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Unvollendete Vergangenheit.
 
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Unvollendete Vergangenheit. [Gebundene Ausgabe]

Hugo Claus , Waltraud Hüsmert
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

Erhältlich bei diesen Anbietern.



Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 174 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta (2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608934952
  • ISBN-13: 978-3608934953
  • Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 12,8 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.411.982 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 05.05.2001
Seltsame Textur, die sich zwar als Roman bezeichnet, laut Rezensent Hermann Wallmann jedoch eher "ein amorpher dramatischer Dialog" ist. Für Wallmann drückt sich in dieser Diskrepanz so etwas wie ein Zweifel an der Erkennbarkeit der Welt aus: "Der Roman führt gleichsam ein Theaterstück vor, er erfindet keine Wirklichkeit, sondern eine Fiktion". Dass der Leser etwas ratlos aus der Wäsche guckt, wenn ihm solcherart "'sex and crime', archaisch und blutig wie bei Sophokles und Shakespeare", serviert wird, scheint Wallmann ganz in Ordnung zu finden. Dem Autor und seinem Buch als einer "Art Topografie des kleinbürgerlichen Terrors" geht es da ja nicht anders.

© Perlentaucher Medien GmbH

Kurzbeschreibung

"Meisterhaft, gemein und barmherzig" (de Volkskrant)
"Prophetisch", nannte das Handelsblad diesen Roman, "verblüffend und imponierend". Angelehnt an reale, ganz Europa schockierende Ereignisse in seinem Land, rechnet Claus auf seine unnachahmliche Weise mit der Unschuld ab. Und das mit einem Humor, dem das Lachen gleich nah ist wie das Entsetzen.No l, der in seiner Jugend vom Fahrrad fiel und seitdem etwas konfus ist, wittert Ungeheuerliches. Denn kürzlich, so sagen die Leute, sind zwei Mädchen verschwunden, spurlos. No l hat einen Verdacht, und er beschließt, die Sache in die Hand zu nehmen. Er beginnt mit einem anonymen Warnbrief an Dekerpel, den Kollegen am Arbeitsplatz, einer Buchhandlung.
Komprimiert und doch mit leichter Hand inszeniert Hugo Claus den Verlauf eines Wahns. Was im Verhör No ls durch einen alten Kommissar ans Tageslicht kommt, ist das Psychogramm einer Kleinstadt-Gesellschaft, spießig und heimtückisch. Judith, die Tochter einer Prostituierten, die von algerischen Fundamentalisten verfolgt wird; ein aalglatter Rechtsanwalt; unter der Hand weitergegebene Fotos von kleinen Mädchen; die schlimme Söldner-Vergangenheit des Bruders von No l - das sind die Ingredienzen in diesem irrwitzigen Spiel, bei dem mehrere Menschen ihr Leben verlieren. No l räumt auf, und er hinterlässt dabei eine breite Blutspur.
Hugo Claus, 1929 in Brügge geboren, ist als Prosaschriftsteller und Lyriker, als Dramatiker, Film- und Theaterregisseur und Mitglied der Malergruppe "Cobra" bekannt geworden. Heute lebt er, nach langen Aufenthalten in Frankreich, Italien und den USA, in Gent.

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Dorftrottel und Sündenbock, 7. August 2010
Von 
Günter Nawe "Herodot" (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Unvollendete Vergangenheit. (Gebundene Ausgabe)
Nichts ist einfach in den Romanen des Belgiers Hugo Claus - auch wenn seine Geschichten mit leichter Hand inszeniert sind. Und das Lachen bleibt dem Leser häufig genug im Halse stecken. Das betraf die großen Romane "Der Kummer von Flandern" und "Belladonna"; es betrifft auch den schmalen Roman "Unvollendete Vergangenheit" dieses großartigen belgischen Autors.

Claus' großes Thema ist die belgische Geschichte mit ihrer wenig ruhmreichen kolonialen Vergangenheit, in der das Land seine Unschuld verloren hat. Und noch längst ist diese Zeit _ wie auch die Zeit des Nationalsozialismus - nicht aufgearbeitet. So heißt der Titel des neuen Romans nicht zu Unrecht "Unvollendete Vergangenheit".

Mit dieser unvollendeten Vergangenheit und ihre Folgen wird einmal mehr eine spießige Kleinstadt-Gesellschaft konfrontiert. Auslöser ist Noel, einst von einem Fahrrad gefallen und seitdem etwas verstört. Als er jedoch auf die Spur verschiedener und anfangs noch undurchsichtiger Vorgänge kommt, wird aus dem - wie er sich selbst bezeichnet - "Dorftrottel" ein selbsternannter Richter und Vollstrecker.

Noel hat auch einen Bruder. Dieser Bruder René hat eine schlimme Söldner-Vergangenheit. An Noel ist es nun, die Fäden der beiden Erzählstränge des Autors zueinander zu fügen. Dies geschieht im Rahmen eines "Verhörs", das der mit dem Fall betraute Kommissar Gilbert mit Noel führt.

Noel ist einerseits ein tumber Tor mit der Hellsicht, der Aufrichtigkeit und einem sehr eigenen Gerechtigkeitsverständnis, die solchen tumben Toren häufig zu eigen sind. So hat er die Aufklärung der Geschichte um die beiden verschwundenen Mädchen in die Hand genommen. Und ist dabei selbst schuldig geworden. Es beginnt mit anonymen Warnbriefen und endet mit einem grausamen Mord. Und nicht nur das: Judith, die Tochter einer Prostituierten, wird von algerischen Fundamentalisten verfolgt. Ein aalglatter Rechtsanwalt wird auf bestialische Weise ermordet. Fotos blutjunger Mädchen, Objekte sexueller Stimulation, machen die Runde. Ein Skandalon gebiert das andere: Schamlosigkeit, Kollaboration, Drogenhandel, Kindesmissbrauch, Mord - es gibt nichts, was es in dieser Art in dem Mikrokosmos der Kleinstadt nicht gibt. Die vermeintlichen Biedermeier sind allesamt offensichtlich Brandstifter.

Dieser kleine Roman ist ein Psychogramm der belgischen Gesellschaft und ihrer unvollendeten Vergangenheit. Eine vermeintliche Kriminalgeschichte wird zur Anklage. Dass Noel dabei sowohl Täter als auch Sündenbock wird, liegt in der Konsequenz der Claus'schen Geschichte. So lässt Noel seine Richter und den Leser wissen: "Wenn ein Hund einmal Menschfleisch gefressen hat, muss man ihn töten. Ich will dieser Hund sein. Man muss mich töten."
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