Es gibt Bücher, die man immer lesen kann, und solche, die man bevorzugt in bestimmten Lebensphasen lesen sollte. Unterwegs gehört zur letzen Kategorie. Es ist ein Buch für Aufbrecher, für Entdecker ... also für Menschen in der Lebensphase zwischen 15 und, sagen wir mal, 22. Es ist die Zeit, wo man wie der Held Sal Paradise einfach einen kleinen Seesack packen, sich an die Straße stellen und dann lostrampen möchte. Nicht das Ziel ist wichtig, sondern der Weg - nicht zufällig tauchen in Kerouacs Büchern immer wieder Bezüge zum Zen-Buddhismus auf. Doch eigentlich geht es nicht einmal um den Weg, sondern um die Menschen, die man treffen kann, wenn man einfach losgeht: Arme und Reiche, Gammler und Verrückte, Dichter und Hochstapler, Begehrenswerte und Unangenehme. Es ist eine ganz bestimmte Lust, die Lust zu leben und alles zu sehen, die in Unterwegs unglaublich nah und ehrlich beschrieben wird. Dies ist kein Zufall, sondern Programm: die Autoren der Beat-Generation hatten sich geschworen, nur daß zu berichten, was sie wirklich erlebten (allerdings hielten sie das nicht immer ganz ein). Kerouac hat es gerade in diesem Buch geschafft, diese Lust auch in der Sprache, in den Sätzen auszudrücken: sie sind ebenso rastlos und rhythmisch wie das Reisen selbst. Gleicheitig ist Unterwegs auch immer noch ein hervorragendes Zeitportrait der Nachkriegs-USA, kurz bevor die Hippies aufkamen. Es beschreibt eine Subkultur, die sich gegen eine zufriedene und satte Mehrheitsbevölkerung auflehnte, die Gesellschaft der an den Rand gedrängten suchte. Und es ist damit hoffnungslos und überzeugend romantisch, eine Romantik, die die Menschen und nicht deren Konsumgegenstände und Statussymbole in den Mittelpunkt rücken will. Eine Kritik also, die heute immer noch trifft. Und dieses Buch hat eine Wirkung, die nur wenige Bücher haben: es verändert ein bischen das eigene Leben. Denn auch wenn ich oben ein 'Lesealter' empfohlen habe, so ist dies eher ein 'inneres' Alter. Jeder, der Lust am Aufbrechen und Entdecken hat, muß Unterwegs gelesen haben, und wahrscheinlich wird er es nicht nur einmal lesen. Und er wird immer wieder selbst einmal aufbrechen wollen, mit wenig Gepäck und ohne echtes Ziel. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)