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Aber das "Paradies" zeigt Risse: Der "Scheff" trägt nicht nur notgedrungenermaßen die Galauniform eines absolutistischen Herrschers (auch für die Kleidung greifen die Passauer auf das zurück, was in leerstehenden Wohnhäusern, Lagerräumen und Museen herumliegt), sondern verhält sich auch so. Die Einwohner der Stadt, einige hundert Menschen, die der "Scheff" nach der Seuche in halb Europa aufgelesen hat, um in Passau seine Idee vom Weiterleben der Zivilisation zu verwirklichen, behandelt er wie Untertanen, und seine "Außenpolitik", u.a. gegenüber den "Rosnemern", ist so vorausschauend wie machtgierig und menschenverachtend. Denn auch dem "Scheff" wird klar, daß sich seine Zivilisationsinsel nicht aufrechterhalten läßt. Es wird nicht gegen andere Staaten gekämpft, sondern gegen nomadisierende Reitervölker, nicht mehr mit Geld (das es schon lange nicht mehr gibt) und Panzern, sondern mit Pfeil und Bogen, und es geht nicht mehr um Erdöl, sondern um Lebensmittel und Salzvorkommen. Und in solchen Dingen sind die Rosnemer und nomadisierende Ungarn, die der Zivilisation schon längst entsagt haben, den Passauern eine Naslang voraus.
Langsam, aber unaufhaltsam fällt auch Passau ins Mittelalter zurück.
Im Gegensatz zu seinem anderen, eher schwer verdaulichen "Was-wäre-wenn-"- Roman "An den Feuern der Leyermark" legt der Autor Carl Amery mit dem "Untergang der Stadt Passau" ein kurzes und leicht lesbares Werk vor. Der Lokalkolorit macht es für deutsche Leser noch interessanter - es erleichtert ungemein, daß zur Abwechslung mal nicht New York als Opfer der Katastrophe herhalten muß, sondern München. Durch seine Kürze (124 Seiten) wirkt das Werk aber zuweilen fast ein wenig skizzenhaft - ich fand's schade, daß es so schnell zu Ende war. Deswegen "nur" 4 Sterne.
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