Die Moral der Deutschen in Sachen Krebsfrüherkennung ist bekannternmaßen schlecht, da gibt es schon lange nur wenige "Befürworter" aber viel mehr "Verdränger", die entweder "keine Zeit" haben, oder "es gar nicht erst wissen wollen" oder einfach sagen "da kann man ja eh Nichts machen". Jetzt steht es auch noch "Scharz auf Weiß" dass das ja alles eh Nichts taugt und den Ärzten und der Pharmaindustrie nur zum Geldverdienen verhilft.
Aber so einfach ist die Sache nicht. Bücher über Krebsfrüherkennung werden meist von Menschen geschrieben, die noch keine ernste Erkrankung hatten, geschweige denn Krebs. Als Nicht-Betroffener kann man da leicht über Maßnahmen urteilen, die nach eigenem Empfinden oder dem Urteil von sogenannten Experten unnötig sind.
Das vorliegende Buch stellt in hervorragender Weise, für den Laien verständlich, fast alle in Deutschland gebräuchlichen Früherkennungsmaßnahmen anschaulich dar, erklärt was dahinter steckt und wie die Untersuchungen ablaufen. Diesbezüglich gab es bisher in Deutschland keine vergleichbare Publikation. In Statistiken wird gezeigt, wie hoch das statistische Erkrankungsrisiko einzuschätzen ist, und dass in Deutschland viel mehr Menschen an den Folgen von Diabetes und Rauchen sterben, als an Krebs. Nur - was hilft das dem Nicht-Diabetiker und dem Nicht-Raucher? Glaubt man den Erklärungen des Buches, so kann man sich nahezu alle gängigen Früherkennungs-Untersuchungen sparen, da sie ja ohnehin nichts taugen. Darüber läßt sich streiten. Nur ein Beispiel: In der Vor-Ultraschall-Ära wurden Nierentumore fast immer nur im metastasierten, fortgeschrittenen Stadium entdeckt, damit waren sie unheilbar, der Patient verloren. Seitdem es Ultraschall gibt, werden meist sehr kleine, heilbare Tumore entdeckt, wodurch die Sterblichkeit an Nierenkarzinom rapide abgenommen hat. Ähnliche Beispiele ließen sich auch für andere Organe anbringen. Hier machen es sich die Autoren meines Erachtens zu leicht und schreiben das, was die Mehrheit der Menschen hören möchte: "Geh nicht zur Früherkennung, denn das bringt nichts und wenn Du Pech hast, hast Du halt Pech, da kann man nichts machen!" Ähnlich könnte man auch argumentieren, ob man zur Wahl geht oder nicht...
Mein Resümee: Ein ansatzweise gutes Buch, das aber an Glaubwürdigkeit verliert, da es durchaus sinnvolle Untersuchungen als generell ungeeignet abstempelt und trotzdem den Lesern keine richtige Lösung anbietet. Es bestärkt denjenigen, der bisher nie zur Früherkennung gegangen ist, in seiner Haltung, verunsichert den, der gerne weiterhin Früherkennungs-Untersuchungen in Anspruch nehmen möchte. Einmal mehr zeigt sich das Früherkennung in kompetente Hände gehört, für Frauen sollte dies meines Erachtens der Frauenarzt sein, für Männer der Urologe. Nur wer täglich viele Früherkennungsuntersuchungen durchführt und die verschiedenen Befunde mosaikartig zusammensetzen kann, kann auch seine Patienten vernünftig beraten und über weitere daraus entstehende Konsequenzen aufklären. Der Rat suchende Laie wird in diesem Buch viele gute Ansätze finden, letztendlich aber weiterhin auf den Rat eines erfahrenen Arztes vertrauen müssen. Somit kann das vorliegende Buch leider nur halbherzig empfohlen werden, es vermag nicht das zu leisten , was es in der Einleitung verspricht. Es macht halt einen großen Unterschied ob man Waschmaschinen testet oder medizinische Maßnahmen.