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Unverblümt: Roman
 
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Unverblümt: Roman [Taschenbuch]

Alicia Erian , Astrid Mania
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Alicia Erian ist mit ihrem Debütroman "Unverblümt" eine Art amerikanischer "Feuchtgebiete" geglückt: moderat verstörend, respektlos fabuliert - und satirisch besonders wertvoll." (Die Welt )

„Es ist Jasiras ehrliche und direkte Stimme, die die Stärke dieser ebenso herzzerreißenden wie beindruckenden Geschichte ausmacht.“ (Booklist )

„Alicia Erians fesselndes Debüt lässt sich nicht in eine der gängigen Kategorien pressen. Es ist zugleich traurig und sexy, komisch und politisch, energiegeladen und nervenaufreibend.“ (Dallas Morning News )

Kurzbeschreibung

Sex, Scham und Kribbeln im Bauch

Die junge Jasira weiß nicht, wie ihr geschieht, als sie von ihrer Mutter in New York in den Bus nach Texas verfrachtet wird, wo sie bei ihrem libanesischen Vater leben soll. Und tatsächlich gestaltet sich das Leben für die 13-Jährige in dem beschaulichen Vorort von Houston alles andere als einfach. Die Nachbarschaft beäugt sie und ihren strengen Vater mit Argwohn, und in der Schule wird sie als Araberin verspottet. Doch am beunruhigendsten erscheinen Jasira ihre eigenen Gefühle: ihr plötzliches Gefallen an Playboy-Heften, die erotische Anziehungskraft, die ihr Nachbar, ein gestandener Familienvater, auf sie ausübt, und schließlich die eindeutig sexuellen Angebote ihres Mitschülers ...

Was Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ für Deutschland sind, ist Alicia Erians „Unverblümt“ für die Welt.

Für Hollywood verfilmt von Regisseur Alan Bell („American Beauty“, „Six Feet Under“) mit Toni Colette („Litte Miss Sunshine“) und Aaron Eckhart („The Dark Knight“).

Klappentext

"'Unverblümt' ist ein beeindruckendes Porträt der Adoleszenz und der Notwendigkeit von Akzeptanz. Ein Coming-of-age-Roman, schockierend ehrlich und zu Herzen gehend - die reinste Lesefreude!" Bookreporter.com Bookreporter.com

"Es ist Jasiras ehrliche und direkte Stimme, die die Stärke dieser ebenso herzzerreißenden wie beindruckenden Geschichte ausmacht." Booklist

"Alicia Erians fesselndes Debüt lässt sich nicht in eine der gängigen Kategorien pressen. Es ist zugleich traurig und sexy, komisch und politisch, energiegeladen und nervenaufreibend." Dallas Morning News

Über den Autor

Alicia Erian schreibt für verschiedene amerikanische Magazine. Sie hat bereits eine Kurzgeschichtensammlung mit dem Titel: „The Brutal Language of Love“ veröffentlicht. „Unverblümt“ ist ihr erster Roman.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Der Freund meiner Mutter war in mich verknallt, und so schickte sie mich zu meinem Vater. Ich wollte nicht bei Daddy leben. Daddy hatte einen komischen Akzent, weil er aus dem Libanon stammte. Meine Mutter hatte ihn auf dem College kennengelernt, ihn geheiratet, dann kam ich, und als ich fünf war, ließ sie sich von ihm scheiden, weil mein Vater kleinlich und bestimmend war. Besonders traurig war ich nicht. Daddy hatte meiner Mutter einmal eine Ohrfeige gegeben, und meine Mutter hatte daraufhin seine Brille auf den Boden geworfen und zertreten. Ich habe keine Ahnung, worüber sie sich gestritten hatten, aber dass er danach nichts mehr sehen konnte, fand ich prima.
Trotzdem musste ich jeden Sommer einen Monat lang zu ihm, und das war schrecklich. Wenn ich dann endlich wieder nach Hause fahren durfte, freute ich mich. Bei Daddy war es furchtbar anstrengend. Alles sollte immer auf eine ganz bestimmte Art und Weise gemacht werden, aber wie, das wusste nur er. Meist hatte ich Angst, mich überhaupt zu rühren. Einmal hatte ich aus Versehen Orangensaft auf einem seiner ausländischen Teppiche verschüttet, und da hatte er gemeint, ich würde niemals einen Ehemann finden.
Meine Mutter wusste genau, was ich wegen Daddy ertragen musste, und trotzdem schickte sie mich zu ihm. So wütend war sie, weil ihr Freund mich mochte. Ich sagte ihr, sie bräuchte sich überhaupt keine Sorgen zu machen, ich stand gar nicht auf Barry, aber sie erwiderte, darum ginge es nicht. Denn ich würde ständig mit so weit rausgestreckten Brüsten in der Gegend herumstolzieren, dass Barry das kaum ignorieren könnte. Das verletzte mich sehr, denn für meinen Busen konnte ich nichts. Ich hatte es wirklich nicht darauf angelegt, Barrys Aufmerksamkeit zu erregen. Ich war doch erst dreizehn.
Noch am Flughafen fragte ich mich, was meine Mutter befürchtete. Ich hätte ihr Barry niemals ausspannen können, selbst wenn ich es versucht hätte. Sie war durch und durch Irin. Mit hohen Wangenknochen und einer niedlichen runden Stupsnase. Wenn sie sich Abdeckstift unter die Augen malte, wurden sie ganz hell und strahlten. Ihr glänzendes braunes Haar hätte ich zu gerne stundenlang gebürstet, wenn sie mich gelassen hätte.
Als mein Flug aufgerufen wurde, fing ich an zu weinen. Meine Mutter meinte nur, so schlimm sei es doch nicht, dann gab sie mir einen Schubs, damit ich zum Flugzeug ging. Eine Stewardess musste mir helfen, meinen Sitz zu finden, denn ich weinte noch immer, und der Mann neben mir hielt beim Start meine Hand. Er glaubte wohl, ich hätte Angst vorm Fliegen, dabei hoffte ich von ganzem Herzen, wir würden abstürzen.
Daddy holte mich am Flughafen in Houston ab. Er war groß und frisch rasiert und hatte sein welliges, glänzendes Haar zur Seite gekämmt. Seit meine Mutter damals seine Brille zertreten hatte, trug er Kontaktlinsen. Er schüttelte mir die Hand. Das hatte er noch nie getan, und darum fragte ich: "Willst du mich gar nicht umarmen?", aber er sagte:
"So ist es bei uns zu Hause üblich." Dann ging er so schnell durch das Terminal, dass ich kaum mitkam.
Als ich neben Daddy am Gepäckband wartete, war mir, als hätte ich keine Familie mehr. Er sah mich nicht an, er sprach nicht mit mir. Wir warteten beide schweigend auf meinen Koffer. Als er endlich kam, hob Daddy ihn vom Band und stellte ihn mir vor die Füße. Der Koffer hatte zwar Rollen und einen Griff, aber wenn ich zu schnell ging, kippte er um, und wenn ich langsamer ging, verlor ich Daddy aus den Augen. Schließlich nahm er den Koffer und trug ihn selbst.
Die Fahrt zu Daddys Apartment dauerte lange, und ich bemühte mich, die Plakate der Stripteaseclubs entlang der Straße nicht anzuschauen. Es war so peinlich, wie die Frauen ihre Brüste raushängen ließen. Hatte ich so auf Barry gewirkt? Daddy sagte zu den Plakaten gar nichts, was das Ganze nur noch unangenehmer machte. Als wären sie meine Schuld. Als wäre alles Schmutzige und Schreckliche meine Schuld. Meine Mutter hatte Daddy nichts von Barry und mir erzählt, aber sie hatte ihm gesagt, ich würde ihrer Meinung nach zu schnell erwachsen, und deshalb täte mir eine etwas strengere Erziehung gut.
In der ersten Nacht schlief ich auf einem ausklappbaren Sessel in Daddys Arbeitszimmer. Ich hatte zwar ein Laken, doch das rutschte ständig weg, und dann klebte meine Haut auf dem Vinylpolster. Am nächsten Morgen stand Daddy in der Tür und weckte mich mit einem Pfeifen. Ich ging in T-Shirt und Unterhose zum Frühstück, aber er gab mir eine Ohrfeige und sagte, ich solle mir etwas Anständiges anziehen. Ich hatte noch nie eine Ohrfeige bekommen und musste weinen. "Warum hast du das getan?", fragte ich ihn, und er sagte, von jetzt an werde sich einiges ändern.
Ich ging zurück ins Bett und weinte noch mehr. Ich wollte nach Hause, dabei war das doch erst der zweite Tag. Bald darauf erschien Daddy und sagte: "Na schön, ich verzeih dir, steh auf." Ich sah ihn an und fragte mich, was er mir eigentlich verziehen hatte. Fast hätte ich ihn das auch gefragt, aber das war wohl keine gute Idee.
Später fuhren wir los, um nach einem neuen Haus zu suchen. Daddy sagte, dass er bei der NASA ganz gut verdiene, und außerdem seien die Schulen in den Vorstädten besser. Ich wollte nicht zurück auf den Highway, wegen der Plakate, aber ich hatte Angst, nein zu sagen. Doch auf dem Weg in die Vorstädte hingen nur Plakate für neue Häuser und Grundstücke. Die Preise fingen bei hundertfünfzigtausend Dollar an - das war fast dreimal mehr, als meine Mutter für unser Haus in Syracuse bezahlt hatte. Sie war Lehrerin an einer Mittelschule und konnte sich nicht besonders viel leisten.
Daddy hörte Radio, während ich aus dem Fenster sah. Houston war das Ende der Welt. Wirklich der letzte Ort, an dem man sein wollte. Es war heiß und schwül, und das Leitungswasser schmeckte nach Sand. Ich mochte nur eines an Daddy, nämlich dass er die Klimaanlage das ganze Jahr über auf vierundzwanzig Grad stellte.
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