jetzt wird es, zumindest für meine ohren, wirklich problematisch. das dritte livealbum überrascht zuerst einmal mit einem fürchterlichen sound. der ist vor allem zu leise und zu dumpf, meys gesang klingt wie unter dem bett aufgenommen, die gitarre ist fürchterlich abgemischt, mumpft und klirrt und ist obendrein teilweise verstimmt. ich bin kein hi-end-audiophiler, aber das tut weh.
mey selbst - den ich ebenso hoch wie tief verehre! - sitzt in der spießerfalle. hier ist er weder der chanson-troubadour der frühzeit noch der charmante ironie-barde mit hitgarante der frühen siebzigerjahre, sondern ein um mehrheitsfähigkeit bemühter liedermacher für die samstagabendshow. dem a) die großen themen und b) die großen melodien ausgehen.
ich vermute mal, er wusste das, denn man hört, wie er kämpft: die lieder sind plötzlich fast doppelt so lang wie früher, er verbraucht ungeheuer viele worte und enorm viele akkorde, und findet trotzdem selten zum punkt. natürlich gelingen ihm noch ganz große momente. etwa "ihr lächeln", wo er textlich und musikalisch lakonisch und präzise von einer flüchtigen und gleichzeitig lange nachhallenden begegnung erzählt, so dass man eine gänsehaut bekommt. aber schon bei "atze lehmann" scheitert er - die berührende geschichte vom selbstmord eines musikerkollegen braucht zuviele worte und wirkt dadurch mehr geschwätzig als ergreifend.
die liebe als großes liedthema scheit ihm hier abhanden gekommen (war da die ehe schon in der krise?). die gefühle angesichts der geburt seines kindes versucht er, in "menschenjunges" auszudrücken - ein klassischer fall von knapp vorbei ist auch daneben. große gefühle lassen sich nicht in lieder zwingen, entweder gehen sie von selber hinein oder eben nicht.
so findet mey seine inspiration im privaten, und dabei lässt sich eine gewisse spießigkeit nicht vermeiden. da schaut er sich seinen hund an und singt drüber, da schaut er sich seine grauen haare an und singt drüber, da schaut er sich seine faux-pas an und singt drüber. ja eh. zum glück hat mey damals beim komponieren nicht auch auf seine zahnbürste oder seine zehennägel geschaut - nicht auszudenken.
der hit damals war das "antragsfrmular" - ich finde auch diese bürokratiekritik formal eher gezwungen pseudowitzig und inhaltlich eher überraschungsarm-muffig. so spotten bürokraten über bürokraten.
warum 3 sterne? weil mey trotz allem auch auf dieser aufnahme ein großer liedermacher ist und auch die art, wie er hier mit seiner muse ringt, hat etwas berührendes und spannendes.