Eigentlich ist es fast nicht möglich ein so gutes Werk angemessen zu bewerten, da ich dieses Hörbuch aber nun mal ausgesprochen gut finde, versuche ich es aber trotzdem einmal.
Auch wenn man in der Schule oder im Studium eine etwaige Orientierung in der Geschichte vermittelt bekommen hat, handelt es sich hierbei zumeist lediglich um Eckdaten, bzw eigentlich eher um Datenmüll in Form von Aneinanderreihungen unzähliger Jahresdaten, die man sich wenn überhaupt eh nur schwer merken kann und die als Ergebnis von jahrelangem Klausurbüffeln mehr oder minder verstaubt wie beziehungslos im Bewußtsein geblieben sind.
Dieses Hörbuch ist wieder einmal eine Art "Spielfilm für die Ohren", es vermittelt und das muß man sich mal vorstellen: Tiefenwissen im Schnelldurchlauf ! - was ja eigentlich ein Widerspruch in sich wäre, aber keineswegs hier. Es werden einem auf einmal Zusammenhänge klar, die man bislang nie erkannt hatte. Sicherlich sind historische Begebenheiten wie der Gang nach Kanossa oder Wallenstein und der Westfälische Friede einem ein Begriff, aber was es da genau mit auf sich hat habe ich z.B. eigentlich nie so wirklich begriffen.
Der logische Aufbau ist sehr gut strukturiert und gut nachvollziehbar, aber das ist es nicht allein, was dieses Hörbuch so besonders macht, sondern Hape Kerkelings unvergleichliche Erzählkunst. Es ist die Art und Weise, wie er sich komplexen Themen mit dem Zuhörer gemeinsam nähert. Es ist seine typische Art, auf so unwahrscheinlich plastische Art zu erzählen, daß der Zuhörer nicht nur das Gefühl hat als sehe er die gesamte weltweite Menschheitsgeschichte mit einem Mal wie in einem Film vor sich, sondern sogar das Gefühl bekommt selbst dabei zu sein und mit ihm im tatsächlichen Sinne durch die somit nicht mehr dunkle Geschichte zu reisen. - Man sieht vor seinem geistigen Auge Reiterscharen vorbei ziehen und große Reiche entstehen und vergehen, man sieht Kriege und Revolutionen, Entdeckungen, Eroberungen und große Erfindungen vor sich, einem werden plötzlich politische und religiöse Zusammenhänge klar.
Durch seine Art zu erzählen haucht Hape Kerkeling dem Ganzen erst Leben ein und nur hierdurch wird der sonst als eher trocken empfundene und vermittelte Geschichtsstoff lebendig. Eigentlich ist es sogar mehr als ein "Spielfilm für die Ohren", man ist irgendwie selbst mitten im Geschehen und erlebt die ansonsten als eher verstaubt empfundene Geschichte als etwas Unmittelbares - die historischen Figuren werden zu echten Personen; längst in den Nebeln der Vergangenheit verschwundene Menschen erwachen hierdurch wieder zum Leben und materialisieren sich plötzlich zu wirklichen Menschen, an deren Leben und Gefühlen man beginnt Anteil zu nehmen. Es ist tatsächlich so, als hätte man bei einem schwarz-weiß Programm plötzlich die Farbe eingeschaltet. Auch unglaublich ist wie er Versailles beschreibt: er lässt es praktisch vor dem geistigen Auge von einem entstehen.
Hape Kerkeling veranschaulicht Wissensgebiete wie Altertumsforschung, Philosophie, die Weltreligionen, Staatsrecht und Politik - angefangen von dem ersten Menschen, der seinen Ursprung in Afrika hat über die alten Griechen und Ägypter, Rom, das Aztekenreich, die Reichsgründungen, die Araber, das Osmanische Reich, Spanien, England, die Aufklärung, Kant, Thomas Hobbes der Vorreiter der Aufklärung, Jefferson und die bill of rights, das Zarenreich , die Oktoberrevolution, die politisch und religiöse Entwicklung im Nahen- und Fernen Osten, den Preußisch-Österreichischen Krieg und vieles mehr.
Er erklärt Zusammenhänge, wie eins ins andere greift und wie alles miteinander verbunden ist und von einander abhängt. Er betont das Einende der Menschheit und erklärt warum wir sind wie wir sind und wie wir so geworden sind.
Sehr ergreifend sind seine Schlußbetrachtungen zum Fortbestand der Menschheit und sein dringender Appell an den Frieden und daß die Menschen als Spezies nur dann eine Chance haben länger fort zu bestehen, wenn sie es schaffen sich mit ihrem Lebensraum nicht gegenseitig zu zerstören.