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Unvergessliche Küche Ostpreußen: Traditionelle Familienrezepte und ihre Geschichten
 
 
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Unvergessliche Küche Ostpreußen: Traditionelle Familienrezepte und ihre Geschichten [Gebundene Ausgabe]

Harald Saul
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
  • Verlag: Bassermann Verlag; Auflage: 4 (3. August 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3809423378
  • ISBN-13: 978-3809423379
  • Größe und/oder Gewicht: 23 x 17,4 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 38.014 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Harald Saul
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Alte Zeiten in Rezepten, Fotos und Geschichten

Kaum etwas weckt die Bilder der Kindheit so sehr, wie der Name oder der Duft einer Lieblingsspeise aus der früheren Zeit.

Vor rund 10 Jahren bat Harald Saul, Küchenmeister und Sammler von traditionellen Rezepten, im „Ostpreußenblatt“ um die Zusendung von Kochbüchern, Dokumenten und Erinnerungen aus der alten Zeit. Das Echo war überwältigend. Harald Saul kam in den Besitz von handgeschriebenen Kochbuchaufzeichnungen, private Fotoalben wurden für ihn geöffnet und in zahlreichen Gesprächen haben ihm die Menschen ihre ganz privaten Geschichten erzählt.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Kann man es einem „Nicht-Ostpreußen" abnehmen, wenn er sich für ein Land interessiert, das es schon lange nicht mehr gibt?
Ich war 12 Jahre alt, als mir ein Lehrer von Königsberg erzählte und mich neugierig machte. Ich hörte von britischen Bombern, die in den Augustnächten 1944 Phosphor über der Stadt versprühten, und lauschte seinen Erzählungen über den Festungskampf, der mit der Kapitulation am 9. April 1945 endete. Er sprach vorsichtig von Breschnew, der die fremde Kultur im früheren Königsberg, das nun Kaliningrad hieß, ausmerzen wollte und 1969 die Reste des Königsberger Schlosses sprengen ließ. Er konnte wunderbar erzählen von den alten Vierteln an den beiden Pregelarmen und von der Dominsel. Ich ging in die Stadtbibliothek und fragte nach Büchern über Königsberg. Pikiert antwortete mir die Bibliothekarin, daß Kaliningrad jetzt eine moderne, sowjetische Großstadt sei ... .
Als ich im Frühjahr 1999 im „Ostpreußenblatt" für ein recht persönliches Kochbuch um Übermittlung von Rezepten, Erinnerungen und Dokumenten bat, erhielt ich ein überwältigendes Echo. Briefe, Pakete und persönliche Gespräche erbrachten eine erstaunliche Fülle an einmaligen Erinnerungen.
Nun ist das „Ostpreußen-Geschichts-Kochbuch" fertig und vieles an Material konnte nicht berücksichtigt werden. Deshalb habe ich vor allem die Speisen und Menüfolgen in das Buch aufgenommen, die noch weitgehend unbekannt sind oder nur einem kleinen regionalen Kreis zugänglich waren. Alle Rezepte sind, wenn nicht anders vermerkt, für vier Personen berechnet. Liebenswerte Menschen lernte ich kennen in den neuen und alten Bundesländern, die mit großer Verbundenheit von ihrer ehemaligen Heimat sprachen. Ich danke ihnen für die unvergeßlichen Gespräche und ihre Bereitwilligkeit, mir das historische Material uneigennützig zu schenken oder leihweise zu überlassen. Ich lernte ein Land kennen, das über eine hohe Kultur verfügte und von der Bescheidenheit und dem schöpferischen Einfallsreichtum seiner Menschen geprägt war. Bemerkenswert und für mich als sehr ähnlich empfindenden Thüringer beeindruckend der Stolz der Ostpreußen auf ihre Familientraditionen, auf alte Bräuche und das weite schöne Land.
Von Ella Brachmann und ihren Eintopf-Spezialitäten aus der Kalcherschen Werksküche in Schloßberg bis zu den Traditionsgerichten von Schloß Schlobitten spannt sich ein bunter, erstaunlich vielfältiger Bogen. Das liegt sicher daran, daß die Erinnerungen der Befragten so lebhaft und gegenwärtig sind - vieles wurde wieder und wieder in den Familien erzählt. Und diese Erinnerungen sind wohl auch Ausdruck der patriarchalischen Verbundenheit der Ostpreußen mit ihrem Land und den Menschen, resultierend aus starkem Traditionsbewußtsein und dem Aufeinanderangewiesensein im arbeitsreichen Alltag. So werden alltägliches Leben und außergewöhnliche Schicksale nacherlebbar. Wandel der Geschichte: Heute ist es wieder möglich, jenes versunkene Land, seine Städte und Dörfer zu bereisen. Ostpreußen, das Kernland Preußens, das nach dem Alliierten Kontrollratsgesetz vom 25. Februar 1947 nicht mehr existiert, lebt in seinen früheren Bewohnern und ihren Nachkommen weiter, wie auch in seinem historischen Erbe, das aus der preußisch-deutschen Geschichte nicht mehr herauszulösen ist.
Ich bedanke mich bei allen, die mir geholfen haben, daß dieses Buch entstehen konnte. Besonderen Dank auch meinen beiden Arbeitskolleginnen, Frau Krista Seyfarth und Frau Beate Korn aus Gera, die mir beim „Übersetzen" alter Familiendokumente eine wichtige Hilfe gewesen sind.

Gera, im Herbst 2000

Ella Brachmann 1932

Ella Brachmann (1914-1995) erinnerte sich bei unserem Zusammentreffen noch lebhaft an die Zeit in Schloßberg (vormals Pillkallen, heute Dobrowolsk) und an ihre Tätigkeit in der Werksküche der Firma Kalcher.
Kalcher - der Name stand für einen aufstrebenden Handwerksbetrieb. Frau Brachmann schwärmte von der 40-Jahr-Feier des Betriebes im „Schützenhaus" Schloßberg. An drei langen, mit Blumen geschmückten Festtafeln speisten die Festgäste, die zum Firmenjubiläum geladen waren. Der Chef Hans Kalcher, er war Maurermeister und Zimmermeister, sah an dem Abend sehr gut aus mit dem Eisernen Kreuz am weißen Band am Rockaufschlag.
Er engagierte sich energisch für Schloßberg und es ist sein Verdienst, daß vieles der Nachwelt erhalten geblieben ist: die Post und das Rathaus, etliche Straßenzüge und die Parkettfabrik. Hier, in der Parkettfabrik, arbeitete Ella Brachmann zu jener Zeit, als die Firma Kalcher & Söhne aufblühte.
Hans Kalcher finanzierte 1919 auch die elektrische Lichtanlage im damaligen Pillkallen und dann später in Schloßberg mit. (Am 16. Juli 1938 wurde die Kreisstadt Pillkallen in Schloßberg umbenannt.) Im neuen Königsberger Bahnhof sind viele Ziegel und das begehrte Parkett aus Pillkallen verbaut worden. Schloßberg verdankt Hans Kalcher viel, erzählte Ella Brachmann. Sie erwähnte die Badeanstalt, die ihrer Familie viel Freude beschert hat, den neuen Schießstand in den alten Kiesgruben, den Saal im „Schützenhaus" und die Rollschuhbahn, die Hans Kalcher zu neuem Leben erweckte.
Die Zeit ist vergangen. In Meerane fand Ella Brachmann eine neue Heimat. 1990 reisten Freunde von ihr in das Dobrowolsker Gebiet. Auf zahlreichen Fotos und mit der Filmkamera hielten sie ihre Eindrücke fest - für Ella Brachmann eine schmerzlich-schöne Erinnerung. 1995 ist Ella Brachmann gestorben.

Gemüsesuppe nach Familie Horn, Schloßberg um 1940

Sellerie, Mohrrüben, Pastinaken (weiße Rüben), grüne Bohnen, Porree (nur die weißen Enden!), Blumenkohl, Wirsingkohl, Rindfleisch (Querrippe, gut durchwachsen), Salz
Das Gemüse in beliebiger Form zerkleinern, in einen Kochkessel geben, mit Wasser auffüllen, salzen. Das große Stück Rindfleisch dazugeben und aufkochen lassen. Dann abschäumen und an nicht zu heißer Stelle auf dem Herd gar kochen.



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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Helga König #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Harald Saul hat alte Familienrezepte aus Ostpreußen zusammengetragen und aus diesen, sowie aus Anekdoten und Geschichten um deren Verfasser ein kurzweiliges Buch gemacht.
So hat die Gutsbesitzerfamilie Lube im vorvergangenen Jahrhundert u.a. Rezepte für " ostpreußische Leber- und Blutwurst ", für " Schmandschinken " und für das Traditionsgericht " Königsberger Klopse " aufgeschrieben. Im Klopsteig sind hier - neben gehacktem Fleisch und Gewürzen - gekochte Kartoffeln und Eischnee verknetet. Die dazugehörende Mehltunke enthält zwar Kapern, Zitronensaft und saure Sahne, aber keine Sardellen. Vermutlich gaben - um 1840 - Beschaffungsprobleme den Ausschlag zum Verzicht.
Königsberger Marzipan wurde im Gutshaus ebenfalls zubereitet. Dass die Lube-Rezepte, wie diesbezügliche Familienfotos dokumentieren, beträchtliches Hüftgold zur Folge hatten, kann eigentlich nicht verwundern....
Anders hingegen liest sich das Kochverhalten der Familie Floßner aus Nidden an der Kurischen Nehrung. Die Floßners betrieben ein Gasthaus, in welchem Kurgäste, wie Thomas Mann und Carl Zuckmeyer zu speisen pflegten und zwar nicht zuletzt der delikat zubereiteten Niddenlachse wegen. Der Leser begreift dies sofort, wenn er die Rezepte für den " Niddenlachs in Birkenfeuer geräuchert", für den " Schmidt-Lachs" oder den " Lachs mit gelben Rüben und Makkaroni " näher studiert.
Weiter liest man vom Pferdemarkt in Wehlau und erhält eine Idee davon, wie Pferdefleischgerichte schmecken können, wenn man es schafft, nicht daran zu denken, dass ein Pferd doch eigentlich etwas anderes ist, als ein profaner Proteinlieferant.
Bei der internationalen Kochausstellung 1937 in Frankfurt wartete Ostpreußen u.a. mit Rezepten von " Kaulsuppe", " Ostseedorschfilet in Weißwein" , " Heilsberger Kartoffelkeilchen mit Speck und Zwiebeln" und " Elchkeule in Sahne und gemischten Früchten" auf. All diese Speisen der bürgerlichen Küche waren sehr fett- und mehlreich und sollten, sofern man sie nachkochen möchte, ( wo kriegt man bloß eine Elchkeule her?) vielleicht etwas modifiziert werden.
Der Adel, allen voran Königin Luise, ließ sich 1807 in Königsberg , vermutlich damit ihr Korsett nicht bedrohlich kniff, gedämpfte Hühner und ein leichtes Omlette auftischen. Auch Graf Dohna bevorzugte offenbar schwerelose Speisen. Sein Lieblingsgericht " Rebhuhnsüppchen mit Linsen, Weißkohlstreifen und Steinpilzen" wird ihn gewiß nicht zum Platzen gebracht haben!
Ein schönes , interessantes Buch, nicht nur für diejenigen, deren großmütterliche Kochrezeptsammlungen im Osten verschollen sind!
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