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Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 05.05.2001
Seltsame Textur, die sich zwar als Roman bezeichnet, laut Rezensent Hermann Wallmann jedoch eher "ein amorpher dramatischer Dialog" ist. Für Wallmann drückt sich in dieser Diskrepanz so etwas wie ein Zweifel an der Erkennbarkeit der Welt aus: "Der Roman führt gleichsam ein Theaterstück vor, er erfindet keine Wirklichkeit, sondern eine Fiktion". Dass der Leser etwas ratlos aus der Wäsche guckt, wenn ihm solcherart "'sex and crime', archaisch und blutig wie bei Sophokles und Shakespeare", serviert wird, scheint Wallmann ganz in Ordnung zu finden. Dem Autor und seinem Buch als einer "Art Topografie des kleinbürgerlichen Terrors" geht es da ja nicht anders.
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Kurzbeschreibung
"Meisterhaft, gemein und barmherzig" (de Volkskrant)
"Prophetisch", nannte das Handelsblad diesen Roman, "verblüffend und imponierend". Angelehnt an reale, ganz Europa schockierende Ereignisse in seinem Land, rechnet Claus auf seine unnachahmliche Weise mit der Unschuld ab. Und das mit einem Humor, dem das Lachen gleich nah ist wie das Entsetzen.No l, der in seiner Jugend vom Fahrrad fiel und seitdem etwas konfus ist, wittert Ungeheuerliches. Denn kürzlich, so sagen die Leute, sind zwei Mädchen verschwunden, spurlos. No l hat einen Verdacht, und er beschließt, die Sache in die Hand zu nehmen. Er beginnt mit einem anonymen Warnbrief an Dekerpel, den Kollegen am Arbeitsplatz, einer Buchhandlung.
Komprimiert und doch mit leichter Hand inszeniert Hugo Claus den Verlauf eines Wahns. Was im Verhör No ls durch einen alten Kommissar ans Tageslicht kommt, ist das Psychogramm einer Kleinstadt-Gesellschaft, spießig und heimtückisch. Judith, die Tochter einer Prostituierten, die von algerischen Fundamentalisten verfolgt wird; ein aalglatter Rechtsanwalt; unter der Hand weitergegebene Fotos von kleinen Mädchen; die schlimme Söldner-Vergangenheit des Bruders von No l - das sind die Ingredienzen in diesem irrwitzigen Spiel, bei dem mehrere Menschen ihr Leben verlieren. No l räumt auf, und er hinterlässt dabei eine breite Blutspur.
Hugo Claus, 1929 in Brügge geboren, ist als Prosaschriftsteller und Lyriker, als Dramatiker, Film- und Theaterregisseur und Mitglied der Malergruppe "Cobra" bekannt geworden. Heute lebt er, nach langen Aufenthalten in Frankreich, Italien und den USA, in Gent.