Bei der Filmkritik zur koreanischen Version der berühmt-berüchtigten "Les liaisons dangereuses" kann ich meinen Vorrezensenten nur beipflichten: Gerade weil es meines Wissens immerhin mindestens drei hochkarätige Vorläufer gibt, war es für mich umso überraschender, daß es dem südkoreanischen Regisseur Lee Jae-Yong gelungen ist, ein wahres Meisterwerk mit opulenten Farben, dezenten Klängen und feinen Charakterisierungen auf die Leinwand regelrecht zu malen, als handelte es sich um den höchsten Ausdruck klassisch-chinesischer bzw. koreanischer Pinselkalligraphie - nur mit dem Unterschied, daß sich die Bilder hier sehr psycho-dramatisch bewegen.
Bemerkenswert ist auch der Umstand, daß die exotische fernöstliche Kulisse der Chosun-Dynastie (also des koreanischen 18. Jahrhunderts) eben nicht dazu benutzt wird, um etwaige Schwächen zu übertünchen, sondern man gewinnt eher den authentischen Eindruck, daß just zur selben Zeit wie im Frankreich der Vorrevolutionszeit auch dort im fernen Königreich Korea eine sehr ähnliche gesellschaftliche Dekadenzphase geherrscht haben muß. Und dennoch ist es weniger der äußere historische Rahmen, der einen bis zur letzten Sekunde gebannt auf die Leinwand starren läßt, sondern es sind die einzelnen Charaktere mit ihren persönlichen "selbstgestrickten" Schicksalen, die uns fesseln und daher diesen Film zeitlos werden lassen. Als Fan des japanischen Regisseurs Akira Kurosawa möchte ich hier noch anfügen, daß der mittlerweile verstorbene Altmeister des japanischen Films sicherlich seine hellste Freude an diesem Film gefunden hätte. Das Zeitalter des koreanischen internationalen Films ist längst eingeläutet worden! Umso mehr verdient dieser Film unser aller Respekt und Bewunderung.