...hat sich Gregor Jordan mit seinem Film -Unthinkable- offen gelassen. Ganz ehrlich: Ohne diese Option hätte ich keine Rezension zum Film geschrieben. Was uns Jordan 93 Minuten lang "zumutet" ist knallhart und rechtfertigt die FSK18 Freigabe ohne Wenn und Aber. Doch vor allem geht es um die Botschaft des Films. Ist jedes Mittel der Folter recht, wenn es darum geht Millionen von Menschen zu retten? Heiligt der Zweck jedes Mittel? Zu aktuell ist das Thema, als das man nicht von einer Parallele zur Wirklichkeit sprechen kann. Was Jordan seinen Verhörspezialisten H(Samuel L.Jackson) tun lässt, ist in jedem Fall untolerierbar, unentschuldbar und absolut undiskutabel; das ist jedenfalls meine Meinung. Ohne die letzte Sekunde des Films hätte ich fast den Eindruck gewonnen, dass George W.Bush -Unthinkable- gesponsert hat. Aber: Genau da liegt der Hase im Pfeffer begraben. Das stärkste Argument für Folter ist auch das stärkste Argument dagegen: Was bringt es? Wie sind die Ergebnisse?
In diesem Focus rückt dann der Aufbau des Films fast schon in den Hintergrund. Dabei hat -Unthinkable- genau dort seine Stärke. Er ist spannend, hat einen Plot, der sich Schritt um Schritt aufbaut, und ist hervorragend besetzt. Samuel L.Jackson, Carrie-Anne Moss und Michael Sheen spielen in diesem Thriller an der Obergrenze ihrer Möglichkeiten.
Der ehemalige US-Army Bombenspezialist Steven Arthur Younger(Michael Sheen) ist zum Islam übergetreten. Er flieht aus der Haft und deponiert drei Atombomben in drei Großstädten der USA. In einer Videobotschaft kündigt er an, dass die Bomben detonieren werden. Dann lässt er sich festnehmen und verhören. Die "legalen Standardverfahren" der militärischen Verhörmethoden sind grausam, aber Younger erduldet sie ohne Schwierigkeiten. Dann setzt die Armee ihren Spezialisten H ein. Zusammen mit der FBI Agentin Helen Brody(Carrie-Anne Moss) soll er Younger zum Sprechen bringen. Brody muss entsetzt feststellen, dass H jedes Mittel recht ist, um Younger zu brechen. Noch schlimmer: Niemand stellt sich H entgegen; er hat Rückendeckung von ganz oben. Während Brody ihren Glauben an Recht und Gesetz verliert und selbst auf eigene Faust etwas aus Younger herausholen will, muss sie erkennen, dass sie chancenlos ist. Doch H gibt noch lange nicht auf. Er prophezeit Younger: "Ihre schlimmsten Albträume...all das wird jetzt wahr." Es beginnt ein Wettlauf um das Leben von Millionen Menschen. Als Younger dann noch Forderungen an die Regierung stellt, wird allen Beteiligten klar, dass nur noch H die Chance hat, Younger zum Reden zu bringen. Aber zu welchem Preis?
Wäre da nicht der Umstand, dass der Islamist Younger genau das wollte, was in -Unthinkable- mit ihm passiert, die Bilder des Films wären kaum auszuhalten. Jordan hat sein Storybook clever zusammengeschustert(wenn man erst einmal darüber nachdenkt). Er lässt einen Terroristen Forderungen stellen, die fast jeder Amerikaner unterschreiben würde und die doch unerfüllbar sind. Zudem sind es nicht das Militär und die Verhörspezialisten, die auf die Werte Amerikas schwören, sondern Younger selbst. Das alles hat Jordan bis zu den Grenzen ausgelotet. Nach 70 Minuten scheint der Bogen dann, storytechnisch und realitätsbezogen, überspannt zu sein. Aber Jordan fängt die Geschichte gerade noch einmal ein und bringt sie ans Ende.
Ja...und da ist sie dann: Die Option der letzten Sekunde. Ohne die wäre -Unthinkable- plattes Gewaltkino mit einer Botschaft, die besser nie verkündet werden sollte. Aber diese Sekunde ist da und lässt so manche Szene des Films in ganz anderem Licht erscheinen...