Diese deutsche Produktion entführt den Zuschauer in die Welt der Großbanken - oder besser er hebt den Betrachter auf die Ebene der Topmanager dieser isolierten Welt, graue, kalte Finanzjongleure. die mit ihren Gefühlen mindestens genauso haushalten wie mit ihren Investitionsrisiken. Die gläsernen Hochhäuser, in deren Konferenzräumen sich diese kühl kalkulierenden Karrieretypen gegenseitig belauern, wirken wie Terrarien, in denen seltsame Reptilien präsentiert werden.
In dieser gefühlsminimalistischen Welt lernen wir die drei Hauptprotagonisten kennen, einen Jungmanager und seine Frau sowie einen erfahrenen Banker auf dem Zenit seiner Macht. Der Schweizer Theaterschauspieler Roland Hunger-Bühler spielt diesen kalten König des Investments mit zerfurchter Regungslosigkeit so überzeugend, dass man sich wünscht, dieses Gesicht öfters in Filmen zu sehen. Nicolette Krebitz, die in den Neunzigern mal schwer angesagt war, ist immer noch auf eine herbe Art sehr hübsch und man kann durchaus nachvollziehen, dass der alternde Finanzhai sich in diese Frau seines jungen Kollegen verguckt - und später mehr oder weniger leidenschaftlich verliebt. Das mit der Leidenschaft ist aber so eine Sache - und auch die eigentliche Schwäche dieses Films - denn selbst die Schäferstündchen zwischen dem ungleichen Liebespaar wirken eher wie unerfreuliche Pflichtübungen, und wenn auch der Versuch, diese Bankenwelt als intimes Porträt einer unpersönlichen, glattgebügelten Welt des Scheins und des Schein Bewahrens zu porträtieren, durchaus gelungen ist, so wenig kann man mit diesen unterkühlten Figuren mitfühlen, deren Persönlichkeit einfach zur Maske erstarrt ist. Nach einer guten Stunde ist man schlicht zu ermüdet, um der möglichen Tragik dieser Figuren weitere Beachtung zu schenken. Sind diese Protagonisten nun vereinsamt, gelangweilt oder einfach nur sinnentleert? Der kontinuierliche und aufgezwungen wirkende Balanceakt zwischen Schein und Sein erleichtert die Antwort auf diese Frage nicht - solange, bis man an der Antwort nicht mehr interessiert ist.
Dennoch ist dieser Film ein mutiger, wenn auch gelegentlich überstilisierter Versuch, eine fremde Welt darzustellen, die vielen leitenden Angestellten und Managern in ihren Grundzügen vielleicht gar nicht so unvertraut ist, ein artifizieller und verdammt sperriger Versuch, die Chancen und Grenzen des "Ich-Seins" in unserer postmodernen Gesellschaft auszuloten.