Auf kaum ein anderes Album hat die Thrash-Szene sehnsüchtiger gewartet als auf Machine Head's neuen Wutbrocken. Und das Warten hat sich gelohnt! Das ist nach den Überalben "Through the Ashes of Empire" und "The Blackening" der dritte große Wurf in Serie. Chapeau! Diese Scheibe wird wohl den Player über Wochen blockieren...
Drei Durchgänge hab ich jetzt durch, die Zeit ist also reif für ne Jubelkritik.
Fangen wir einfach vorne an:
1. I Am Hell: Cooles A-cappella-Intro, schweres Gitarrenriff. Die Flynn-Buben starten mit einem Midtempo-Song? Von wegen... Nach 2 Minuten beginnt das Inferno. Machine Head-Gitarren-Salven wie sie typischer kaum sein können, volles Tempo, gekrönt von einem mächtig eingängigen Refrain, der jeder MetalCore-Band bestens zu Gesicht stünde, Break auf Break, Flynn kotzt alles aus sich raus, Akkustikpart, Solo bis zum Ende. Wie geil ist das denn? Der nächste unsterbliche Machine Head-Klassiker! 10/10
2. Be Still And Know: Hält das Niveau des Openers nicht ganz. Mir persönlich zu eingängig und gleichzeitig zu verfrickelt 8/10
3. Locust: Ein Blick zurück in die 90er. Schwere Nu-Metal-Riffs, cooler Refrain. Ein Metal-Hit, der in verkürzter Version auch auf einer "Burning Red" oder "Supercharger" seine Berechtigung gehabt hätte. Das Ding wird in jeder Metal-Disco rauf und runter laufen. 9/10
4. This Is The End: Hammergeiler Thrasher, inkl. Blastbeast und einem abenteuerlich guten Leadriff. Bei all der Raserei geklingt es MH auch hier wieder, einen megaeingängigen Refrain aus dem Hut zu zaubern. Stark 9/10
5. Darkness Within: Ein lupenreiner Rocksong? Jawoll. Können 3 Doors Down auch nicht besser machen... ;o) Daran werden sich vielleicht die Geister scheiden, weil der Stilbruch zu den anderen Songs schon krass ist, aber ein guter Song ist ein guter Song. 8/10
6. Pearls Before The Swine: Progressiv, schnell, melodisch, komplex. Zündet wirklich nicht beim ersten Hören, ist dennoch ein kleines Ideenwunder. 8/10
7. Who We Are: Ein Kinderchor eröffnet den zweiten Soon-to-be-Klassiker des Albums. Eine epische Hymne, wie man sie kaum besser machen kann. Maiden inspirierte Gitarrenarbeit, dann doch ganz kurz wieder der Knüppel aus dem Sack, um kurz danach den Kindergesang ein zweites Mal perfekt einzuflechten und ein ganz großer Refrain, beim dem live alle Hörner hochgehen werden. Absolut großes Kino!!!
10/10
Bonus-Tracks:
8. The Sentinel: Priest Priest Priest. Nahe am Original. Gut gemacht.
9. Witch Hunt: Ein Rush-Cover. Warum nicht?
10. Darkness Within in einer reinen Akkustikversion. Gefällt mir persönlich besser als die Stomgitarrenversion. Großer Song. 10/10
Fazit:
Man muss kein Prophet sein, um zu behaupten, dass Machine Head mit diesem Album noch größer werden als sie es ohnehin schon sind. Sie spielen und komponieren längst in einer eigenen Liga. Ich sehe wirklich keine andere Band im kompletten Thrash-Genre, die in der Lage wäre, ähnlich mutig progressive und innovative, epische, dabei aber immer ultraharte und gleichzeitig eingängige Knaller zu schreiben. Das war mal die große Stärke von Metallica und genau diesen Platz haben Machine f*cking Head bestätigt und gefestigt.
Band, Sound, Musik, Technik: Alles nahe der Perfektion. Einen kleinen Kritikpunkt hab ich aber dennoch. Der eine oder andere Rerfrain ist mir schon ZU catchy. Mag sein, dass Flynn & Co. ein wenig zu berechnend an das Album herangegangen sind, um die großen Märkte endgültig zu knacken. "Who we are" oder "Locust" sind potentielle Metal-Hits und genau das sollen sie auch sein. Natürlich gehören die großen Momente zum Machine Head Style, aber ein bißchen weniger Oper, dafür etwas mehr räudiger Burn my eyes-Charme und ich könnte von einem perfekten Album sprechen.
Und genau deswegen kommt die Unto the Locust auch nicht ganz an die beiden GAAAANZ großen Überknaller der Bandgeschichte (Burn my eyes + The Blackening) ran.
Aber fast und das sollte als unbedingte Kaufempfehlung für nahezu jeden Metalfan reichen. Die "Locust" ist defintiv das Thrash-Album des Jahres und hat sich auch genreübergreifend einen Platz unter den Top10 2011 verdient.
9/10