In diesem Buch wird das Fremdgehen als Tugend beschworen. Wer geradlinig durchs Leben geht macht laut Wetz was falsch. Und wer sich über Fehltritte empört, ist nur zu verklemmt, selber welche zu begehen. '"Wir alle haben Freiräume nötig"', schreibt Wetz. '"Ehrliches Schwindeln verdient gegenüber verlogener Wahrhaftigkeit den Vorzug"'. Dieser Satz ist geradezu grotesk in Anbetracht der jüngsten Guttenberg- und Wulff-Affären. Wenn man diese Einstellung nämlich auf andere Lebensbereiche als die Partnerschaft überträgt, merkt man erst, wie wüst diese These ist.
An dieser Stelle sei angemerkt, dass Herr Wetz durchgehend das blanke Lügen verniedlicht durch harmloser wirkende Worte wie 'schwindeln', 'Geheimniskrämerei', 'Freiräume', Tugenden aber durch negativ besetzte Ausdrücke wie 'moralische Überlegenheit', 'puritanische Wertevorstellungen' usw. ersetzt.
'"Gleichfalls ist es nicht richtig, dass jede Geheimniskrämerei einen von sich selbst und dem Partner entfernt'", schreibt Wetz. Was ist mit 'Geheimniskrämerei' gemeint? Geschäftsreisen machen, die keine sind? Handy und Laptop wie Fort Knox sichern und sogar mit aufs Klo nehmen? Neben der Ehefrau eingepackt wie eine Mumie schlafen wenn der Rücken voller Kratzer ist? Wer es schafft, sich ohne eine Spur von schlechtem Gewissen eine Stunde nach dem Schäferstündchen mit der Geliebten ins Ehebett neben seine Frau zu legen, ist von seiner Frau UND von sich selbst meilenweit entfernt. Wer diese Situation nicht als Zerrissenheit oder als starke Spaltung empfindet, hat wenig Zugang zu sich.
Das Buch geht sicher nicht an der Realität vorbei, wenn man sich umschaut und sieht in wie vielen Ehen betrogen wird. Ich stimme zu, dass man die Flaute im Ehebett nicht durch Paartherapie herbeiquatschen kann. Aber ich bezweifle, ob Fremdgehen die Lösung ist.