Der britische Althistoriker Anthony Birley schrieb im Vorwort seiner Mark Aurel-Biographie aus dem Jahre 1965: "...Zumindest aber hätte jeder Renaissance-Dramatiker etwas zustande zu bringen vermocht, das dem Geist Mark Aurels eher gerecht geworden wäre als das Machwerk einer Filmgesellschaft im 20. Jahrhundert; auch die untadelige Darstellung, die Sir Alec Guinness als Markus (gemeint ist Mark Aurel) in dem Film DER UNTERGANG DES RÖMISCHEN REICHES bot, konnte eine Handlung, die die Geschichte verzerrte und verfälschte, ohne dadurch an dramaturgischer Wirkung zu gewinnen, nicht mehr retten".
Mit diesen wenigen Sätzen aus der Sicht eines versierten Fachmannes wird klar, dass der Film DER UNTERGANG DES RÖMISCHEN REICHES, von Anthony Mann im Jahre 1963 in Szene gesetzt, nicht die historische Wirklichkeit widerspiegelt bzw. erzählt. Denn weder wurde Mark Aurel Opfer eines Giftanschlages der Anhänger seines Sohnes Commodus, noch starb Commodus als Kaiser beim Austragen eines öffentlichen Duells. Dennoch ist das 16 Millionen teure Epos nur aus der Sicht des Althistorikers ein "Machmerk". Ich denke, den Machern ging es bei der erzählten Handlung mehr um eine symbolische Auslegung dessen, was den Untergang des römischen Imperiums verursacht hat, als historisch genau zu sein. Die Botschaft ist klar: Ein Reich zerfällt erst dann durch äußere Bedrohungen, wenn es von innen heraus abgewirtschaftet hat. Sicherlich keine intellektuelle hochstehende Botschaft, aber: der Film sollte unterhalten - und das tut er den geneigten Zuschauer ganz gewiss.
Die Riege der Hauptdarsteller ist wirklich beeindruckend: Sophia Loren, Stephen Boyd (der Messalla aus "Ben Hur" ), Sir Alec Guinness als Kaiser Mark Aurel, Christopher Plummer als der dekadente und dem Irrsinn verfallende Commodus, James Mason als gelehrter Grieche und Christ Timonides, der zwischen den Gegensätzen des heidnischen Rom und urchristlichem Gedankengut zu vermitteln sucht. Diese und andere bekannte Darsteller in Nebenrollen (Anthony Quayle, Mel Ferrer, John Ireland, Finley Currey) führen den Zuschauer durch einen farbenprächtigen Bilderbogen, angefüllt mit beeindruckenden Massen- und Kampfszenen. Die Pracht der Kostüme und des aufgebauten Set (der Regisseur ließ u.a. eigens in Spanien das Forum Romanum 1:1 originalgetreu nachbauen!) sind wirklich sehenswert und von allererster Qualität. Natürlich hat ein Film von 172 Minuten auch Längen, doch nimmt man diese gerne in Kauf, zumal wenn man bedenkt, dass hier erstmals die vollständige, ungekürzte Version des Films zu sehen ist (die deutsche Kinofassung ist um ca. 10 Minuten kürzer; die "neuen" Szenen sind deshalb mit deutschen Untertiteln versehen).
Die DVD selbst ist leider nicht so großzügig ausgestattet wie der Film: Sprache deutsch und englisch in Mono; dafür aber immerhin das Bild in Widescreen; das Bonusmaterial bietet Bio- und Filmographien des Regisseurs und der Hauptdarsteller.
Wer dem Genre des Monumentalfilms etwas abgewinnen kann und etwas vom Geiste von "Ben Hur", "Cleopatra", "Spartacus" oder "Quo vadis" sehen und erleben möchte, greife zu dieser DVD. Übrigens: Dieser Film diente dem Drehbuch des Kinokrachers "Gladiator" inhaltlich als Vorbild!