UNTER DUNKELN SCHWINGEN verfügt über die fast schon typische Mischung einer Alisha Bionda-Anthologie. Wie selbstverständlich stellt sie versierte Autoren interessanten Newcomern an die Seite. Dabei spricht für die Herausgeberin, dass sie es wagt, diese Gehversuche (SCHULD, BUND und FEUERENGEL) einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und, auch wenn nicht alle diese Beiträge zünden, die jungen AutorInnen nicht vertröstet und nochmal ins Trainingslager schickt.
Geblieben sind auch Beiträge, die sich konsequent einer gängigen Typisierung entziehen und eher märchenhafter Natur sind (WUNDER, GOTTES KIND und FEUERENGEL), auch wenn diese Märchen mit teils brachialen Mitteln erzählt werden. Für Leser, die auf eine unbedingt logische Auflösung verzichten können und in der Lage sind, sich einfach von der Stimmung einer Geschichte (oder besser: auf dunklen Schwingen) tragen zu lassen, sind Marc-Alastor E.-E.s und Dominik Irtenkaufs so geartete Beiträge unbedingt zu empfehlen. Beides eher ausladende, düstere Gemälde als nüchtern durchkonzipierte Reissbrettzeichungen.
Freunden des eher bodenständigen (aber deswegen nicht weniger wirkungsvollen) Grusels kommen bestimmt die Beiträge von Andreas Gruber, der sich aufgrund seiner Verlässlichkeit inzwischen zu einer festen Phantastik-Größe entwickelt hat, das tragisch-romatische Carpenter/Staats-Duett und Aino Laos überraschende Anekdote aus dem Black Wings Inn gelegen. Nachdenkenswerte Beiträge, da sich Teile davon gut in die wirkliche Welt übertragen lassen, liefern Uschi Zietsch und Alisha Bionda selbst.
Zusätzlich zum Titelbild hat der Grafiker Mark Freier zu jeder Story eine Grafik erstellt, die je eine Szene aus der Geschichte wiedergibt und so diesen Gesichter verleiht. Zusammen mit den liebevollen Szenetrennern (kleine Fledermäuse) und natürlich den Stories selbst, ergibt sich ein kompaktes Gesamtbild, das trotz der Unterschiedlichkeit der Beiträge überzeugen kann.