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Unter fremdem Himmel: Roman [Gebundene Ausgabe]

Roland E. Koch
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

13. Juli 2010
Er nennt sich Simon, seitdem er illegal nach Deutschland eingeschleust und in Niedersachsen abgesetzt wurde. Nur mit dem, was er am Leibe trägt, und seinen bruchstückhaften Erinnerungen versucht er, sich im fremden Land zurechtzufinden. Wenigstens spricht er Deutsch.In einer verlassenen Mühle trifft er auf Valentina und den jungen verstörten Roddy - auch sie Flüchtlinge aus Osteuropa. Simon möchte für die beiden sorgen, etwas Neues aufbauen. Sie tun sich zusammen und für die Wahlfamilie beginnt eine lange und beschwerliche Reise. Alle drei sind traumatisiert und ohne Angehörige. Sie leben in ständiger Angst, entdeckt zu werden, schlagen sich durch und hoffen, irgendwann anzukommen. Oft denkt Simon an seine erste Nacht auf dem Feld unter freiem Himmel, auch die dunklen Bilder aus der Vergangenheit tauchen auf. Dann gelingt es ihm, Arbeit in einem Fahrradladen zu finden, der alte Besitzer will ihnen sogar bei der Legalisierung helfen, aber es ist ein täglicher Kampf. Nach einem Streit läuft Roddy weg, Valentina und Simon suchen das behinderte Kind verzweifelt.Obwohl sie sich nähergekommen sind, driften die beiden während der Suche auseinander. Jeder geht seinen eigenen Weg, in die Mühle können sie nicht zurück. Die junge Valentina sehnt sich nach dem großen Leben in der Stadt. Simon nimmt mehr als die Oberfläche anderer Menschen wahr, aber er wird von seinen Erinnerungen und Verletzungen gequält.Erst als Valentina wieder zu ihm stößt, bekommt er neuen Mut. Als sie auf die vierzehnjährige Kari treffen - sie kam mit Simon in derselben Flüchtlingsgruppe nach Deutschland -, scheint der Traum einer Familie in greifbare Nähe zu rücken: Doch dafür müssen sie Roddy finden.Wie Koch durch Simons Blick die Atmosphäre, das soziale und psychische Gefüge dieser kleinen Gruppe in deutscher Gegenwart lebendig werden lässt, das ist poetischer Realismus in Reinform.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
  • Verlag: Dittrich, Berlin; Auflage: 1., Auflage (13. Juli 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3937717463
  • ISBN-13: 978-3937717463
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,2 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.551.175 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Koch liefert keine literarische Reportage, er leiht keinem fremden Augenzeugen seine Stimme. Vielmehr hat er sich in eine ihm weitgehend fremde Situation hineingefühlt und erzählt aus der Ich-Perspektive seines Helden, was Einem als Illegaler im zeitgenössischen Deutschland passieren kann in einfachen Worten und gleichwohl in geschliffener Hochsprache. (Martin Sander, Deutschlandradio Kultur)

Über den ganzen Text, der aus der Sicht des Ich-Erzählers Simon geschrieben ist, legt sich bleischwer, was Herta Müller einmal die große Angst genannt hat. Immer wieder und plötzlich überfallen den Erzähler Erinnerungen an einstige Verletzungen. ... Ein tief bewegender Roman. Wenn es aus der Lektüre eine Lehre zu ziehen gelte, könnte dies die anhaltend aktuelle Frage des Philosophen Theodor W. Adorno sein, ob so etwas wie das richtige Leben im falschen möglich sei. (Werner Jung, Neues Deutschland)

Ein heilsames Vergessen gibt es nicht, ebenso wenig eine aufklärende Erinnerung. Roland Koch lässt seine Leser hier im Ungewissen. Die Gedächtniskisten der Migranten bleiben ungeöffnet. Man ahnt, dass ihre Reise mit neuem Namen und legaler Identität längst nicht zu Ende geht. Der Himmel in Deutschland bleibt fremd. ... Roland Kochs Roman verfolgt in der Manier eines modernen poetischen Realismus die Kriechströme (Karl Schlögel) der osteuropäischen Migration in der deutschen Provinz. Er gibt den Migranten keine Geschichte, aber eine Gegenwart und eine Zukunftsoption. Ein lesenswertes, ein nachdenkliches, ein eindringliches Buch! (Kölner Stadt-Anzeiger)

Über den Autor

Roland E. Koch, geboren 1959 in Hagen, promovierte über Heimito von Doderer und lebt mit seiner Familie als freier Schriftsteller in Köln. Er veröffentlichte u. a. zahlreiche Kurzgeschichten, einen Erzählband sowie Romane. Für sein Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bettina-von-Arnim-Preis.
Koch schreibt für Rundfunk und Zeitungen, war Gastprofessor am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim und unterrichtet seit 2008 Kreatives Schreiben an der Universität Siegen.

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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Poetisch, einfühlsam und politisch 6. April 2011
Format:Gebundene Ausgabe
Eine Rarität, so ein poetischer Roman und so ein politisches Thema. Irgendwo in Niedersachsen schlagen sich Menschen so durch, die illegal in Deutschland sind. Koch schreibt voller Anteilnahme, aber niemals pathetisch. Seine Hauptfiguren verlieben sich, entlieben sich und können doch nicht voneinander lassen. Warum hat es um diesen Roman kein Medien-Spektakel gegeben? Unbedingt lesenswert!
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0 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Schuster, bleib bei Deinen Leisten 19. August 2011
Format:Gebundene Ausgabe
Daß der Verleger Volker Dittrich zu retten versucht, was zu retten ist, kann ich verstehen.
Er scheint jedoch nicht zu verstehen, daß eine Historikerin, die seit 34 Jahren einem differenzierten Galen-Bild verpflichtet ist, ihre Meinung ohne die Anmaßung einer Deutungshoheit vertritt, zumal ihre eigene quellenreiche Veröffentlichung so maßlos vom Schriftsteller mißbraucht worden ist.
Meine Hauptfrage an Verleger und Schriftsteller bleibt: worin kann eine Annäherung an den Menschen Graf Galen bestehen, wenn bereits auf den ersten Seiten alles verdreht wird, was diesen Mann ausgemacht hat? In Erinnerungen, die angeblich 20 Jahre nach dem Tod des Kardinals aufgeschrieben wurden, möchte uns der Schriftsteller Roland E. Koch - via Haushälterin Maria - weiß machen, daß Clemens August Graf von Galen vom Vater in den Priesterberuf gedrängt wurde und sein ihm aufgezwungenes Leben nur durch die Liebesbeziehung [ inklusive Zeugung eines Kindes] zu seiner Haushälterin ausgehalten hat. Er braucht sie"(Verlagsprospekt).
Roland E. Koch präsentiert einen Bischof Galen, den niemand kennt: immerzu polternd, immerzu kämpfend, dabei nicht mutig, von seinen Oberen für blöd gehalten" und nur schlecht behandelt" (S.10), voll hoher Erwartungen an Hitler (S.19), spaßbetont, ein Vielesser mit tagelangen Verdauungsstörungen, der Falsche für den Zölibat, das sah man sofort. Er war nicht so ein blasser, vergeistigter, linkischer Typ, der das alles ausschwitzen konnte" (S.4), und er war auch kein großer Gläubiger" (S.10). Auf den folgenden 220 Seiten wird Haushälterin Maria für alles, was man an Großem mit Kardinal von Galen verbindet, die treibende und zum Teil ausführende Kraft sein. Dafür müssen andere Ratgeber diskreditiert werden, z.B. der Philosoph Josef Pieper (S. 69) und sein bischöflicher Sekretär Heinrich Portmann (S. 73). Besonders perfide: da müssen der Rabbiner Steinthal und seine Familie in einem KZ sterben (S. 81), weil es dem Schriftsteller besser ins Kalkül paßt, obwohl sie das seltene Glück hatten, rechtzeitig fliehen zu können.
Und diese ganze Verdrehung gilt einem Mann, von dem auf Grund jahrzehntelanger Forschung durch viele Historiker bekannt ist, wer Kardinal von Galen war. Ein riesiges Mosaik aus familiärer Erinnerung, persönlichen Begegnungen, historischer Forschung liegt klar und eindeutig vor jedem Interessierten. Ihn selbst hat ohnehin nur interessiert, daß Gott wußte, wer er war, und daß er einst vor dem Ewigen Richter bestehen konnte.
Darum spreche ich auch von der ,Fallhöhe', die uns in diesem Roman zugemutet wird. Eine Fallhöhe, die ich, so müßte der Verleger es vollständig zitieren, vergleiche mit der Vorführung der eigenen Väter als Pädophile, immer unter dem Deckmantel ,literarischer Freiheit'.
Selbstverständlich hat die Liebe zweier Menschen nichts zu tun mit Pädophilie. Aber selbstverständlich hat auch die zölibatäre Lebensweise nicht automatisch mit sexuellem Mißbrauch zu tun. Eine Verbindung, die Verleger und Schriftsteller jedoch herstellen, so wie sie auch zu denken glauben, daß jeder zölibatär Lebende dieses Buch dankbar als Bollwerk gegen den - ach so aufgezwungenen - Zölibat aufnehmen muß.
Wenn Schriftsteller und Verleger meinen, daß die ,Dornenvögel' nicht ausreichen, dann sollen sie gerne einen Roman über einen erfundenen Bischof verfassen, aber keine Person der kirchlichen Zeitgeschichte unter dem Deckmantel literarischer Freiheit diskreditieren.
Menschen, die Kardinal von Galen hoch achten, die durch differenzierte historische Darstellungen von ihm wissen, können den Roman nicht ohne Ekel und Qual lesen.
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