Burial ist der Name des Dubstep-Künstlers William Bevan, der aus der Anonymität seiner Garage heraus düstere 2Step-Sounds zusammenbaut. Interviews und Fotos gibt es kaum, die öffentliche Abgeschiedenheit soll der größtmöglichen Konzentration des Hörers auf sein Werk dienen, frei von medialen und werbetechnischen Überflüssigkeiten. Nehmen wir das als Publikum mal so hin. Mit Untrue schafft Burial jedenfalls den idealen Soundtrack für das nächtliche Abtauchen in den anonymen urbanen Großstadtdschungel. Kaum ein anderes Hyperdub-Album spiegelt derart die Atmosphäre der Urban-Club-Scene wieder. Es ist der pure und reine improvisierte Dubstep, kein ausproduziertes Album. Ein Mix aus ambienten Soundteppichen, düsteren Raum schaffenden, schwer atmenden Subbässen und rohem Garagen-2step. Angereichert wird diese Mischung durch Soundeffekte wie das nervöse Klacken von Feuerzeugen, Geräusche von Flaschen, minimalistischen Soundschnipseln aus Filmen, viel Echo und viel Reverb. Das alles wird sehr sparsam eingesetzt und nicht wild übereinander gelegt. Basis des Sounds ist eine hackende Mechanik, die sehr grimmig, gespenstig und geisterhaft wirkt und sich in der Ferne des Raumes verliert. Eine postapokalyptische Endzeitstimmung wird in den Raum geworfen, die allmählich gebrochen und verweht wird von sentimental-psychedelischen Klängen der Synthesizer und komplexen Vibes, die wie Messer in das Klangbild einfallen. Dazu flackert und knistert es ohne Ende. Eine episch-cinematische Audiodeskription der nächtlichen urbanen Einsamkeit, die wie ein finsterer Film Noir wirkt. Dezent und bloß nicht die Klangarchitektur unnötig störend werden Multitrackvocals in den Sound gewoben: Vocals werden gepitcht und verfremdet und schaffen so eine Distanz zum Hörer. Sprachsamples werden quasi als Instrumente eingespielt und rhythmisch maschinengewehrartig wiederholt. Der weibliche Gesang ist ähnlich hypnotisierend und narkotisch wie auf vielen Dubstepscheiben. Trotz seines unkonventionellen, improvisierten und distanzierten Stils kommt Burial am Ende doch immer auf den Punkt und verliert nie das Ziel aus dem Auge. Aus komplexen Strukturen baut er klare Linien.