Obwohl ich durch zahlreiche gesehene Fernsehauftritte von Willy Astor bezüglich dessen Wortgewandheit, manchmal hintersinniger Sprichwortverwandlung und unglaublicher Fähigkeit, einfachste Dinge des alltäglichen Lebens in ihren hochkomplizierten Bauplan aufzurollen, überraschte mich sein Buch "Unverrichter der Dinge" auf fast jeder Seite aufs Neue. Der Wortakrobat, der "Ringelnuts" in nichts nachsteht, beschäftigte sich allerdings nicht nur mit der wahnwitzigen Aufgabe, über 100 Filmtitel in eine einzige Geschichte zu packen, nein, auch Karikaturen und dazu passende Texte fehlten nicht, und was da so ein kleiner Buchstabendreher alles verändern kann, bewies er auf grandiose Weise beim "Planter's Punch nach Panter's Plantsch". Mit dem genähten Kartoffelpüree zeigte er sich sogar als brillanter Geograph!
Die Geschichte vom Dalai Lama zeigte auf etwas spöttische Weise die Schwierigkeit des japanisch-deutschen Übersetzens (wenngleich Astor ein paar Nachhilfestunden in Japanisch nicht schaden würden, man denke nur an She Del Weh), was im Laufe der Geschichte allerdings zu sehr gesteigert wurde. Wenn eine Beschreibung über 4 Zeilen geht, kann man das schon als leichte Übertreibung sehen. Wie die ozeangleiche Weisheit des Dalai schwand im Verlauf der Story somit auch ein wenig von Astors "Aura im Sinngrund" (Bild S. 92), vor allem der SINN-Grund.
Die "Länderspiele" hingegen waren der brillante Höhepunkt des gesamten Buchs. Kaum zu glauben, wie viel Astor in einen einzigen Satz packen kann, er weiß auch um die Aussprache (wie bei "Abruzzen") und beschränkt sich keineswegs ausschließlich mit der reinen Schreibweise. Auch beim Wort "Ägypten" wird diese These untermauert, was vor allem die Süddeutschen mit ihrem Dialekt bestätigen können. Genau so gut wie bei dieser Geschichte präsentiert Astor sein Talent in "Warte, bis es dinkel wird". Einen gemüsten Wortsalat richtet er für seine Leser an und baut Don Camillo und Peppone für seine Geschichte günstig um. Man kann es nicht beschreiben, denn, wie Dieter Hildebrandt im Vorwort und auf dem Klappentext sagt: "Leute, KAUFT das Buch, es bringt euch weiter!".
So weit, so gut. Oder doch nicht? In der Geschichte "Oberflächenspannungen" überschreitet Astor nämlich mehrmals die feine und verletzliche Grenze zwischen Hervorrufen von Belustigung und der von Ekel, die er in all den anderen Geschichten so hervorragend eingehalten hat.. Zwar schreibt er dies nicht so platt, wie man meinen möchte, aber genau dies jagt sicher so manchem einen angewiderten Schauer über den Rücken, wenn man begriffen hat, WAS Astor genau damit meint. Darüber hinaus gehört eine solche Geschichte nicht wirklich in das Buch "Unverrichter der Dinge" und wirkt schon gar nicht wie eine Astor-Story, denn
a) weder findet man darin Wortspielereien und Sprachakrobatiken,
b) noch passt sie zu seinem so gebildet, aber nie hochgeschraubt wirkenden Schreibstil.
Diese Geschichte trübt das Gesamtbild etwas, das eigentlich mit 5 Sternen meinerseits hervorragend ausgesehen hätte. Trotz dieses kleinen Wermutstropfens reicht es für 4 Sterne für Willy Astor. Das Gesamtbild fällt nicht in Zisternen (anders als der Mensch auf S.149), sondern macht den Leser schier verrückt, denn, wie Emil Steinberger im Nachwort sagt, hat man dieses Buch erst einmal gelesen, sucht man geraume Zeit auch in Zeitungen, Zeitschriften, anderen Büchern und, und, und nach Spruchverdrehungen ("Wortspielchen" wäre zu banal für Astor) und Sprachverballhornungen.
Ich kann dieses Buch nur empfehlen! Trotz des etwas "unfertig" klingenden Titels wirkt das Buch so ausgereift, dass man sich fragt: "Wie viele Jahre hat der Astor da eigentlich drangesessen?!". Der treffendste Name wäre "Willy Astor - Best Of", denn da ist wirklich alles drin,
"watt ihr volt".