Dieses Buch handelt wie viele andere Bücher Hermann Hesses von dem Übergang von einer Lebensstufe in die andere. Dieses Buch hat stark autobiographische Züge und Hermann Hesse verarbeitet hier zum Teil, was er selbst als Heranwachsender erfahren hat.
Dieses Buch handelt von einem begabten, sensiblen Jungen welcher durch den Ehrgeiz von Lehrern und Eltern "gefördert" wird und das "Landexamen" schafft und somit ein Theologiestudium in einer Klosterschule machen kann. Alles kindliche, freizeitliche wurde ihm verboten, die Kaninchen weggenommen, das Angeln verboten, bei welchem er sogar in den Sommerferien, welche er durch lernen und Zusatzstunden kaum genießen durfte ein schlechtes Gewissen bekam, damit er nicht zu viele Ablenkungen vom Lernen hat. Auf der Klosterschule lernt er Hermann Heilner kennen, welcher wegen seiner rebellischen Art nicht ganz dorthin passt und auch wegläuft. Am Anfang ist er noch der Musterschüler schlechthin und lernt mit kaum Freizeit bis spät in die Nacht. Das Lernen fällt ihm mit der Zeit jedoch immer schwerer und ihn plagen Kopfschmerzen. Irgendwann kann er einfach nicht mehr, es wird als nervliche Schwäche angesehen und er muss die Schule verlassen. Wieder Zuhause merkt er, dass er seine verlorene Kindheit nicht mehr aufholen kann und fällt in ein tiefes Loch. Er war durch das Lernen und gefördert werden soweit von allen isoliert, dass er keine Freunde mehr hatte. Nur bei der Begegnung mit einem Mädchen und zum Schluß im Zusammensein mit anderen Lehrlingen (er beginnt eine Lehre als Schlosser) blüht er ein wenig auf, bevor es zuende geht.
Die Geschichte ist sehr schön geschrieben und man kann sich sehr gut in das sensible Gemüt der Hauptperson einfühlen. Man fühlt die Unverstandenheit und Verzweiflung des Jungen. Die Geschichte ist ebenfalls ein Hinweis darauf, wie wichtig eine Kindheit ist. Auch in der heutigen Zeit, in der Kinder teils entweder verwahrlosen oder aber mit Ganztagsschulen und tausend Zusatzkursen (man will ja nur das beste für das Kind, teils trauen sich Kinder ja auch gar nicht zu sagen, dass sie Kurs XYZ schon seit Jahren gar nicht besuchen möchten) halb tot gefördert werden ist es immer noch aktuell. Vor allem sensiblere Gemüter brauchen Freiraum zur Entfaltung, zur Muße, zur Erholung für private Dinge und Spiele, um auch herauszufinden, was sie selbst am besten können und vor allem auch wollen und können nicht rund um die Uhr Leistung bringen (auch wenn sie sehr begabt sind). Dies gilt einmal besonders für die sensible Phase der Kindheit und des jungen Erwachsenenalters, allerdings auch später im Berufsleben, in welchem einige durch ihren eigenen Ehrgeiz erstickt werden, manche allerdings auch durch Konkurrenzdruck und harte Chefs oder Angst um den Arbeitsplatz mit vielen Überstunden an den Rand des Wahnsinns getrieben werden.
Ich finde dieses Buch wie alle anderen Bücher von Hermann Hesse, welche ich bis jetzt gelesen habe sehr schön und empfehlenswert. Er ist ein sehr guter Erzähler und man kann sich gut in die Personen hineinversetzen. Obwohl die Bücher vor längerer Zeit geschrieben wurden und die Umstände mittlerweile alle vollkommen anders sind, haben sie eine Art unzeitliche Aktualität an sich. Wir haben heutzutage nicht mehr den Erziehungsstil von 1900 und doch kann man Teile der Geschichte auf die heutige Zeit übertragen. Wahrscheinlich, da sich zwar die Umstände geändert haben, aber das, was Menschen ausmacht, was sie fühlen und wie sie etwas erleben im Grunde genommen das Gleiche geblieben ist.