Harald Saul hat in diesem Buch alte Familienrezepte aus der Küche Sudentenlands zusammengetragen und wartet außerdem mit kleinen Familiengeschichten aus dieser Region auf, die sich in längst vergangenen Tagen dort zutrugen.
Eine Fülle hübscher Postkarten und Fotos von Familienfesten, auch Aufnahmen junger, zukünftiger Hausfrauen aus den 20er Jahren und früher findet sich in dem Büchlein, ferner handgeschriebene Rezepte und vieles andere mehr.
Auffallend zahlreiche Mehlspeisen wurden in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts im einstigen Sudentenland zubereitet.
In einem Kochbuch von Familie Friedland in Gablonz findet sich allerdings ein delikates Fleischgericht "Ruppertsdorfer Rinderbraten mit sauerer Gurke", das sicher heute noch Anerkennung unter Feinschmeckern findet, wenn man das Mehl in der Sauce durch einen Teelöffel eiskalter Butter zum Binden ersetzt. Die in Streifen geschnittenen sauren Gurken verleihen dem Rinderbraten geschmacklich den letzten Kick.
De Sudetendeutsche Erna Saar besuchte 1907 eine Haushaltsschule in Schluckau und erlernte die Grundlagen des landwirtschaftlichen Kochens. Aus ihrem Kochbuch werden "Obstknödel", "Böhmische Semmelknödel" etc vorgestellt und unter anderem eine "Pilzsauce nach Schluckauer Art", in der 500 Gramm frische und 100 Gramm getrocknete Steinpilze Verwendung finden . Nicht nur bei Saars Rezepten fällt auf, dass man sehr sparsam mit Gewürzen umgegangen ist und leider alle Saucen mit Mehl gebunden hat. Wenn man diese alten Rezepte nachkochen möchte, sollte man sich vom Mehl verabschieden. Es macht die Sauce unnötig schwer. Lässt man das Wasser in der Pilzsauce weg und verwendet bloß saure Sahne, hat sich das Mehl fast von allein erübrigt.
Verwundert bin ich über die Kreation von Henriette Hofbauer " Potweinporree, um 1900 ".
Dieses Gericht ist zum Nachkochen nicht geeignet. Geschmäcker ändern sich im Laufe der Jahrzehnte. Eindeutig.
Nachdem ich alle im Buch veröffentlichten Gerichte aus dem Sudetenland näher beleuchtet habe, komme ich zu dem Ergebnis, dass die vegetarischen Gerichte aus dieser Region alle Fleischgerichte von dort bei Weitem übertreffen.
Spezialitäten sind : "Powidldatschkerln nach Henriette Hofbauer", "Birnendalken nach Grottauer Art" , "Zwetschgenknödel nach Schellmann-Art", " Liwanzen nach Budweiser Art" und "Böhmische Mohnbuchteln" .
All diese Gerichte sind sehr lecker. Mein böhmischer Urgroßvater hat sie mir in meiner Kindheit hin und wieder zubereitet.
Sehr interessant finde ich den Wochenplan für diverse Mittagsmahlzeiten einer Familie in den frühen 30er Jahren. Der Sonntagsbraten wurde stets von Knödel und Kraut begleitet und freitags gab es immer Fisch, wie überall in katholischen Gegenden in vergangenen Zeiten.
An Werktagen löffelten weniger begüterte Leute "Brotsuppe mit viel Knoblauch" .
Erwähnenswert ist der " Weihnachtskarpfen aus Eger", in dessen Sauce sich Rosinen, Mandeln und Rosinen finden und Pflaumenmus nicht fehlen sollte.
Ein nostalgisches Büchlein, besonders interessant für Leser mit sudentendeutschen Vorfahren. Man muss nicht alles nachkochen, es genügt, wenn man weiß, wie man einst kochte. Dieses Buch hilft Wissenslücken zu schließen.
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