen nehmen und in die hohe Kunst des Kündigens einlernen.. Wer sich für diese Tragikkomödie (Nein, es ist keine Romanze!) interessiert, darf sich auf zwei Dinge freuen: 1) Ein preisverdächtiges Darstelleraufgebot, das von vorn bis hinten perfekt besetzt ist und dazu (und inklusive) einen George Clooney, der mal nicht erwartungsgemäß den jugendhaften Charmebolzen, den wir von im schon so oft gesehen haben, mimt, sondern auch einen traurigen George Clooney, der sein ganzes Talent in diesen Film wirft und für mich eine seiner besten Leistungen überhaupt abgibt. 2) Eine Geschichte, die insgesamt und mit ihren vielen Kleinigkeiten so dicht am Leben ist, dass man sich der Wucht kaum entziehen kann. Eine Geschichte, die einen fasziniert, die einem manchmal seltsamerweise bekannt vorkommt und vor allem eine Geschichte, die dem Zuschauer eine ganze Palette an Emotionen an den Kopf wirft und mit Garantie nicht kalt lässt. Tatsächlich habe ich von diesem Film nicht allzu viel erwartet. Irgendwas Besonderes schon. Aber mehr in Richtung hollywoodtypisch locker-leicht mit einem Schuss Humor. Da habe ich die Rechnung jedoch ohne Drehbuchautor und Regisseur Jason Reitman gemacht. Der Mann ist nämlich verantwortlich für Thank You for Smoking und Juno, zwei Filme die wirklich nur rein oberflächlich betrachtet die Bezeichnungen locker, leicht und lustig verdienen, aber dahinter (so wie hier) verdammt viel bittere Wahrheit und beißender Zynismus steckt. So viel, dass mir am Ende dieses dramatischen Stück Films ein richtig dicker Kloß im Hals stecken geblieben ist. Mein Fazit: Eine bewegende Story, fabelhafte Schauspieler in Topform, ein wunderbarer Soundtrack.. Für mich schon jetzt einer der Filme des Jahres!
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein., 4. Juli 2010
Ryan Bingham hat ein skurriles Ziel: Er möchte unbedingt der siebte Mensch sein, der 10 Millionen Flugkilometer über den Wolken verbracht hat und die entsprechend exklusive Kundenkarte dafür erhält. Voraussetzung für diese Miles-and-More-Geilheit Binghams ist sein Job: Als Kündigungsexperte fliegt er kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten, um nicht mehr benötigten Arbeitnehmern ihre Entlassung mitzuteilen. Bingham macht quasi die Drecksarbeit für feige Bosse, die für diese undankbare Aufgabe bezahlte Hilfe von außerhalb in Anspruch nehmen. Bingham ist Profi - unterkühlt, distanziert und erfolgreich serviert er einen Angestellten nach dem anderen ab. Schlecht bezahlt ist der eigentümliche Job nicht. Schlange stehen ist ein Tabu für Bingham, die maßgeschneiderten Anzüge sitzen perfekt und Liebeleien während seiner meist kurzen Zwischenstopps versüßen dem Single aus Überzeugung die Einsamkeit. Doch Bingham scheint sich in dieser Einsamkeit eingerichtet zu haben und gar wohlzufühlen. Familie, Sesshaftigkeit und ein spießbürgerliches Leben scheut Bingham wie der Teufel das Weihwasser. Doch auf einem seiner Trips lernt er die schlagfertige Alex kennen und Binghams Prinzipien erfahren die eine oder andere Abänderung. Als dann die junge und ehrgeizige Natalie Ryans Unternehmen ein Computerprogramm präsentiert, das unter Umständen auch Bingham selbst überflüssig machen könnte, sieht er sein über Jahre hinweg manifestiertes Lebenskonzept akut gefährdet Was Ivan Reitman mit 'Up in the Air' realisiert hat, ist ein tragikomisches Porträt eines Gewohnheitsmenschen, der dem Luxus nicht abgeneigt ist, der sich aber auch den zwischenmenschlichen Reichtümern oder der Verantwortung einer Beziehung konsequent entzieht. Reitmans Film schlägt dabei nicht kollosal auf die Pauke, präsentiert uns keine unvergesslichen Schenkelklopfer, sondern kommt als stilles und kluges Werk der zurückhaltenden Töne daher. Dass Clooney dabei mitunter nervend penetrant lächelt und permanent freundlich zu sein scheint, zeigt die antrainierte Selbstverständlichkeit eines Menschen, der keine Schwäche zeigen darf. Summa summarum ein sympathischer, leicht zugänglicher Film, dem zwar ab und an die psychologische Tiefe eines Meisterwerks fehlt, dem aber auf jeden Fall der Balanceakt zwischen Tragik und feinem Humor mit Leichtigkeit gelingt. Besonderer Erwähnung bedarf der tolle Soundtrack, der perfekt mit Eric Steelbergs souveräner Kameraarbeit harmoniert.
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15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
10 Mio Airmiles als Lebensziel?, 10. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: Up in the Air [Blu-ray] (Blu-ray)
Die technische Qualität der BluRay kann man als solide bezeichnen. Ein Bild, das gut aber nicht umwerfend ist. Der Ton ist ebenfalls solide. Eine genauere Bewertung fällt mir jedoch schwer, da "Up In The Air" ein Dialogfilm ist, dessen Soundeffekte und selbst der Soundtrack beinahe kaum auffallen. Zum Film selbst **** SPOILERGEFAHR *** Regisseur Jason Reitman ist es nach "Thank You For Smoking" und "Juno" erneut gelungen, mich sowohl im Hirn als auch im Herzen zu berühren. Außerdem ist der Film zur richtigen Zeit - Finanzkrise! - erschienen. So wirkt die Rahmenhandlung für jedermann nachvollziehbar: Ein charmanter Typ feuert im Auftrag von Firmen deren Mitarbeiter. Er reist dabei kreuz und quer durch die USA und führt ein entwurzeltes Leben, das sich irgendwo zwischen Hotels, Flughäfen und seinen Kunden abspielt. Immer auf Achse, immer unter Strom und immer auf der Jagd nach den nächsten Airmiles. Die goldene Luxus-Senatoren-ich-bin-wichtig-Karte als Lebensziel. Alles könnte so schön sein, wenn der charmante Ryan Bingham (George Clooney) nicht auf ein weibliches Gegenstück (Vera Farmiga) treffen würde, das genauso tickt wie er und das ihm im Laufe der Handlung nicht nur den Kopf verdreht, sondern ihn auch dazu bringt, seine Wertvorstellungen und Lebensziele zu hinterfragen, ja diese sogar über Bord zu werfen. Dass sich zusätzlich noch eine jüngere Kollegin daran macht, ihm im Job das Wasser abzugraben, ist dabei das kleine Sahnehäubchen. Jason Reitman hat mit "Up In The Air" eine Komödie gedreht, die im Bezug auf die amerikanische "hire and fire"-Mentalität sämtliche Klischees bedient. Außerdem zeigt er das tägliche, ruhelose Leben von Ryan Bingham in Hotels und vor allem auf Flughäfen voller Humor, oftmals sogar deutlich überzeichnet, trifft dabei aber immer den richtigen Ton und zeigt viel Gespür für skurrile aber realistisch wirkende Momente. Hervorragend gelingt es Reitman, seine Schauspieler zu umwerfender Natürlichkeit, kleinen Emotionen und zahlreichen kleinen Gesten anzuleiten und "Up n The Air" auch dadurch zu ganz großem Kino zu machen Die Darsteller sind dabei über alle Zweifel erhaben: George Clooney, spielt überzeugend den anfangs von sich und seiner Lebensweise überzeugten Ryan Bingham, der im Laufe der Handlung mehr und mehr Einsamkeit empfindet und daher plötzlich nach seinem ruhigen Hafen sucht. Anna Kendrick als Clooneys engagierte junge Kollegin spielt sehr natürlich. Vera Farmiga passt hervorragend in die Rolle der Alex, die letztlich ein Beziehungsverhalten zeigt, das man in der Regel eher Männern zutraut. Dieses "Ich drehe den Spieß einfach herum" und die sich daraus für die Handlung ergebende Entwicklung sind der eigentliche Gewinn des Films: Kein kitschiges Happy End, sondern ein Ende, das bittersüß aber realistisch daherkommt. Selbst die Nebenrollen sind glänzend besetzt. Alle sprühen vor Spielfreude. Und wer genau hinschaut, bekommt in kleinen Rolle J.K. Simmons (Junos Vater aus "Juno") und Sam Elliot zu sehen. Letzterer dürfte eingefleischten Coen-Fans aus "The Big Lebowski" bekannt sein. Was bleibt? Das Gefühl, eine sehr, sehr gute, kurzweilige, intelligente und melancholische Komödie gesehen zu haben, die mich noch lange nach ihrem Ende beschäftigt hat... EINE KLARE KAUFEMPFEHLUNG!
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