Regisseur Anthony Mann hat einen recht uneinheitlichen Film abgeliefert. Hinter den großen amerikanischen Monumentalwerken seiner Zeit wie "Ben-Hur", "Spartacus" und "Cleopatra" muss er zurückstehen, aber er hat seine starken Seiten, die ihn locker auf drei Sterne heben, mit Tendenz zu vieren. Die soll es wegen der Qualität und Sonderausstattung der DVD geben - den Film neu herauszubringen hat sich gelohnt, das ist nicht so eine wirklichwirklichallerletzteultimativecollectorsdeluxeedition als Mogelpackung. Gleich die ersten Bilder offenbaren eine modern-düstere Schönheit, wie man sie in Sandalenfilmen eher selten sieht, zumal in älteren. Bewölkte, verschneite, unwirtliche Landschaften in Farben ganz ohne Patina und falschen Glanz, in denen die Menschen tatsächlich frieren (erkennbar am bei der Konkurrenz oft fehlenden Atemhauch) und in denen die Sonne ohne verstärkenden Rotfilter auf- und untergeht. Der Film wird seinen Schauplatz zwar nach etwa einer Stunde wechseln und auch einmal im sonnigen Rom und in wüstenheißen Ostgebieten spielen, aber die exzellente Bildqualität und Fotografie wird ihn immer auszeichnen.
Bildqualität und Fotografie - klar wäre das beste Remastering nichts, wenn es das Material nicht lohnte, und bildgestalterisch leisten Anthony Mann und sein Kameramann Robert Krasker Beeindruckendes. Es hieß in der FAZ einmal, niemand fülle die Breitwand so gut wie Mann (gegenüber Regisseuren wie Wise und Wyler ist das etwas ungerecht), und in der Tat lohnt sich hier ein Blick an die Seiten und eine Beobachtung von Kameraschwenks. Gerade bei der Festung zu Beginn ist das überwältigend, die Kamera erschließt sich die komplexe Anlage in traumwandlerischer Sicherheit, wandert von hier nach dort, immer zeigend, dass sich an ungeahnten Stellen im äußeren Hintergrund schon wieder Personen befinden, die nur scheinbar zufällig gerade dort sind. Das ist wirklich eine optisch wie personen-verflochtene Geschichte, wechselseitige Interessen bedingen und beeinflussen einander, es wird mit Rom bei dem ganzen Kuddelmuddel kaum gut gehen können. Auch vor extremen, tiefenscharfen Gegensätzen zwischen Nähe und Distanz im selben Bild scheut Krasker nicht zurück, uns immer schon mehr von der Komplexität der Intrige(n) ahnen lassend als die Protagonisten.
Indes ist das ja nur einer von vielen Aspekten, und andere sind deutlich schwächer. Vielleicht ist die folgende Szene symptomatisch: Die Zieh-Brüder Livius (Stephen Boyd) und Commodus (Christopher Plummer) liefern sich in erbittertem Streit ein privates Wagenrennen, handwerklich gut gemacht, aber müssen wir unbedingt noch lang und breit dabei zusehen, wie der eine der Wagen einen Hang herabstürzt, nachdem klar ist, dass sich der Fahrer auf den Wagen des anderen geschwungen hat und der Kampf dort weitergehen wird? Hingegen blendet der Film schnell ab, als die Kontrahenten raufend zum Stehen gekommen sind und von Legionären auseinandergezerrt werden müssen. Hätten wir da nicht umgekehrt mehr über diese Entladung eines zuvor schon angedeuteten Konflikts in den Protagonisten erfahren? So etwas macht der Film öfter. Er ist zu sehr Ausstellungsstück seiner eigenen logistischen, technischen und gestalterischen Potenziale, aber er vernachlässigt mitunter den einzelnen Menschen, ohne den schließlich keine noch so schöne Massenszene und keine interessante Geschichte möglich wäre. Gerade in der ersten Hälfte wird er dadurch zu lang und langatmig: Wenn etwa Kaiser Marcus Aurelius (Alec Guinness) seine Tribune und Statthalter der Provinzen empfängt und sich die einzelnen Namen kaum merken kann, hätten wir das bereits anhand weniger Beispiele begriffen, müssen aber die gesamte Parade in ihrer ermüdenden Länge aussitzen. Weitere Beispiele könnten genannt werden.
Insgesamt fügt sich alles zu einem teilweise unbefriedigenden Bild zusammen, gerade weil man sowas ja mit den Vorbildfilmen dieser Epoche vergleicht, das müssen die Macher doch gewusst haben! Vieles hat man schlicht schon mal gesehen, auch wenn der Streit um die Fortführung der Politik Markus Aurelius' allemal eine interessante geschichtliche Epoche ist, die bis dato noch nicht in Hollywood adaptiert wurde. Es gibt ein Wagenrennen, wie in "Ben-Hur", nur bescheidener. Es gibt Massenkämpfe, wie in so ungefähr allen dieser Sandalenfilme. Es gibt ein Schaulaufen der Stars, wie insbesondere in "Spartacus". Es gibt die Geschichte zweier Männer, die zunächst Freunde und gefühlsmäßig (wie hier auch rechtlich) Brüder sind und die zu Feinden werden - hier insbesondere an "Ben-Hur" erinnernd. Ob sie nun fröhlich Speere in die Balken werfen ("Ben-Hur") oder um die Wette saufen, so wie hier, man denkt immer, alles schon mal dagewesen, alles schon mal gesehen.
Und weil der Akzent manchmal zu sehr auf der Gruppe und dem Arrangement und zu wenig auf den Personen liegt, sagt man sich, dass man das nicht nur kennt, sondern auch besser kennt. Gerade in der ersten Hälfte sind die Massenszenen eher Ornament und Arrangement, es ist nichts weiter als das übliche Schwertgeklirre. Es hätte ein bißchen mehr Blut, schweiß und Tränen ausnahmsweise einmal gutgetan, so wie beispielsweise diese erschreckende Kaltschnäuzigkeit eines Laurence Olivier beim Mord an einem Sklaven in Kubricks "Spartacus". Gerade Kubrick, dem gelegentlich zu kühle, fast geometrische Brutalität nachgesagt wird, zeigt, dass mehr direkte Gewalt auch mal mehr statt weniger sein kann. Er macht nicht nur das menschenverachtende Kalkül von Schlacht-Anordnungen deutlich, sondern auch, was das für einzelne Menschen bedeuten kann. "Der Untergang..." hingegen ist oftmals blutleer. Und er ist teilweise kein Schauspielerfilm. So etwa jeder lästert über die mangelnde Überzeugungskraft von Stephen Boyd, und in der Tat, das schmerzt, weil es auch andere herunterzieht. Die Liebesszenen mit Sophia Loren wirken aufgesagt, die Chemie stimmt nicht, in den Schlachten fehlt das Blut und im Intimen das Herzblut. Die Loren wirkt - vielleicht deswegen - zumeist einfach nur wie die Loren, das typische sinnliche Temperamentbündel in Römerkleidung gesteckt, die ihr fast nie eine zweite Haut wird. Wenn sie gerade im Moment des Todes ihres Vaters Marcus Aurelius laut aufheult, hätten wir doch gerne wieder eine Darstellerin der stillen Stärke und des stummen Entsetzens zurück, wie das beispielsweise Jean Simmons in "Spartacus" vermochte - und in einem modernen Stoff ("Die dritte Dimension") auch die Loren selbst!
Es ist nicht durchgängig so uninteressant. Wie sich auf Alec Guinness' Gesicht der titelgebende Untergang des Römischen Reiches schon abzeichnet, hat Andreas Kilb in der FAZ mit Recht gerühmt. Christopher Plummer als Commodus gelingen mit seinem schmallippigen, bedrohlichen Grinsen einige Highlights, ohne dass er dabei zu sehr chargiert. James Mason als Philosoph hat starke Einzelszenen, und man merkt, dass bei seiner Figur die Macher auch mehr bei der Sache waren und diesen Mann ernst nehmen. Die letzten gut 30 Minuten des Filmes sind allgemein stark und liefern nach, was zuvor schmerzlich zu vermissen war: Eine hübsche Parallelität von degenerierenden Massen und der Zuspitzung der individuellen Konflikte. Wenn Komponist Dimitri Tiomkin die Chuzpe hat, zu einer trunken feiernden Masse italienische Tarantella (sogar mit Mandolinen, die das Orchester zwar nicht ersetzen, aber auffällig verstärken) erklingen zu lassen, und wenn Sophia Loren verzweifelt durch diese Masse irrt, bereits optisch "gegen den Strom schwimmend", dann gelingt endlich einmal eine Symbiose der verschiedenen Elemente (Bildgestaltung, Schauspielstil, Individuum und Masse, Musik etc.). Und das Ende ist so herrlich pervers. Dass die Volksmasse wie auch der gesamte Senat in diesem Film ständig in Sekundenschnelle zu jubelnden oder protestierenden Idioten herumgebogen werden kann, passt endlich einmal in einen Kontext völliger Degeneration. Der Cäsarentitel wird für immer astronomischere Summen Geldes einem bisher eher wenig in Erscheinung getretenen Mann angeboten. So kann der Untergang Roms beginnen und der Film enden. Er soll viele historische Fehler haben, aber als Drama funktioniert er hier. Leider nicht die ganze Zeit.