"What went wrong?" ist der amerikanische Titel dieses Buches und beschreibt deutlich besser um was es sich eigentlich in diesem Buch handelt: Der Islam wurde wurde als dominierende Zivilisation in den Bereichen Wissenschaft, Kultur und Militär durch den Westen abgelöst. Die Frage "Was lief schief?" stellen sich seitdem die Menschen im nahen Osten. Bernard Lewis, einer der bedeutesten Orientalisten unserer Zeit, versucht genau diese Frage zu erörtern.
Er beschreibt extrem fachkundig die Unterschiede der beiden Kulturen und erklärt sehr eindrucksvoll, wie es dazu kommen konnte, dass der Westen nahezu unbemerkt von der islamischen Welt, sich zur dominierenden Macht entwickeln konnte. Mag sein, dass der Stil nicht der beste ist und dass der Inhalt üppiger sein konnte, aber dieses Buch eignet sich hervoragend als Einstieg in das Themengebiet und der Leser erhält eine Fülle von Ideen und Anregungen rund um das Thema.
Besonders interssant fand ich z.B., dass Lewis betont es sei nicht nur die Stärke des Westens, sondern auch der inneren Schwäche des Islams zu verdanken, dass der Nahe Osten in fast allen Bereichen der Modernen Welt hinterherhinkt. Ein eindrucksvolles Argument hierfür bietet der Vergleich mit anderen Ländern, die auch vom Westen kolonialisiert wurden, wie z.B. Singapur oder Korea: Diese Länder können dem Westen in vielen Belangen mittlerweile das Wasser reichen.
Alles in allem eine sehr lesenswerte Lektüre, vor allem für diejenigen, die immer noch glauben, dass die schlechte Lage der islamischen Länder durch die Kolonialzeit und die Globalisierung bedingt ist.