Vorweg: dieses Buch ist weder was für einen schwachen Magen noch für sonst welche empfindlichen Organe. Weder hatte ich schon einmal ein ähnliches Buch gelesen, noch mich für die Thematik interessiert. Mein Fazit ist: was Anne Rice sich nicht traut in ihren Büchern zu beschreiben, das traut sich Poppy Z. Brite. Es geht in diesem Buch bestimmt nicht um Homosexualität = Perversität. Der intelligente Leser wird erkennen, dass beides nicht zusammengehört und Perversität in gleichem Maße bei Heteros vorkommt.
Die Story spielt in New Orleans... bestes Pflaster für eine dunkle, mörderische und heisse Fantasie. Es war purer Zufall, das Andrew und Jay sich trafen und einander erkannten. Sex ist gekoppelt an Tod. Schmerz und Lust sind eins. Der Kannibalismus ist hier nur das Tüpfelchen auf dem i. Sie töten nicht, um zu essen, sondern sie töten um des Aktes willen. Der junge, hübsche Vietnamese Tran gerät in ihre Schußlinie und muß dafür bezahlen.
Ich mochte dieses Buch nicht wegen der ziemlich gewagten Beschreibungen (die ich grandios und abstoßend zugleich fand), sondern wegen der Stimmung. Luke Ransom ist es, der die Klammer bildet, er erzählt von seiner unglücklichen Liebe zu Tran, erzählt von seinem Leben als DJ eines Piratensenders auf einem Boot inmitten der Sümpfe des Mississippi. Er erzählt von seiner Angst zu sterben. Nicht als Mittagessen sondern an Aids.
Ich habe beim Lesen eine ganze Menge gelernt. Brite schreibt nicht belangloses Zeug oder einfach nur morbiden Splatter, an dem wir uns ergötzen können. Leben ist seltsam. In diesem Sinne kann ich behaupten, das Buch hat mich verändert.